Portrait. Ein ganzes Dorf volle Kühe
Der Milchviehbetrieb von Familie Zijlstra besteht aus zwei Standorten, die aber beide im gleichen Ort liegen. Tiergesundheit, Rationalisierung, Arbeitsorganisation – weil die Vorteile überwiegen, soll der Betrieb auch weiterhin geteilt bleiben.
Einen Standort mit insgesamt 1 760 Kuhplätzen betreibt Familie Zijlstra mit ihrer Milsana Handels- und Produktionsgesellschaft im Landkreis Oder-Spree. Auf der einen Seite des Ortes liegen die bisherigen Gebäude auf der anderen Seite ist ein weiterer Betriebsteil mit neuen Ställen und einem 60er-Außenmelker-Karussell entstanden.
Die neuen Laufställe bieten viel Tierkomfort. Sie haben große Tiefboxen, die mit einem Stroh-Kalkgemisch eingestreut werden und eine großzügige Zahl Ventilatoren und Kuhduschen über dem Futtertisch. Die Laufgänge sind planbefestigt und werden mit Faltschiebern gereinigt. Die Jalousien an den Seitenwänden können komplett geöffnet werden. Die beiden neu erbauten Ställe sind jeweils 173 m lang und 37 m breit. Langfristig sollen in ihnen alle melkenden Kühe untergebracht sein und am bisherigen Standort in den Altgebäuden die Trockensteher und abkalbenden Kühe.
Zur Unternehmensgruppe gehören insgesamt zwei Milchviehbetriebe, ein Mutterkuhbetrieb, zwei Biogasanlagen und 3 000 ha landwirtschaftliche Fläche. Weitere 1 000 ha werden als Dienstleister bewirtschaftet. Inhaber Erik Zijlstra ist vor 25 Jahren gemeinsam mit seiner Ehefrau Karina nach Ostbrandenburg gekommen. 1999 kauften die Zijlstras ein Drittel des Tierzuchtgutes Heinersdorf, 2005 die restlichen zwei Drittel, 2007 einen Ackerbaubetrieb und 2010 den Nachbarhof. Auf der Hälfte der 4 000 ha wächst Futter, auf der anderen Hälfte wachsen Marktfrüchte.
Künftig möchten die drei Kinder der Zijlstras in den Betrieb einsteigen. Die Betriebsentwicklung kann also weitergehen.
Die Bürokratie macht der Familie das betriebliche Wachstum allerdings oft nicht einfach: »Für die Genehmigung der beiden neuen Laufställe haben wir z. B. drei Jahre gebraucht«, sagt Erik Zijlstra.
Ist es nicht zu umständlich, dass die Kühe weiterhin auf die beiden Standorte verteilt bleiben? »Im Gegenteil«, sagt Zijlstra, »die zwei Standorte bringen sogar Vorteile. Die beiden parallelen Betriebsteile lassen sich gut rationalisieren und es ist ja nur eine Entfernung von zwei Kilometern. Die Tierzahl ist außerdem auch nach dem Neubau gleich geblieben«.
Weidegang im Sommer. Die Kühe gehen in den Sommermonaten auf die Weide. Der Betrieb ist nach Haltungsform-
stufe 3 der Initiative Tierwohl zertifiziert. Geliefert wird die Milch an die Verarbeitungsunternehmen Fude & Serrahn und Heinrichsthaler Milchwerke.
Dreimal tägliches Melken. Nach der Inbetriebnahme des Außenmelker-Karussells im Januar 2023 wurden die Kühe zweimal täglich gemolken. Seit Februar 204 hat der Betrieb auf dreimal tägliches Melken umgestellt. »Das ist wirtschaftlicher und es sind rund um die Uhr Personen auf dem Betrieb, was Managementvorteile bringt«, sagt Zijlstra. Außerdem gab es vorher relativ viele Kühe, die nachgemolken werden mussten. Das soll sich durch das dreimalige Melken ändern. »Vor dem Einbau des Karussells haben wir in einem 40er-Innenmelker-Karussell rund 18 Stunden gemolken, aktuell benötigen wir 13 Stunden mit 280 bis 300 Kühen pro Stunde«, sagt Betriebsleiter Rudi Breitsma. Durchschnittlich ist jede Kuh derzeit acht Minuten im Karussell, aber etwa 40 Minuten pro Melkzeit »unterwegs« und mit dem Gang zum Karussell, dem Warten im großzügig bemessenen Vorwartebereich und dem Melkvorgang beschäftigt. Im Karussell gibt es eine automatische Zwischendesinfektion. Momentan hat der Betrieb eine Milchleistung von rund 35 kg pro Tag bei 4,24 % Fett und 3,44 % Eiweiß. Das wollen Zijlstra und Breitsma steigern. Ein weiteres Ziel: das Umstellen auf selektives Trockenstellen.
Vier Kuhgruppen gibt es pro Stall. Sie werden einmal täglich mit einer Totalen Mischration (TMR) aus Mais- und Luzernesilage, Häckselstroh, Biertreber, Raps- und Getreidestroh gefüttert. Nahezu alle Komponenten baut der Betrieb selbst an, nur Rapsschrot und Biertreber werden zugekauft.
Die Jungviehaufzucht ist ausgelagert. Die Kälber werden zu Marktpreisen an einen anderen Betrieb verkauft. Milsana bestimmt die Bullen, mit denen die Rinder besamt werden und kauft sie zwei Monate vor der Kalbung zurück.
Die HF-Bullenkälber werden an ein Unternehmen vermarktet, das eine Preisstaffelung für besonders gute und schwere Kälber hat. Der Betrieb arbeitet auch mit Beef-on-Dairy und belegt einen Teil der Milchviehherde mit Bullen der Rasse Charolais. »Die Kreuzungstiere lassen sich gut vermarkten und die Abkalbungen verlaufen unkompliziert«, sagt Betriebsleiter Rudi Breitsma.
Bislang ist das Finden von Arbeitskräften für die Milsana kein großes Problem. Aber es wird auch viel Wert auf gute Arbeitsbedingungen und auf das Wohlbefinden der Mitarbeiter gelegt. Zum Beispiel ist das Melkhaus beheizt und die Melker haben möglichst gleichbleibende Arbeitsschichten. Zwischen 26 und 28 Angestellte arbeiten in der Regel für Milsana. Die relativ komfortable Mitarbeitersituation war einer der Gründe, warum sich Familie Zijlstra bei ihrem Neubau letztendlich gegen den Kauf eines Automatischen Melksystems und für ein Melkkarussell entschieden hat.