Blick ins Feld. Abschlussdüngung im Winterweizen
Der Weizen steht mittlerweile kurz vor der Abschlussdüngung. Was er jetzt noch braucht und wann der optimale Zeitpunkt für die Gabe ist, erläutert Hanse-Agro im folgenden Beitrag.
Die Frühjahrsentwicklung der Bestände schreitet weiter voran. Gut etablierte Bestände weisen derzeit ein gutes bis sehr gutes Ertragspotential auf, auch wenn das Frühjahr von anfänglicher Nässe und zwischenzeitlich auch deutlichen Frösten geprägt war. Das aktuelle warme und wüchsige Wetter im Wechsel mit Niederschlägen begünstigen das Wachstum wieder. Auf den meisten Standorten ist somit derzeit die Bodenwassersituation noch entspannt. Dennoch muss auf leichten und trockenen Standorten beachtet werden, dass bei intensivem Wachstum die Bestände dem Boden deutlich Wasser entziehen, welches dann eventuell für die Lösung des Düngers nicht mehr zur Verfügung steht.
Mit der aktuell gewährleisteten Wasserverfügbarkeit ist eine Abschlussgabe in den meisten Regionen Deutschlands sinnvoll. Neben der Witterung hängt die Frage der Abschlussgabe auch vom bisher ausgebrachten Dünger ab.
Organische Dünger kamen aufgrund der Befahrbarkeit erst relativ spät auf die Flächen. Somit ist hier mit einer etwas geringeren Gesamtausnutzung zu rechnen. Je nach Bodentemperatur und Bodenaktivität des Standortes muss hier die aktuelle Nachlieferung eingeschätzt werden. Je später die Ausbringung, desto kälter der Standort und je dickflüssiger die Gülle, desto schlechter ist die Gesamtausnutzung. Dem gegenüber stehen zum Teil sehr warme Böden, die bereits im zeitigen Frühjahr mittlere bis hohe Nmin-Werte zur Folge hatten. Warme Böden und eine gute Bodenstruktur führen zu höheren Nmob-Werten. Bei einer guten Wurzelausbildung können diese von der Pflanze auch genutzt werden und müssen somit jetzt eventuell neu geschätzt werden.
Wird das Ertragspotential, zum jetzigen Zeitpunkt, höher eingeschätzt als zum Zeitpunkt der Düngebedarfsermittlung, kann mit einer zeitigen N3a (EC 37/39) mit schnell wirksamen N-Düngern noch ertragsbetont nachgedüngt werden. In der Zeit vom Erscheinen des Fahnenblattes bis zum Ährenschieben, welches meist zeitgleich mit der Blüte einhergeht, nimmt der Weizen bis zu 5 kg N/ha und Tag auf. Stickstoffmengen von mehr als 60 kg N/ha sollten aufgeteilt werden. Eine erste Teilmenge in EC 37/39 und der Rest zu EC 65/69 für die Qualitätsbildung. Gerade schnell wirkende Dünger (wie KAS) sollten für eine Qualitätsdüngung bei ausreichender Feuchtigkeit nicht zu früh ausgebracht werden, da der Stickstoff von der Pflanze dann eventuell nicht für die Proteinbildung genutzt wird, sondern in Ertrag umgesetzt wird. Harnstoff-Dünger hingegen können bei passenden Niederschlagsereignissen auch bereits zu früheren Anwendungszeitpunkten qualitätswirksam werden. Mit langsam wirkenden Düngern kann somit noch die Bodenfeuchte vor der meist eintretenden Frühsommertrockenheit genutzt werden. So kann man die Qualitätsgabe mit Harnstoff bereits zu EC 39 durchführen, um die Niederschläge in der aktuellen Woche zu nutzen.
Die Düngung sollte bestmöglich an Niederschlagsereignisse gekoppelt werden, um die Ertrags- und Qualitätswirksamkeit des Stickstoffdüngers sicherzustellen.
Prinzipiell kann die Abschlussdüngung auch mit Harnstoffdüngern bzw. Harnstoff-haltigen Düngern durchgeführt werden. Bei begrenzter Feuchtigkeit sind Nitrat-haltige Dünger (wie KAS) jedoch in der Wirkung durch die etwas bessere Löslichkeit und den schnelleren Transport von Nitrat in die Pflanze über den Massefluss, da so die N-Aufnahme optimiert werden kann. Bei ausreichender Bodenfeuchte und Niederschlägen nach der Düngung ist jedoch auch eine Gabe mit Carbamidstickstoff möglich und führt zu einer gleichmäßigeren Stickstoffernährung der Pflanze. Hierbei sollte die Applikation wie bereits erwähnt etwas früher erfolgen. Mit der sofortigen Lösung der Dünger können Ausgasungsverluste minimiert werden.
Bei der Wahl des Düngers ist zu beachten, dass eine schnelle Wirkung eher den Ertrag als Qualität beeinflusst. Ein gezielter Einsatz von stickstoffhaltigen Flüssigdüngern (ca. 10 kg N) kann durch die direkte Benetzung der Ähre die Qualität des Erntegutes erhöhen. Achten Sie aber beim Einsatz von AHL mit herkömmlicher Spritztechnik in diesem Entwicklungsstadium besonders auf optimale Ausbringbedingungen, um Schäden auf den obersten Blattetagen und der Ähre zu verhindern. Des Weiteren kommt es hier auf den Zeitpunkt der Applikation und die Beimischung eines Fungizids an, der Bestand muss eine ausreichend starke Wachsschicht ausgebildet haben.
Dieser Artikel ist zuerst unter www.hanse-agro.de erschienen.