Zucker: Industrie zieht die Reißleine
Halbzeit bei der Zuckerrübenkampagne. Schwache Preise haben im neuen Anbaujahr Konsequenzen.
Die ersten Auswertungen zum Befall der Zuckerrüben mit SBR – also Schäden an den Blättern durch das Saugen der Zikade - sowie Stolbur liegen in diesem Jahr im Anbaugebiet der Wetterau in Hessen bei 2 bis 20 Prozent der Flächen. Vor allem die nördliche Wetterau sei glimpflich davon gekommen, in Südhessen sind 50 bis 70 Prozent der Flächen von SBR betroffen, berichtete vor Kurzem Michael Lenz vom Regierungspräsidium Wetzlar.
Weniger Nymphen
“Wir finden in diesem Jahr weniger Nymphen als in den beiden Vorjahren”, berichtet Lenz über das Monitoring der Schilf-Glasflügelzikade. Der geringe Befall könnte mit den Behandlungen von Insektiziden in Zusammenhang stehen. Die Infektion mit SBR und Stolbur ist vorwiegend über die erwachsenen Zikaden erfolgt und nicht über die Nymphen an den Wurzeln. Über die Eiablage gelangen die Nymphen an die Wurzel. Die Zikaden saugen an den Blättern und übertragen dadurch die Bakterien und verursachen unter anderem eine Gelbverfärbung auf den Blättern.
Notfallzulassungen 2026
Es kommt zur Neubildung lanzettartig geformter Blätter. Die Berater hoffen wegen der geringen Nymphenanzahl auf einen kleinen Ausflug 2026. Auch im nächsten Jahr wird es aller Voraussicht nach wieder Notfallzulassungen von Insektiziden geben. Hier hat auch das Bundesagrarministerium (BMLEH) schon Signale gesendet.
2025 ist ein Spinnmilbenjahr
Ebenfalls mit einer Gelbverfärbung einher geht in den Beständen 2025 der Befall mit Spinnmilben. Sie gehören zur Gattung der Spinnen und sind keine Insekten. Sie sind durch kleine rote Punkte erkennbar. Die Spinnmilben sind in der Lage, bei optimalen warmen Bedingungen innerhalb einer Woche eine komplett neue Generation zu bilden, daher ist der Befall so massiv. Mit den Rekordtemperaturen von bis zu 40 Grad Celsius Anfang Juli sei die Post abgegangen. Und das zu einem Zeitpunkt, als schon bis zu zwei Insektizidbehandlungen gegen Blattläuse erfolgt seien, so Lenz. Wirksam sind hier Akarizide, die als Pflanzenschutzmittel im Garten-,Obst- und Weinbau zugelassen sind. Die wichtigsten Gegenspieler von Milben sind Raubmilben, Florfliegen und Marienkäfer. Landwirte berichten, dass auch Conviso-Zuckerrüben von Milben befallen gewesen seien.
Pilz nur schwer zu stoppen
“Wir haben es in diesem Jahr mit einer multiplexen Angelegenheit zu tun”, führt Lenz aus. Denn neben SBR trat in diesem Jahr die Blattfleckenkrankheit, hervorgerufen durch den Erreger Cercospora beticola, besonders bei spät gerodeten Zuckerrüben auf. Hier sind blattgesunde Sorten im Vorteil. Der Pilz verursacht im Sommer unter feuchten, warmen Bedingungen schwere Schäden an den Blättern, was zu einer Reduzierung der Photosynthese und folglich der Zuckerproduktion führen kann. Die Flecken der Zuckerrüben in Ober-Erlenbach fließen ineinander hinein. Damit liegt eine Zerstörung des Blattapparates vor.
Behandlung vor der Welle
In der KW 24 bis 26 gab es einen schnellen Anstieg von Cercospora mit einer Schadschwelle von 5 Prozent. Wer auf die Primärinfektion nicht reagiert, kann eine weitere Verbreitung kaum noch stoppen. Der Pilz verbreitet sich epidemisch von Pflanze zu Pflanze. Wegen des frühen Ausbruchs haben Landwirte die Erstbehandlung gegen Cercospora häufig zu spät durchgeführt. Frühe Behandlungen zeigen beispielsweise bei der anfälligen Sorte Josephina einen sichtbaren Bekämpfungserfolg. Erfolgt die Fungizidmaßnahme zu spät, breitet sich Cercospora bei weiterem Infektionswetter im Bestand aus. “Der FLV-Vorsitzende und Landwirt Michael Schneller hat auf eine frühzeitige Behandlung gesetzt und in diesem Jahr mit Abstand die schönsten und gesündesten Zuckerrübenbestände in der Wetterau”, hebt KWS-Berater Johannes Grenzebach hervor.
Wegen der rasant schnellen Ausbreitung von Cercospora raten Berater dazu, vor der Welle die Behandlungen zu starten. Notwendig ist dafür eine regelmäßige Bestandskontrolle und prüfender Blick.
In Kooperation mit agrarticker.de.