Zwischenfrüchte. Nutzen und Risiken für den Pflanzenschutz
Im DLG-Podcast »Zwischenfrüchte neu gedacht« werden die nach wie vor vielen offenen Fragen zum Anbau diskutiert. Auch aus Sicht des Pflanzenschutzes gibt es dabei einiges zu bedenken.
Ungeachtet der vielen positiven Effekte von Zwischenfrüchten gibt es aus Sicht des Pflanzenschutzes auch ein paar Knackpunkte. Wie wird man z. B. Weidelgräser in der winterharten Zwischenfrucht-Mischung im Frühjahr wieder los? Oder: Was ist beim Zwischenfrucht-Anbau mit Blick auf Schnecken und Mäuse zu beachten?
Im DLG-Podcast »Zwischenfrüchte neu gedacht« geht es um praktische Erfahrungen, um die Chancen, aber auch um Hemmnisse und Grenzen der Intensivierung des Zwischenfruchtanbaus z. B. in Bezug auf Arbeitswirtschaft, Technik oder betriebswirtschaftliche Aspekte. Jonas Trippner, Projektleiter Pflanzenproduktion und Außenwirtschaft im DLG-Fachzentrum Landwirtschaft & Lebensmittel, spricht mit Klaus Keppler, Landwirt am Hofgut Dettenberg (Baden-Württemberg) und Max Stadler, freiberuflicher Trainer und Berater für Ackerbau und Arbeitskreisleiter der GKB Südbayern. Beide Gesprächspartner einen langjährige Erfahrungen mit intensivem Zwischenfruchtanbau. Sie beschreiten neue Wege – ob mit Blick auf die Bodenstruktur, auf mechanische Verfahren oder auf gezielte Artenkombinationen.
Dazu Klaus Keppler: »Die winterharte Zwischenfrucht muss natürlich in den Betriebsablauf passen. Ursprünglich kam die Zwischenfrucht aus dem Futterbau. Die Tierhaltung wurde dann weniger, der Futterbau auch. Aber in unserer Region haben wir sehr viele Biogasanlagen. Da sind wir im Prinzip wieder beim Futterbau. Wir haben hier am Standort den großen Vorteil, dass wir tolle Weidelgras-Bestände hinkriegen, die wir im Frühjahr beernten können. Wir haben dadurch eine winterharte Zwischenfrucht, eine Zwischenernte und den Boden die ganze Zeit bedeckt, dazu noch eine sehr gute Vorfrucht vorm Silo- bzw. Körnermais.
Wir säen das Weidelgras unmittelbar am Tag der Ernte der Wintergerste bzw. maximal einen Tag später direkt in die Gerstenstoppel hinein. Das Stroh bleibt auf der Fläche, deswegen können wir auch hinter dem Mähdrescher herfahren. Der Vorteil: Das Weidelgras ist schneller als die Gerste. Das ist ganz entscheidend, jeder kennt Ausfallgerste. Wenn sie erst einmal Fuß gefasst hat, lässt sie neben sich nichts anderes hochkommen. Bei uns wächst auch ein bisschen der Gerste durch. Dann machen wir bei dem Weidelgras in der Regel nach etwa sechs Wochen einen flachen Schröpfschnitt. Wir fahren einfach mit dem Mulcher darüber, um die Bestockung vom Weidelgras entsprechend anzuregen bzw. die Gerste, die zwischendrin wächst, zu deckeln. Dann zieht das Weidelgras los. Es kommen noch Gärreste darauf und wir kriegen normalerweise Ende Oktober noch einen Schnitt in der Größenordnung von 3 bis 4 t TS aus dem Weidelgras und dann im Frühjahr noch einmal einen Schnitt. Dieses Jahr war es besonders gut, wir waren bei 6,5 t TS. Und dann legen wir den Mais direkt in diese Weidelgrasstoppel.
Und wenn man keine Biogasanlage in der Nähe hat, um das Weidelgras zu nutzen? Dazu Max Stadler: Wenn der Regen knapp ist, würde ich folgendermaßen vorgehen: Keine reine winterharte Zwischenfrucht ansäen, sondern 25 bis 30 % winterharte Komponenten wählen und den Rest abfrierend. Am besten vor Mais und nicht vor Rüben. Vor Rüben ist einfach zu wenig Zeit, um die Winterharten ausreichend umzubrechen. Das Wachstum der Winterharten sollte rechtzeitig beendet werden, vor Mais bei uns also etwa am fünften April. Ob mechanisch oder per Glyphosat ist egal – auf jeden Fall ist dann auch der Wasserverlust nicht so groß.
Bei einem Teil abfrierender und einem Teil winterharter Zwischenfrüchte entfaltet sich natürlich nicht deren 100 %ige Wirkung. Aber wenn man das Weidelgras nicht nutzen kann, macht es auch keinen Sinn, es in die Mischung zu nehmen. Denn die Probleme, die auftreten können, sind enorm – die normale Zwischenfrucht wird ja nicht beerntet, sie wächst im Herbst weiter. Das Gute auf dem Betrieb von Klaus Keppler ist, dass er einen Schröpfschnitt macht oder mulcht und einmal erntet. So vermeidet er die Gefahr der Samenbildung, die bei einer normalen Mischung natürlich besteht. Vorteilhaft ist Roggen, Hafer funktioniert natürlich genauso gut. Hafer oder Sandhafer sind abfrierende Gräser, Roggen und Triticale sind winterhart.
Klaus Keppler: Aber das Entscheidende ist, dass das Weidelgras in irgendeiner Form abgeschnitten wird, bevor es die
Samenreife erreicht. Sonst wird das Ganze unkontrollierbar. Wenn das Weidelgras zu lange stehen gelassen wird oder es z. B. in manchen Begrünungen lange stehen bleiben muss, kommt es zu den bekannten Problemen.
Intensiver Zwischenfruchtanbau heißt: Der Boden soll möglichst lange bedeckt sein und er soll möglichst lange belebt sein durch die Pflanzenwurzeln. Viele Landwirte sind daher skeptisch hinsichtlich eines möglichen Befalls mit Schnecken, Mäusen, Drahtwürmern.
Klaus Keppler sagt dazu: »Schnecken sind schon ein Thema für uns. Wir haben Sonnenblumen in der Fruchtfolge, die ja von den Schnecken bevorzugt wird. Deshalb nutzen wir eine teilabfrierende Zwischenfrucht, mit einem relativ hohen Kresseanteil. Schnecken mögen keine Kresse. Damit haben wir das Schneckenproblem in der Sonnenblumenfläche relativ gut im Griff.
Die Mäuse spielen bei uns wegen der relativ hohen Niederschläge nicht die entscheidende Rolle. Wir haben aber jedes Jahr auf fast allen Flächen irgendwo ein paar Flecken, auf denen sie drin waren. Das kriegen wir dadurch in den Griff, dass wir im Herbst relativ konsequent Vogelkrücken aufstellen und an manchen Stellen noch eine Legeflinte einsetzen.
Max Stadler: »Wenn man ein Schneckenproblem hat, kann man bei der Direktsaat neben dem Saatgut gleich Schneckenkorn mitlaufen lassen. Zum Thema Mäuse: Bei uns in Bayern ist ja alles ein bisschen kleiner strukturiert. Wir haben viele Hecken oder Bäume und stellen auch Sitzstangen auf. Aber das Entscheidende ist, dass wir wegen Trockenheit und Starkregen Direktsaat und Zwischenfrüchte nutzen wollen. Wenn wir starke Niederschläge haben, 50, 60 l und das zweimal hintereinander, mit großen Schlaglängen bis zu 800 m, bekommen wir auf gepflügten Flächen riesige Probleme. Da brauchen wir eine gewisse Sicherheitsstrategie. Deren Nachteil ist dann eben, dass wir im Management von Mäusen und Schnecken mehr tun müssen.«
Bietet man durch Zwischenfrüchte dem Drahtwurm eine Nahrungsgrundlage oder fördert man mit ihnen vor allem dessen Antagonisten? Klaus Keppler: »Der Drahtwurm kommt plötzlich vor auf Flächen, auf denen noch nie Feldfutterbau oder Zwischenfrüchte standen und andersherum genauso. Die Entwicklungszyklen des Käfers, vom Saatschnellkäfer bis zum Wurm, sind offenbar heute viel kürzer. Ich würde sagen, die Probleme mit dem Drahtwurm kommen nicht vom Zwischenfruchtanbau, aber wir kriegen sie damit auch nicht weg.«