Geschäftsfelder. Wald hat nicht nur Holz zu bieten

Für die meisten Waldbesitzer ist der klassische Holzverkauf die Haupteinnahmequelle. Doch daneben gibt es von Begräbniswäldern bis hin zur Bucheckernvermarktung viele weitere interessante Geschäftsfelder. Christian Mühlhausen stellt einige vor.

Menschen bei einem Waldbegräbnis
Ein Waldbegräbnis bietet eine naturnahe und kostengünstige Alternative zur herkömmlichen Bestattung.
Auch Koppel- oder Nebenprodukte des Waldes wie Bärlauch lassen sich vermarkten. Foto: landpixel

Ein bunter Strauß an Möglichkeiten

Wie in der Landwirtschaft mit Biogas, Bauernhof­ferien oder Direktvermarktung haben sich auch in der Forstwirtschaft neue Geschäftsfelder entwickelt. Jenseits von Begräbniswäldern, Windkraftanlagen im Wald oder speziellen Jagdverpachtungen gibt es beispielsweise folgende:

  • Forstliche Koppel- und Nebenprodukte. Hierzu zählen z. B. Schwedenfackeln, Weihnachtsbäume, Schmuckgrün aus dem Forst, die Gewinnung von Forstsaatgut aus anerkannten Beständen (Forstvermehrungsgesetz beachten), die Gewinnung von Harz und Birkensaft sowie die Vermarktung von Bärlauch an gewerbliche Sammler. Es gibt für fast alles einen Markt: So werden Bucheckern für die Gewinnung von Mehlen als Lebensmittel gesucht und die Fruchtkörper des Pilzes »Zunderschwamm« für die Gewinnung von Kosmetika eingesetzt. 
  • Vertragsnaturschutz. Im Rahmen von Vertragsnaturschutz-Projekten können Wälder ökologisch gegen Bezahlung aufgewertet werden. So z. B. durch die Ausweisung und dauerhafte Sicherung von Habitatbäumen oder eine aktive Waldrandgestaltung. Das Geld dafür kann auch von Privatleuten und Unternehmen kommen. Die »Naturschutzdirekt gGmbH« beispielsweise bringt Waldbesitzer mit Spendern und Unterstützern zusammen, um Natur- und Klimaschutzprojekte umzusetzen wie Baumsponsoring-, Habitatbaum- oder Insektenschutzprojekte. Waldbesitzer können somit die Ökosystemleistung Naturschutz direkt an Unternehmen vermarkten.
  • Naturerlebnisse, Waldpädagogik. Von der Einrichtung spezieller Reitwege gegen Bezahlung durch den örtlichen Reitverein über ausgewiesene Mountainbikerouten, für die ein Jahresticket gekauft werden muss bis hin zu bezahlten Waldführungen und Waldbaden. Wald ist ein beliebter Erholungsraum. Daher ergeben sich Geschäftsmodelle, die über das Maß des durch den Waldbesitzer zu duldenden Waldbetretungsrechts hinausgehen.
  • CO2-Zertifikate. Es ist ein Ärgernis für Waldbesitzer, dass Wald derzeit explizit vom CO2-Zertifkatehandel ausgenommen ist. Bei entsprechender Bewirtschaftung durch den Vorratsaufbau können nämlich große Mengen CO2 gespeichert werden. Es gibt allerdings privatrechtlich Möglichkeiten, Vereinbarungen beispielsweise mit Unternehmen abzuschließen. Derzeit arbeiten im sogenannten Eva-Prozess etliche Branchenbeteiligte an einem Standard zur Quantifizierung von Ökosystemleistungen des Waldes in Deutschland, um durch Einnahmen aus der CO2-Bindung beispielsweise den Umbau zu klimaresilienten Wäldern zu finanzieren.
  • Ökosponsoring. Wenn die staatliche forstliche Förderung nicht greift, können bei Aufforstungen und Wald­umbauten auch Stiftungen einspringen. Etliche Stiftungen von Unternehmen wie Banken und Baumärkten unterstützen engagierte Projekte und suchen geeignete Waldbesitzer. Letztere können auch eigene Projekte auf die Beine stellen und regional nach Sponsoren (Unternehmen oder Bürger) für eine konkrete Maßnahme suchen.