Neuzulassungen. Winterraps: Die Ertragsabsicherung wird immer wichtiger
Die Anbaufläche von Winterraps in Deutschland hat sie sich zuletzt wieder stabilisiert.
Aktuell liegt sie bei rund 1 bis 1,1 Mio. ha. Bei der derzeitigen positiven Preisentwicklung ist mit einer weiteren Ausdehnung des Rapsanbaus zu rechnen. Dabei sollte man jedoch darauf achten, eine strikte Anbaupause von mindestens drei – besser vier – Jahren einzuhalten. In der Züchtung rückt eine gute Phoma-Resistenz zunehmend in den Fokus. Hier geraten klassische Resistenzgene wie Rlm7 durch neue Pathotypen des Erregers immer mehr unter Druck. Daher versucht man jetzt unter anderem, mehrere verschiedene Resistenzgene miteinander zu kombinieren. Somit gewinnen neue Resistenzgene und Genkombinationen an Bedeutung, die in Verbindung mit einer hohen Grundtoleranz der Sorten für eine nachhaltige Ertragsabsicherung sorgen. Die aktuellen Neuzüchtungen tragen dieser Entwicklung Rechnung.
- ertragsstärkste Neuzulassung
- breite Anbaueignung
- sehr gute Phoma-Toleranz
Blackberry hat in den dreijährigen Wertprüfungen des Bundessortenamtes von allen Neuzulassungen die höchsten Kornerträge erzielt. Diese Spitzenleistungen werden durch sehr hohe Ölerträge ergänzt. Agronomisch überzeugt die Sorte durch eine ausgeprägte Phoma-Toleranz, die nicht auf bestimmten Resistenzgenen basiert. Auch fällt eine insgesamt gute Stängelgesundheit auf. Das trägt zu vitalen Beständen und einer hohen Ertragssicherheit bei. Auch gegenüber Verticillium zeigt Blackberry eine mittlere bis gute Toleranz. Damit besteht eine solide Grundabsicherung – auch in engen Rapsfruchtfolgen. Die gute Gesundheit findet sich auch in einer leichten Reifverzögerung im Stroh wieder.
Ein weiterer Vorteil ist die breite Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Standorte und Bodenverhältnisse. Die Sorte erzielt unter verschiedensten Anbaubedingungen zuverlässig hohe Leistungen.
Die Herbstentwicklung ist ordentlich, was für einen frühen bis normalen Aussaatzeitraum spricht. Zudem zeigt die Sorte eine gute Winterhärte. Trotz des recht rahmigen Wuchses ist die Standfestigkeit gut. Blackberry beginnt früh zu blühen, wobei die Entwicklung in einer mittleren Reife mündet.
- Mendel-Resistenz gegen Kohlhernie
- hoher Phomaschutz (Resistenzgene Rlm7 + LepR1)
- verzögerte Strohabreife
Cronic ist eine leistungsstarke kohlhernieresistente Sorte auf Basis der Mendel-Resistenz. Sie erreicht hohe bis sehr hohe Ölgehalte und hohe Kornerträge. Daraus ergibt sich ein hoher bis sehr hoher Ölertrag. Der Vorteil von Cronic gegenüber anderen kohlhernieresistenten Sorten ist die Kombination der beiden Phomaresistenzgene Rlm7 und LepR1. Darüber hinaus verfügt sie über eine TuYV-Resistenz. Somit handelt es sich um eine gesunde Sorte mit hoher Anbausicherheit.
Im Anbau präsentiert sich Cronic sowohl im Herbst als auch im Frühjahr frohwüchsig, so dass späte Saattermine möglich sind. Dies ist auf Kohlherniestandorten besonders vorteilhaft.
Bei einem mittellangen Wuchs ist die Standfestigkeit gut. Die frühe Blüte mündet in einer mittleren Abreife. Auffällig ist dabei eine verzögerte Strohabreife (APS 6 in der Reifeverzögerung des Strohs). Sie untermauert einmal mehr die gute Gesundheit der Sorte. In besonders frühen und trockenen Jahren kann diese Eigenschaft ein Vorteil sein, da die Pflanzen so die Umlagerungszeit aus den grünen Stängeln ertraglich nutzen können. Mit Blick auf den Erntetermin und die Druschfähigkeit muss man entsprechend flexibel sein.
- frohwüchsig
- stabil hohe Erträge
- kompakt & stängelgesund
Golding ist eine Sorte, die dank ihres TKG sehr hohe Korn- und Ölerträge erzielen kann. Dabei verfügt sie abgesehen von der TuYV-Resistenz über keine weiteren besonderen Krankheitsresistenzen. Dennoch präsentiert sich Golding recht stängelgesund, was sich auch in einer gewissen Reifeverzögerung des Strohs zur Ernte wiederfinden lässt. Die gute Ertragsleistung basiert auf einer vergleichsweise sehr frühen Blüte. Durch eine lange Umlagerungsphase kann das volle Korn- und Öl-Ertragspotential umgesetzt werden.
Dank der wüchsigen Herbstentwicklung sind mittlere und späte Saattermine möglich. Auch wenn Golding nicht zum Aufstängeln neigt, sollte bei frühen und mittleren Aussaatterminen auf eine ausreichende Wachstumsreglermenge geachtet werden.
Die Winterhärte ist solide bei normalem Wachstumsstart im Frühjahr und guter Regenerationsleistung. Im Vergleich zu vielen anderen neueren Sorten präsentiert sich Golding etwas kompakter im Wuchs, wodurch die Lagerneigung gering ist.
- neues Phoma-Resistenzgen Rlm12
- sehr hohes Ertragsvermögen
- Cylindrosporium- und TuYV-resistent
Karat ist eine leistungsstarke Sorte aus dem mittleren bis mittelfrühen Reifesegment, die bei der Phomaresistenz eine deutliche Weiterentwicklung zeigt. Resistente Sorten sind die effektivste Maßnahme gegen diese äußerst ertragswirksame Krankheit. Der Pilz Phoma lingam gilt jedoch als recht anpassungsfähig, so dass es zu Resistenzbrüchen kommen kann. Karat ist die erste marktreife Sorte, bei der das neue Rlm12-Resistenzgen eingezüchtet werden konnte. Die Besonderheit dabei ist der Wirkmechanismus. Wirkt z. B. das bisher dominierende Phoma-Resistenzgen Rlm7 verstärkt über das Blatt, zeigt Rlm12 »nur« eine mittelstarke Blattwirkung. Dafür sind die Effekte auf den Stängel umso stärker ausgeprägt. Rlm12 kann ihn vor vielen unterschiedlichen Phomarassen schützen – vor allem gegen solche, die bekannte Resistenzen überwinden können. Neben Rlm12 ist zusätzlich auch noch das RlmS-Gen eingezüchtet, was ebenfalls zur Phoma-Abwehr beiträgt.
In milden, nassen Wintern ohne Vegetationsruhe sind die Bedingungen für Cylindrosporium meist günstig. Mit einer resistenten Sorte ist man hier ebenfalls sicher aufgestellt. Karat bringt diese LLS-Resistenz mit. Darüber hinaus ist die Sorte resistent gegen das Wasserrübenvergilbungsvirus. Dabei führt die gute Resistenzausstattung nicht zu einer ausgeprägten Reifeverzögerung im Stroh, was sich positiv auf das Druschverhalten auswirkt. Trotz all dieser guten Gesundheitsmerkmale ist Karat bei weiter Fruchtfolge am leistungsstärksten.
Dank des robusten Wuchses und der geringen Neigung zur Stängelbildung kann die Aussaat zeitlich sehr flexibel erfolgen. Gleichzeitig überzeugt die Sorte mit einer guten Winterhärte und guter Regenerationsfähigkeit. Der Wachstumsstart im Frühjahr erfolgt tendenziell etwas später, und die Blüte beginnt mittelfrüh. Damit folgt Karat nicht ganz dem Trend vieler Neuzulassungen der vergangenen Jahre, die tendenziell immer früher blühen.
Im Wuchs präsentiert sich die Sorte etwas länger, verfügt aber über eine gute Standfestigkeit. Dank des sehr hohen Ertragsvermögens und des hohen bis sehr hohen Ölgehaltes lassen sich sehr hohe Ölerträge generieren.
- frühe bis mittlere Saattermine
- TuYV-resistent
- auch für enge Rapsfruchtfolgen geeignet
LG Akerman ist eine robuste und sehr ertragsstarke Winterrapshybride. Sie bringt eine TuYV-Resistenz, eine genetisch fixierte Schotenplatzfestigkeit und eine Rlm7-Phomaresistenz mit. Die gute Widerstandsfähigkeit gegen Verticilium macht LG Akerman auch für enge Rapsfruchtfolgen interessant. Größere Reifeverzögerungen sind trotz der guten Gesundheit nicht zu beobachten.
Bei normaler Herbstentwicklung eignet sich die Sorte vor allem für frühe bis mittlere Saattermine, wobei die Winterhärte sehr gut ist. Das Zeitfenster für die Regeneration im Frühjahr ist vergleichsweise lang. Hier präsentiert sich LG Akerman frohwüchsig mit einem langen Wuchs (APS 7!) und einer guten Standfestigkeit. Dennoch empfiehlt es sich, die Standfestigkeit mit einem Wachstumsregler im Frühjahr zu unterstützen.
Der Blühbeginn erfolgt vergleichsweise spät. Durch die mittelspäte Reife ist die Zeit für die Korneinlagerung aber noch recht lang. Der etwas geringere Ölgehalt führt bei einem hohen bis sehr hohen Kornertrag zu Abstrichen beim Ölertrag.
- sehr hohes Öl- und Kornertragsniveau
- gute Winterhärte
- breites Aussaatzeitfenster
Die mittelspät abreifende Neuzulassung LG Alwin zeichnet sich durch ein sehr hohes Öl- und Kornertragspotential aus. Besonders hervorzuheben ist der sehr hohe Ölgehalt, der vom Bundessortenamt mit der Bestnote APS 9 bewertet wurde.
Bei guter bis sehr guter Vorwinterentwicklung und sicherer Etablierung im Herbst ist ein breites Aussaatfenster gegeben. Die gute Winterhärte sichert einen erfolgreichen Anbau ab.
Gegen das Wasserrübenvergilbungsvirus ist die Sorte mit einer entsprechenden Resistenz abgesichert. Auffällig ist zudem die gute allgemeine Stängelgesundheit. Dabei ist eine geringe Verticilliumanfälligkeit hervorzuheben, die den Anbau auch in engen Rapsfruchfolgen interessant macht. Gleichzeitig zeigt sich
LG Alwin robust gegenüber Cylindrosporium und Phoma. Bei mittellangem Wuchs (APS 6) verfügen die Pflanzen über eine stabile Standfestigkeit.
- robust und sehr frohwüchsig
- sehr hohe Schotenplatzfestigkeit
- gutes Gesundheitsprofil
LG Arrakis erreicht sehr hohe Kornerträge sowie hohe Ölgehalte. Die Sorte kennzeichnet eine starke Herbstentwicklung, weshalb sich normale und späte Saattermine empfehlen. Frühsaaten sollten unterbleiben. Zudem ist auf eine entsprechende Wachstumsreglerstrategie zu achten. Das gilt nicht nur für den Herbst sondern auch für das Frühjahr. Der lange Wuchs mit mittlerer bis guter Standfestigkeit sollte abgesichert werden. Bei früher Blüte zeigt LG Arrakis eine mittlere Reife.
Mit einer TuYV-Resistenz, einer Phoma-Resistenz (RLM7) und einer sehr guten Toleranz gegenüber Verticillium ist die Sorte gesundheitlich gut aufgestellt. Dies spiegelt sich auch in einer gewissen Reifeverzögerung im Stroh wider. Das sollte beim Druschtermin beachtet werden. Dabei reduziert die sehr gute Schotenplatzfestigkeit Ertragsverluste in kritischen Phasen vor der Ernte.