Neuzulassungen. Wintergerste: Viele qualitätsbetonte neue Sorten
Wintergerste ist seit Jahren die zweitwichtigste Getreideart in Deutschland.
Aktuell nimmt sie eine Anbaufläche von rund 1,3 Mio. ha ein. Dabei ist vor allem die Ertragsstabilität ein wichtiger Entscheidungsfaktor für den Anbau. Im Feld dominieren mehrzeilige Sorten deutlich: Sie stellen etwa 70 % der Anbaufläche. Zweizeilige Sorten spielen vor allem in bestimmten Regionen und für Qualitätsmärkte eine ergänzende Rolle. Lag bei den Neuzulassungen in vergangenen Jahren verstärkt der Fokus auf mehrzeiligen Sorten, zeigt sich in diesem Jahr ein anderes Bild. Während es nur drei neue Mehrzeiler gibt, haben acht zweizeilige Sorten die Zulassungshürde genommen. In ihren Eigenschaften spiegeln sie die aktuellen Züchtungsentwicklungen im Spannungsfeld von Ertrag, Qualität und Anbausicherheit wider.
- ertragsstark
- hervorragende Kornqualität
- gute Blattgesundheit
Agostina ist eine mittelfrühe zweizeilige Wintergerste mit einer Resistenz gegen das bodenbürtige Gelbmosaikvirus Typ 1. Ertraglich erreicht die Sorte in beiden Behandlungsstufen ein hohes bis sehr hohes Niveau. Das zeigte sich auch in den dreijährigen Wertprüfungen. Gleichzeitig erfüllt sie die Qualitätsanforderungen, die an zweizeilige Sorten gestellt werden. Eine Einstufung von APS 8 im Marktwarenertrag, Vollgerstenertrag sowie beim Tausendkorngewicht (TKG) unterstreicht das hohe Qualitätsniveau.
Der mittellange Wuchstyp zeigt eine solide Standfestigkeit und sorgt gemeinsam mit der geringen Anfälligkeit für Halm- und Ährenknicken für eine hohe Ertragssicherheit. Ergänzt wird das positive Gesamtbild durch eine ausgewogene Resistenzausstattung. Hervorzuheben ist hier die geringe Netzfleckenanfälligkeit.
- Gelbmosaik-Doppelresistenz
- hervorragende Strohstabilität
- überdurchschnittlichs TKG
Frieda ist resistent gegen Typ 1 und 2 des bodenbürtigen Gelbmosaikvirus. Die Sorte gehört zum mittleren Reifesegment und zeichnet sich durch einen kurzen Wuchs mit guter Standfestigkeit aus. Zugleich zeigt sie eine geringe Neigung zum Halm- und Ährenknicken. Die Strohstabilität ist somit hervorragend. Auch bei der Blattgesundheit weiß Frieda mit guter Widerstandskraft zu überzeugen. Lediglich bei Ramularia liegt sie auf einem guten durchschnittlichen Niveau. In der Summe macht sie das durchaus auch für den ökologischen Anbau interessant.
Ertraglich zählt Frieda nicht zu den Spitzensorten. Unter reduzierten Bedingungen kann sie noch gut mit den klassischen Zweizeilern mithalten. Jedoch fällt sie in der Kornertragsstufe 2 ab. Aus diesem Grund hat das Bundessortenamt sie lediglich mit APS 6 eingestuft.
Qualitativ überzeugt Frieda wiederum auf ganzer Linie mit hohen bis sehr hohen Marktwaren- und Vollgerstenerträgen. Dabei fällt das TKG und das Hektolitergewicht überdurchschnittlich hoch aus.
- hohe Markt- und Vollgerstenanteile
- breite Standorteignung
- Extensivsorte
Gerda ist eine mittelabreifende Neuzulassung mit Gelbmosaikvirus Typ 1-Resistenz. Als Bestandesdichtetyp kombiniert sie eine hohe Ertragsleistung mit einer ausgeprägten Robustheit. Sowohl gute als auch schwache Standorte sind für den Anbau geeignet. In Höhenlagen und in Regionen, die eine gute Winterhärte erfordern, sollten aber eher andere Sorten bevorzugt werden. In Stufe 1 erreicht sie hohe bis sehr hohe Kornerträge (APS 8). Das ist zum einen auf die sehr gute Standfestigkeit, die hohe Strohstabilität und die geringe Neigung zum Ährenknicken zurückzuführen. Zum anderen trägt dazu auch ihre ausgeglichene Resistenzausstattung bei den Blattkrankheiten bei. Einzig auf Mehltau sollte geachtet werden, da hier eine höhere Anfälligkeit besteht (APS 7). Mit einem entsprechenden Pflanzenschutzmitteleinsatz lassen sich die Erträge steigern. Letztere fallen dann aber im Verhältnis zu anderen Sorten etwas geringer aus (APS 7).
Bei der Kornqualität überzeugt Gerda mit hohen Marktwaren- und Vollgerstenanteilen, einer ansprechenden Kornsortierung sowie guten Hektolitergewichten.
- Winterbraugerste
- resistent gegen BYDV und BaYMV-1
- vergleichsweise geringe Ertragsleistung
Als erste und bislang einzige zweizeilige Winterbraugerste ist Isidora nicht nur resistent gegen das Gerstengelbmosaikvirus Typ 1, sondern auch gegen das Gerstengelbverzwergungsvirus (BYDV). Somit ist die Sorte zusätzlich vor Viruserkrankungen geschützt, die durch Insekten übertragen werden.
Als mittelkurzer Bestandesdichtetyp verfügt Isidora über eine mittlere Standfestigkeit. Auf ein sehr frühes Ährenschieben folgt eine frühe Reife. Die Frohwüchsigkeit und der Entwicklungszyklus helfen auch in trockenen Jahren bei der Ertragsabsicherung. Darüber hinaus ist Isidora abwehrstark gegenüber Rhynchosporium und Mehltau. Die etwas höhere Ramulariaanfälligkeit muss gezielt abgesichert werden. Die Erträge fallen mit APS 5 in Stufe 1 und APS 4 in Stufe 2 vergleichsweise gering aus. Das ist u.a. auf das Einkreuzen der Gelbverzwergungsvirus-Resistenz zurückzuführen.
Qualitativ überzeugt die Sorte mit sehr hohen Vollgersten- und Marktwarenerträgen. Zudem verschafft ein gutes Hektolitergewicht beste Voraussetzungen für die Vermarktung als Braugerste. In den nächsten Jahren müssen die Großmälzversuche zeigen, welche tatsächliche Wertigkeit sie in ihrer Malz- und Braufähigkeit besitzt. Diese Ergebnisse werden letztlich wesentlich über die Anbauwürdigkeit von Isidora entscheiden.
- ertrags- und qualitätsstark
- blattgesund
- etwas erhöhte Lagerneigung
LG Cascade ist ein mittelspäter Bestandesdichtetyp mit mittelkurzem Wuchs, aber etwas erhöhter Lagerneigung. Dementsprechend sollte die Wachstumsreglermaßnahme angepasst werden. Die Strohstabilität ist dennoch hervorragend, was das Erntemanagement erleichtert.
Besonders hervorzuheben ist die gute Blattgesundheit. Dabei ist die Abwehrkraft gegenüber Zwergrost und Rhynchosporium-Blattflecken überdurchschnittlich gut. Zudem ist die Sorte resistent gegen das Gelbmosaikvirus Typ 1.
Hohe bis sehr hohe Kornerträge in beiden Behandlungsstufen unterstreichen das hohe Leistungspotential. Gleichzeitig überzeugt die Sorte durch sehr hohe Marktwarenerträge mit sicherem und hohem Hektolitergewicht. Eine gute Sortierleistung sowie die ausgezeichnete Kornqualität mit sehr hohem TKG runden das gute Qualitätsprofil ab.
- resistent gegen BYDV und BaYMV 1
- außergewöhnlich hohes TKG
- gute Blattgesundheit
Paquita ist eine mittelfrühe Neuzulassung, die über eine breite Virusresistenz verfügt. Mit ihr ist man gegen das bodenbürtige Gelbmosaikvirus Typ 1 und das durch Blattläuse übertragene Gelbverzwergungsvirus (BYDV) gut aufgestellt.
Ertraglich liegt Paquita auf dem Niveau etablierter Standardsorten. In der Kornqualität punktet die Sorte mit hohen Marktwaren- und Vollgerstenanteilen sowie einem außergewöhnlich hohen TKG. Damit ist sowohl ein Anbau als klassische Futtergerste als auch für qualitätsorientierte Vermarktungskonzepte möglich.
Die mittellangen Pflanzen zeigen eine durchschnittliche Standfestigkeit bei guter Strohstabilität und geringer Neigung zum Ährenknicken. Die Anfälligkeit für Mehltau ist sehr gering, die für Netzflecken, Rhynchosporium und Zwergrost gering. Das ermöglicht einen reduzierten Fungizideinsatz. Lediglich gegenüber Ramularia ist Paquita anfälliger (APS 6), was entsprechend beachtet werden sollte.
- Winterbraugerste
- sicher im Anbau
- blattgesund
Winterset ist eine frühe und ertragsstabile Winterbraugerste. Sie überzeugt mit hohen bis sehr hohen Marktwaren- und Vollgerstenerträgen und bietet damit grundsätzlich gute Voraussetzungen für einen wirtschaftlichen Braugerstenanbau.
Agronomisch präsentiert sich die Sorte kurz im Wuchs und äußerst ährenstabil. Trotzdem ist die Lagerneigung etwas erhöht. Daher ist mit Beginn des Schossens die Wachstumsreglermenge gezielt anzupassen. Beim Halmknicken liegt sie auf einem durchschnittlichen Niveau. Im Bedarfsfall sollte hier in BBCH 37 abgesichert werden.
Winterset verfügt über eine breite Grundgesundheit und zeigt sich besonders stark gegenüber Zwergrost. Auch die Toleranz gegenüber Mehltau, Rhynchosporium und Netzflecken ist überdurchschnittlich gut.
Besonders hervorzuheben ist die hervorragende Malz- und Brauqualität. Winterset erzielt vergleichsweise hohe Extraktgehalte sowie die höchste Beta-Amylase-Aktivität (APS 8) bei gleichzeitig niedrigen Beta-Glucan-Gehalten. Nun müssen die anstehenden Großmälzversuche zeigen, wie hoch die Wertigkeit mit Blick auf die Malz- und Braufähigkeit ist.
- keine Virusresistenz
- gute Blattgesundheit
- hohe Eiweißgehalte
Die zweizeilige Wintergerste Edana wurde im ökologischen Anbau geprüft. Erwartungsgemäß zählt sie nicht zu den ertragsstärksten Sorten. Doch auch die Qualitätseigenschaften können nicht ganz überzeugen. Der Marktwarenanteil ist mit APS 7 solide. Der nur leicht überdurchschnittliche Vollgerstenanteil sollte für eine zweizeilige Sorte höher ausfallen. Zurückzuführen ist das vor allem auf das nur durchschnittliche TKG. Sehr auffällig ist jedoch der vergleichsweise hohe Eiweißgehalt der Körner. Agronomisch zeichnet sich Edana durch ein mittelspätes Ährenschieben und eine mittelspäte Reife aus. Der längere Habitus und der gute Bodenbedeckungsgrad helfen, Beikraut gut zu unterdrücken. Dabei ist die Standfestigkeit solide. Die Neigung zu Halm- und Ährenknicken ist durchschnittlich.
Der Blattapparat zeigt sich über die Vegetation recht gesund. Besonders gegenüber Ramularia ist die Sorte widerstandskräftig (APS 4). Allerdings verfügt sie über keinerlei Virusresistenz. Eine moderne Neuzulassung sollte zumindest gegenüber dem Gelbmosaikvirus Typ 1 resistent sein, da dieser in allen deutschen Wintergerstenanbaugebieten flächendeckend verbreitet ist. Dieses Manko dürfte den Anbau der Sorte doch recht deutlich einschränken.
- sehr ertragsstark
- standfest und strohstabil
- Schwäche bei Zwergrost und Rhynchosporium
Agathe aus dem mittleren Reifesegment überzeugt durch eine außergewöhnliche Kombination aus sehr hohen Kornerträgen, ausgezeichneter Standfestigkeit und hoher Anbausicherheit. In den Wertprüfungen 2023 bis 2025 gehörte sie in beiden Behandlungsvarianten zu den ertragsstärksten Sorten. Zudem erzielt sie hohe Marktwaren- und Vollgerstenerträge, was für eine sichere Vermarktbarkeit sorgt.
Bei kurzem Wuchs ist die Lageranfälligkeit gering (APS 3). Auch neigt Agathe wenig zum Halm- und Ährenknicken. Insgesamt handelt es sich um eine der standfestesten und strohstabilsten mehrzeiligen Sorten. Das macht den Anbau auch auf Standorten mit hoher Nährstoffnachlieferung interessant.
Ergänzt wird das Profil durch eine gute Mehltau- und Netzfleckengesundheit. Für einen erfolgreichen Anbau ist jedoch eine Absicherung gegen Zwergrost (APS 6), Rhynchosporium (APS 7) und Ramularia (APS 6) erforderlich. Damit wird in den meisten Fällen bereits mit Beginn des Schossens eine Fungizidmaßnahme nötig sein. Zudem eignet sich Agathe nur für Gelbmosaikvirus Typ 1-Flächen.
- gute Winterhärte
- hohe Markt- und Vollgerstenanteile
- erhöhte Anfälligkeit für Netzflecken und Zwergrost
KWS Celtis erweitert das Sortenspektrum für die klassischen Gelbmosaikvirus Typ 1-Standorte. Sie gehört zum mittleren bis mittelspäten Reifesegment und überzeugt durch eine gute Winterhärte. Die rasche Herbstentwicklung macht auch Spätsaaten möglich.
Ertraglich liegt die Sorte auf hohem bis sehr hohem Niveau. Auffällig ist die gute Kornqualität, die für hohe Marktwaren- und Vollgerstenanteile sorgt. Ein sicheres überdurchschnittlich hohes Hektolitergewicht sichert den Anbau und die Vermarktung ab. Auch mit Blick auf die agronomischen Feldeigenschaften zeigt KWS Celtis ein recht rundes Profil. Von dem etwas längerem Wuchs sollte man sich nicht abschrecken lassen. Die Grundstandfestigkeit ist gut (APS 4) und die Neigung zum Halm- und Ährenknicken gering. Daraus resultiert eine recht gute Strohstabilität. Nichtsdestotrotz sollte der längere Wuchs bei der Wachstumsreglerstrategie beachtet werden.
Bei der Blattgesundheit ist eine erhöhte Anfälligkeit für Netzflecken und Zwergrost zu berücksichtigen. Bei den übrigen Krankheiten liegt KWS Celtis auf durchschnittlichem Niveau. Somit wird die Sorte beim Fungizideinsatz etwas intensiver zu führen sein.
- breite Virusresistenz
- hohes Ertragsniveau
- sehr gesund
SU Lenoria ist eine moderne mittelfrühe Sorte, die eine hohe Ertragsleistung mit ausgezeichneter Gesundheit und hervorragender Strohstabilität verbindet. Besonders hervorzuheben ist die eingekreuzte Resistenz gegen alle wichtigen bodenbürtigen Mosaikviren (BaMMV, BaYMV-1 und BaYMV-2). Dadurch bietet die Sorte auch auf belasteten Standorten ein hohes Maß an Ertragssicherheit.
In beiden Behandlungsstufen erzielte sie hohe und stabile Kornerträge (APS 7). Und auch die Qualitäten sind mit hohen bis sehr hohen Marktwaren- und Vollgerstenanteilen überzeugend. Allerdings liegt das Hektolitergewicht eher auf durchschnittlichem Niveau, was unter anderem auf das TKG zurückzuführen ist.
Trotz des etwas längeren Wuchses ist die Standfestigkeit hervorragend. Und die hohe Strohstabilität reduziert das Risiko von Lager und Halmknicken deutlich. Darüber hinaus sorgen die sehr geringe Mehltauanfälligkeit sowie die insgesamt gute Blattgesundheit für Anbausicherheit.