Energiekosten. Ohne Importe wird Dünger nicht billiger
"Ernährungssicherheit beginnt mit Düngersicherheit", so Agrarkommissar Hansen. Und damit begründet die EU-Kommission einen Aktionsplan zur Sicherung der Düngerversorgung in Europa. Europa müsse mehr Dünger selbst herstellen. Wie das gelingen soll, bleibt allerdings weitgehend offen.
Denn neue Stickstoffwerke wird wohl kaum ein Chemie- oder Düngemittelkonzern in einer Region bauen, die beim wichtigsten Rohstoff – Energie – so abhängig ist wie kaum eine andere. Weniger Dünger importieren, dafür aber mehr Gas zukaufen? Über diese Brücke dürfte kaum jemand gehen wollen. Unvermeidlich kommen deshalb auch "biobasierte" Dünger ins Gespräch. Dafür sollen Leitmärkte entwickelt werden. Außerdem sollen Biogasgärreste einfacher als Dünger eingesetzt werden können. Wobei sich die Frage stellt: Werden Gärreste nicht schon heute breit eingesetzt – ob einfach oder nicht? Wo sollten sie sonst hingehen? Auch soll es finanzielle Hilfen geben, damit Landwirte ihre Düngerkäufe leichter finanzieren können. Nur: Billiger wird Dünger dadurch nicht. In Brüssel denkt man offenbar noch immer zu wenig marktwirtschaftlich.
Soll ein Produkt günstiger werden, muss das Angebot steigen. Schnell und vergleichsweise unkompliziert ließe sich das erreichen, wenn die für die Versorgung notwendigen Importe von N- und P-Düngern erleichtert würden. Bei Kali ist Europa vergleichsweise gut versorgt. Konkret hieße das: auf CBAM verzichten oder zumindest die CO₂-Abgaben reduzieren. Und Brüssel kann die Importzölle noch so oft aussetzen – meist geht es lediglich um 6,5 %. Das macht Dünger kaum günstiger. Gleichzeitig soll der Import aus Russland über prohibitive Zölle bis 2029 schrittweise auf null sinken. Dabei stammte bis zum Sommer vergangenen Jahres noch rund ein Viertel des EU-Düngerbedarfs aus Russland. Wer diesen Weg geht, darf sich über knapperes Angebot und steigende Preise nicht wundern.
Wenn Dünger wieder erschwinglicher werden soll, dann führt kurzfristig kaum ein Weg an Importen vorbei – und damit auch an der Debatte über CO₂-Abgaben und Russland-Sanktionen. Alles andere wirkt eher kosmetisch und senkt die Kosten kaum.
Und die Nahrungsmittelpreise, die häufig als Begründung herangezogen werden? Überschlägig werden im Weizenanbau rund 180 kg Stickstoff je Hektar eingesetzt. Ist der Preis für KAS infolge des Iran-Konflikts um 150 €/t gestiegen, entspricht das gut 55 Ct/kg N beziehungsweise rund 100 €/ha Mehrkosten. Bei einem Ertrag von 80 dt/ha und einer Mehlausbeute von 75 % ergibt sich daraus ein rechnerischer Effekt von lediglich rund 1,7 Ct/kg Mehl. Beim Raps ergeben sich bei vergleichbaren Düngermengen überschlägig etwa 6 Ct/l Öl.
100 €/ha entscheiden für uns Landwirte über Gewinn und Verlust und können in der aktuellen Lage auch Betriebe in Schieflage bringen. Für die Nahrungsmittelpreise sind 1,7 Ct/kg Mehl oder 6 Ct/l Rapsöl vernachlässigbar. Auch das gehört zur Ehrlichkeit in der Debatte dazu.
Mit diesen Vorschlägen wird die Kommission ihr Ziel einer sicheren und bezahlbaren Düngerversorgung jedenfalls kaum erreichen.
Der Beitrag stammt aus unserem Newsletter “Spotlight” vom 21.05.26. Hier können Sie sich zum kostenlosen Newsletter anmelden.