Herbizidstrategie. Weniger Spielraum
Weniger Wirkstoffe, zunehmende Resistenzen, strengere Vorgaben der Mühlen – der Einsatz von Herbiziden bleibt auch in dieser Saison eingeschränkt. Dirk Wolber zeigt, was noch geht.
Viele bewährte Herbizide verlieren an Wirksamkeit, was zu einem rückläufigen Verbrauch auf Bundesebene geführt hat. Zudem gelten weitere Wirkstoffe als Substitutionskandidaten und werden kurz- bis mittelfristig voraussichtlich nicht mehr genehmigt.
Bereits heute sind wichtige Herbizidwirkstoffe wie Flufenacet oder Metribuzin weggefallen. Weitere Substanzen wie Imazamox, Propyzamid, Lenacil, Diflufenican, Aclonifen, Sulcotrione, Tembotrione, Pendimethalin und weitere könnten folgen. Andere Wirkstoffe werden die Lücken füllen müssen und für die Empfehlungen 2026 wichtiger werden – wie Prosulfocarb oder Dimethenamid zur Schadgräserbekämpfung.
Getreide
Für den Frühjahrseinsatz hat sich der Herbizidmarkt kaum verändert. Gegen sensitive Ungräser stehen inzwischen mehrere generische, mesosulfuronhaltige Produkte zur Verfügung. Die bekannten Mittel Atlantis Flex und Niantic werden – wie bereits zuvor – durch Altivate ergänzt und 2026 durch die neuen Produkte Obelisk und Edaptis erweitert. Edaptis enthält zusätzlich den Wirkstoff Pinoxaden.
Das angekündigte Panexion in der OD‑Formulierung ist nicht verfügbar, ebenso wenig das zwar zugelassene, aber nicht bereitgestellte Atlantis Star. Die Herbizide Lentipur, Avoxa und Broadway zeigen eine nachlassende Wirkung und werden daher nicht mehr empfohlen. Obelisk plus Pottok wird in einem Pack angeboten und ist gegen einkeimblättrige Schadgräser zugelassen, wird aber aufgrund der Wirkungsbewertung aus niedersächsischen Versuchen nur zum versuchsweisen Einsatz gegen Windhalm empfohlen.
Getreide im Herbst
Herbizide mit dem Wirkstoff Flufenanacet haben im Herbst 2025 ihre reguläre Zulassung durch Widerruf verloren, dürfen jedoch 2026 bis auf Weiteres eingesetzt werden. Neben der aus den Vorjahren bekannten Herbizidpalette steht in diesem Herbst voraussichtlich auch das Mateno Forte Set zur Verfügung, das die Produkte Cadou SC und Mateno Duo kombiniert. Mateno Duo enthält die Wirkstoffe Diflufenican (100 g/l) und Aclonifen (500 g/l). Die empfohlenen Aufwandmengen liegen bei 0,25 – 0,5 l/ha Cadou SC plus 0,35 – 0,7 l/ha Mateno Duo. Das Set kann vom Vorauflauf bis zum Entwicklungsstadium BBCH 13 in Winterweizen, Wintergerste (hier maximal 0,35 l/ha), Winterroggen und Triticale eingesetzt werden.
Parallel dazu werden die gleichen Komponenten in einer Variante mit höherem Cadou‑SC‑Anteil als Mateno Flexi Set angeboten. Die höheren Aufwandmengen sind für die Bekämpfung von Ackerfuchsschwanz, die niedrigeren für Windhalm vorgesehen.
Breites Wirkungsspektrum
Ein breites Wirkungsspektrum wird bei dikotylen Unkräutern beschrieben, besonders gegen Ackerstiefmütterchen, Ausfallraps, Ehrenpreis-Arten, Hirtentäschel, Klatschmohn, Taubnessel und Vogelmiere. Gegen Kamille-Arten, Klettenlabkraut und Kornblume wird ein guter Wirkungsgrad vor allem bis in den Auflauf erreicht.
Zu nicht-landwirtschaftlichen Flächen ist 5 m Abstand einzuhalten (NT 109). Bis zu einer Aufwandmenge von 0,35 l/ha Mateno Duo beträgt der Abstand zu Oberflächengewässern ebenfalls 5 m (NW 607‑1). Bei höheren Aufwandmengen sind 10 m Abstand erforderlich – sofern 90 % abdriftmindernde Technik verwendet wird.
Resistenzstrategie
Leicht bekämpfbarer Ackerfuchsschwanz ohne Resistenzentwicklung gibt es immer seltener. Die Kombinationspräparate Herold SC oder Malibu sind bewährte Maßnahmen gegen Ackerfuchsschwanz, allerdings nur mit voller zugelassener Aufwandmenge. Reduktionen der Aufwandmengen sind unbedingt zu vermeiden und erhöhen unnötig die Resistenzgefährdung.
Diese Empfehlungen sollten in Weizen oder Roggen durch den Zusatz von Boxer mit 3,0 l/ha abgesichert werden, wenn die Wirkung in der Vergangenheit nicht mehr ganz ausreichte. Je mehr Schadgräser auf einer Fläche verbleiben, umso mehr erhöht sich die Gefahr, dass sich resistente Pflanzen bilden und vermehren können. Das gilt für Ackerfuchsschwanz, Weidelgras und Windhalm.
Hohe Wirkungsgrade der Bodenherbizide sind nur dann möglich, wenn sie zu optimalen Bedingungen eingesetzt werden. Bei geringen Niederschlägen und weitgehend trockenen Bedingungen ist es mit reinen Bodenherbiziden schwer, ausreichende Wirkungsgrade zu erreichen. Allerdings sind Aufhellungen durch den Zusatz von Boxer kaum zu vermeiden.
Bei schwer bekämpfbarem Ackerfuchsschwanz sind mittlerweile in einer Vegetation deutlich mehr Maßnahmen notwendig als noch vor wenigen Jahren. Besonders bei sehr frühen Saatterminen, Trockenheit und nur extensiver Bodenbearbeitung kann es zu einer nicht ausreichenden Bodenherbizidwirkung der Flufenacet-Vorlage kommen. Eine Nachbehandlung mit Trinity 2,0 l/ha war in aktuellen Versuchen erfolgversprechend. Alternativ bietet sich im Spätherbst (auch bei erstem Frost) zur Nachbehandlung Traxos 1,2 l/ha an, wenn noch keine Resistenzen gegen die Wirkstoffgruppe der ACCase-Hemmer vorliegen. In Wintergerste ist bei Bedarf eine Nachlage mit Axial 50 im Herbst
mit 0,9 l/ha und im Frühjahr mit 1,2 l/ha möglich.
Die Bekämpfungsempfehlung gegen Weidelgräser ähnelt der Strategie gegen Ackerfuchsschwanz. Allerdings sind nur wenige Pflanzenschutzmittel direkt gegen Weidelgräser zugelassen, die Indikationszulassung ist aber meist erfüllt, da Weidelgräser häufig in Vergesellschaftung mit Ackerfuchsschwanz auftreten. Deutsches Weidelgras wird in der Regel durch die Anwendung flufenacethaltiger Herbizide im Herbst, gefolgt von Traxos, Axial 50 sowie von Mesosulfuronen im Frühjahr (nur in sensitiven Biotypen) sowie Husar OD oder Broadway bekämpft – jeweils zwingend mit Additiv und in voller Aufwandmenge.
Trespen
Trespen haben in den vergangenen Jahren ebenfalls zugenommen, vor allem auf Standorten mit mehrjährigem Pflugverzicht. Eine erfolgreiche Trespenbekämpfung beginnt bereits im Herbst und ist nur in den Kulturen Winterweizen und Triticale möglich. Wenn gleichzeitig Ackerfuchsschwanz auf der Fläche anzutreffen ist, wäre vorrangig das Bodenherbizid im Herbst einzusetzen.
Mehrjährige Versuchsergebnisse zeigen, dass im Frühjahr häufig eine gezielte Nachbehandlung notwendig wird. Hier bietet sich eine Splittinganwendung von Atlantis flex oder Broadway plus BNM, Avoxa oder von Attribut plus Netzmittel und AHL an. Eine Splittinganwendung teilt die volle Aufwandmenge der möglichen Empfehlungen auf zwei kurz aufeinander folgende Termine auf (insgesamt zulässige Aufwandmenge beachten!). Der Nachbau von Raps oder Kreuzblütlern im Herbst ist nach Anwendungen von Attribut auf der gleichen Fläche nicht möglich.
Windhalm
Auch gegenüber Windhalm kann sich die Wirkungssicherheit von Bodenherbiziden erhöhen, je besser die vorhandene Bodenfeuchtigkeit ausgenutzt werden kann. Deshalb sollte die Anwendung so früh wie möglich erfolgen (z. B. BBCH 0 – 11), idealerweise vor dem Auflaufen der Kultur und spätestens dann, wenn die späteren Fahrgassen gerade erkennbar werden. Grundsätzlich sollten immer Wirkstoffkombinationen eingesetzt werden, etwa mit Diflufenican und/oder Pendimethalin. Auf Standorten mit hohem Humusgehalt kann die Bodenwirkung abgeschwächt sein. Dort verbessert der Zusatz von Boxer bzw. Filon in einer Aufwandmenge von 1,5 – 2,0 l/ha die Wirkungssicherheit von Herold SC oder Malibu, wobei jedoch das Risiko von Verträglichkeitsproblemen steigt – besonders bei stärkeren Niederschlägen nach der Anwendung.
Raps
Im Frühjahr lassen sich im Raps Problemunkräuter wie Mohn, Kornblume, Hundskerbel, Ochsenzunge und Ackerkrummhals meist nur dann zuverlässig bekämpfen, wenn im Vorauflauf mit Clomazone und in Wasserschutzgebieten mit reduzierten Metazachlor-Mengen gearbeitet wurde und anschließend gezielte Spritzfolgen zum Einsatz kommen. In unseren Versuchen haben sich im Nachauflauf vor allem die Kombinationen Runway plus Fox oder Effigo plus Fox in Spritzfolge mit Milestone bewährt; besonders Milestone bietet eine sehr gute Absicherung gegen Kamille, Klatschmohn, Kornblume und Stiefmütterchen. Auch eine Kombination aus Milestone und Fox ist denkbar und eignet sich, um eigene Erfahrungen zu sammeln, während Spritzfolgen aus Runway und Milestone aus Zulassungsgründen nicht möglich sind.
Graminizide wie Agil S, Fusilade Max, Panarex, Targa Super, Select 240 EC oder Focus Ultra wirken ausschließlich über das Blatt, sodass ihr Einsatz frühestens ab dem 2 – 3‑Blattstadium zur Nachbehandlung gegen Ungräser und Ausfallgetreide erfolgen kann. Grundsätzlich lassen sich Graminizide gut mit Runway oder Effigo, Wachstumsreglern oder Insektiziden kombinieren, jedoch nicht mit Fox. Liegt noch keine FOP‑Resistenz vor, ist eine Bekämpfung von Ackerfuchsschwanz mit Agil S, Fusilade Max, Targa Super oder Panarex möglich. Gegen Quecken werden die besten Wirkungsgrade meist nur mit den vollen zugelassenen Aufwandmengen erreicht. Behandelt werden sollte, wenn die meisten Triebe drei Blätter besitzen und aktives Wachstum herrscht.
Propyzamid unterliegt – ebenso wie Metazachlor – bislang keiner Resistenzgefährdung bei Gräsern und ist in Kerb FLO, GROOVE und Milestone enthalten. Sein Einsatz unterstützt den Wirkstoffwechsel in der Fruchtfolge und trägt so zum Resistenzmanagement bei. In der Vegetationsruhe wirkt Propyzamid bei ausreichender Bodenfeuchte sehr gut gegen Ackerfuchsschwanz sowie gegen Trespen, Windhalm und Einjährige Rispe und zeigt zudem Teilwirkungen auf Stiefmütterchen, Vergissmeinnicht und Vogelmiere. Milestone bietet durch den Zusatz von 5,3 g/l Aminopyralid zusätzlich Wirkungen gegen Kamille, Mohn, Kornblume, Vergissmeinnicht und Stiefmütterchen, wobei der Wirkungsgrad je nach Vorbehandlung schwanken kann.
Früher konnte Propyzamid ab Spätherbst bis Ende Februar eingesetzt werden, solange die Bodentemperatur unter 10 °C lag. Auf Standorten mit starkem Nachaufläuferpotential kann sogar ein späterer Termin im Januar gute Ergebnisse liefern, sofern die Böden ausreichend kühl sind. Die besten Wirkungsgrade wurden meist zwischen November und Dezember erzielt – allerdings nur, wenn der Ackerfuchsschwanz noch nicht bestockt war. Da Propyzamid rein bodenaktiv ist und nur in den oberen 5 cm wirkt, besteht bei zu großen Ungräsern die Gefahr, dass sie diesen Wirkbereich bereits verlassen haben. Durch die Klimaerwärmung wird der optimale Einsatzzeitraum zunehmend eingeschränkt: Bleiben die Bodentemperaturen zu hoch, wird der Wirkstoff schneller abgebaut und kann seine Wirkung gegen Ackerfuchsschwanz nicht mehr vollständig entfalten.
Raps im Herbst
Belkar und Synero 30 SL werden im letzten Jahr ihrer Zulassung als Belkar‑Power‑Pack angeboten, während das Nachfolgeprodukt LaDiva – ebenso wie das Power‑Pack – eine sehr gute Wirkung gegen alle relevanten Unkräuter wie Klettenlabkraut, Storchschnabel-Arten, Kornblume, Kamille-Arten, Hirtentäschelkraut und Besenrauke zeigt. Es erfasst auch in Wellen auflaufende sowie schwer zu kontrollierende Arten zuverlässig. Wegrauke und Stiefmütterchen werden zwar nicht immer vollständig bekämpft, ihr Wachstum jedoch deutlich gehemmt.
Besonders effektiv ist der Einsatz von Belkar und LaDiva in einer Spritzfolge, bei der zunächst ab BBCH 12 entweder LaDiva 0,25 l/ha oder Belkar 0,25 l/ha plus Synero 0,25 l/ha ausgebracht wird und nach 14 bis 21 Tagen eine weitere Anwendung mit Belkar 0,25 l/ha ab BBCH 16 folgt. Aus Verträglichkeitsgründen sollten LaDiva und Belkar nicht vor BBCH 12 eingesetzt werden, und auch bei einem verzettelten Auflauf sollten die jüngsten Rapspflanzen dieses Stadium erreicht haben, es sollten also zwei vollständig ausgebildete Laubblattpaare zusätzlich zu den Keimblättern vorhanden sein.
In einer beispielhaften Fruchtfolge Zuckerrüben–Weizen–Raps–Weizen stehen bis 2027 zahlreiche Wirkstoffe zur Verfügung, sodass ein ausreichender Wirkstoffwechsel zur Vermeidung von Resistenzen in der Gräserbekämpfung gewährleistet ist. Wünschenswert wäre jedoch, dass weitere Wirkstoffe zugelassen werden können, um den Wegfall von Wirkstoffen zu kompensieren. Perspektivisch sind besonders Cinmethylen und Bixlozone zu erwarten. Beide müssen jedoch zunächst das EU‑Genehmigungsverfahren durchlaufen. Verzögert sich dieses, verschiebt sich auch die nationale Zulassung – mit der möglichen Folge, dass eine ausreichende Absicherung gegenüber resistenten Schadgräsern künftig nicht mehr vollständig gewährleistet werden kann.