Blick ins Feld. Nährstoffmangel in Getreide
Im gesamten Beratungsgebiet fallen in dieser Frühjahrssaison auffallend oft Flächen mit Nährstoffmangelsymptomen auf. Von Spurenelementmangel wie Bor, Mangan und Kupfer bis hin zu Mangelerscheinungen von Makronährstoffen wie Magnesium und Schwefel. Gerade nach den letzten deutlichen Niederschlägen Mitte/Ende April inmitten einer Phase mit gewöhnlich intensivem Wachstum häufen sich wieder die Fälle und intensivieren sich die Erscheinungsbilder.
Was sind die Hintergründe?
Ein niederschlagsreicher Herbst liegt hinter uns und auch das Frühjahr war bisher nicht von intensiver Trockenheit geprägt. Je nach Bodengüte des Standortes kann es also sein, dass das Bodenwasser bereits einmal oder sogar mehrmals „ausgewechselt“ wurde. Perkuliert Wasser durch die Bodenmatrix werden leicht wasserlösliche Nährstoffe natürlich mit dem Wasserfluss nach unten transportiert. Aber auch Nährstoffe die gut an Bodenkolloide binden, können durch innere Erosion (Bodenteilchen bewegen sich in der Bodenmatrix) in tiefere Schichten verfrachtet werden. Die nutzbare Feldkapazität (nFK) kann als Faustzahl mit dem Faktor drei der Ackerzahl berechnet werden. Ein Boden mit 40 Bodenpunkten besitzt also in etwa eine nFK von ca. 120 mm. Setzt man die nFK ins Verhältnis der Niederschläge und des Wasserverbrauchs der Bestände am Standort, kann man in etwa abschätzen wie oft der Wasserkörper bereits „rotierte“. Jede Wasserbewegung nach unten birgt das Risiko der Nährstoffverlagerung.
Was ist jetzt zu tun?
Sind keine Mangelsymptome im Bestand zu erkennen, besteht kein akuter Handlungsbedarf. Kleine Mengen Spurenelemente können über die Pflanzenschutzüberfahrten zur Sicherheit ergänzt werden. Hilfestellung können hier, falls vorhanden, Boden- oder Blattanalysen auf Spurenelemente bieten.
Sind bereits Mangelsymptome im Feld zu erkennen, gilt es diese Nährstoffe gezielt über das Blatt auszugleichen. Ein Aufsplitten der Einzelgaben kann hier sinnvoll sein. Im Zweifel müssen hierfür Blattanalysen herangezogen werden. Somit werden auch sich überlagernde Mangelerscheinungen sicher identifiziert. Auch in Beständen, die bisher noch keinen Mangel zeigen bietet sich eine Blattanalyse an, um latenten Nährstoffmangel zu erkennen.
Unter den Makronährstoffen ist in diesem Jahr Schwefel auffallend oft im Mangel. Schwefel ist als Sulfatform im Boden noch stärker Auswaschungsgefährdet als Nitrat. Eine frühe S-Düngung kann also in tiefere Bodenschichten verlagert sein. Auf kühlen nassen Standorten kann außerdem die Nachlieferung aus dem Boden ins Stocken geraten. Bei akutem Mangel kann hier die Zeit mit einer Bittersalzgabe von 10 kg/ha überbrückt werden bis mit Kieserit der Mangel ausgeglichen wird. Aufgrund der Verträglichkeit sollten intensive Blattdüngungsmaßnahmen in extra Überfahrten angewendet werden. Steht ohnehin eine Stickstoffdüngung an, sollte geprüft werden, ob auf Schwefelhaltige Düngerformen (Sulfan, ASS) noch gewechselt werden kann. In Abhängigkeit des Standortes und der Ausprägung des S-Mangels, kann eine S-Düngehöhe von 10-20 kg S/ha angepasst sein. Zum jetzigen Zeitpunkt wird dadurch außerdem die Stickstoffeffizienz für die Abschlussgabe und somit die Qualitätsbildung gefördert.