Düngemittel: Handel ordert auf Sicht
Die ersten Preise zur frühen Einlagerung von Stickstoffdüngern sind veröffentlicht. Die Nachfrage ist sehr gering.
Angesichts der hohen Preise für Stickstoffdünger traut sich kaum ein Landwirt, vor der Ernte Stickstoffdünger zur frühen Einlagerung einzukaufen. Die Hoffnung auf sinkende Preise ist groß. Immer noch liegen mehr als 100 Frachter vor der Straße von Hormus fest, weil die iranische Regierung die Schiffe durch die Meerenge nicht passieren lässt. Würden jedoch die USA und der Iran ein Friedensabkommen vereinbaren, könnten die Frachter passieren und kurzfristig den Weltmarkt mit Ware fluten. Die namhaften Hersteller haben ihre Preise für die Einlagerung veröffentlicht. Sie fallen mit bis zu 30 bis 40 Prozent höher als im Vorjahr aus.
Frankreich kauft Harnstoff
Marktteilnehmer warnen Betriebsleiter davor, alle Einkäufe auf einen späteren Zeitpunkt zu verlegen. Die europäischen Hersteller könnten dann die Ware nicht auf einmal ausliefern. Derzeit ist das Angebot von Harnstoff in Deutschland knapp. Vor allem Frankreich kauft außer Harnstoff auch Kalkammonsalpeter (KAS) in Deutschland, da dort diese Dünger günstiger angeboten werden als auf dem Weltmarkt. Deutsche Hersteller produzieren mit Gas aus Norwegen und sind somit nicht auf das Erdgas aus dem Nahen Osten angewiesen. Französische Landwirte düngen bevorzugt mit Harnstoff und Ammoniumnitrat (AN). Aufgrund der um bis zu 60 Prozent gestiegenen Preise sind die Landwirte auf KAS umgestiegen. KAS wird in Norddeutschland mit 435 €/t ab Lager angeboten. Im Binnenland werden bis zu 460 €/t für prompte Ware aufgerufen. Der Schwefeldünger kostet mit 395 €/t so viel wie im Mai. Harnstoff mit Ureaseinhibitor kostet 765 €/t ab Lager und 750 €/t frei Hof.
Der Flüssigdünger AHL ist stark von den Lieferstopps betroffen, da es im Nahen Osten viele Anlagen gibt. Ferner kaufen die USA sehr viel Ware, die noch auf dem Weltmarkt verfügbar ist. Der Maisdünger DAP notiert bei 875 €/t. Viele Landwirte weichen auf organische Dünger aus.
Teilkäufe vornehmen
Der Agrarhandel ordert nach Informationen von agrarticker.de derzeit nur Ware, die auch wirklich von landwirtschaftlichen Betrieben bestellt wurde. Händler ordern auf Sicht. Oft ist der Satz zu hören: "Die Bestände sind nicht ausgedüngt." Damit könnte gemeint sein, dass Landwirte weniger Stickstoff in der Vegetation gedüngt haben, sodass Nährstoffe fehlen und die Bestände lückig sind. Dies ist vor allem beim Stoppelweizen der Fall. Die dritte Stickstoffgabe wurde nur verhalten gekauft.
Aktuell liegen die ersten Angebote zur frühen Einlagerung auf dem Tisch. Marktteilnehmer raten dazu, einen Teil der Käufe für das Frühjahr 2027 derzeit zu tätigen. Denn weltweit sind die Mengen geräumt. Es dürfte einige Zeit dauern, bis die Produktionen wieder anlaufen. Auch ist unklar, inwieweit die Raffinerien und Düngemittelwerke im Nahen Osten durch die kriegerischen Auseinandersetzungen beschädigt sind.
Schwefel ist teuer
Sehr teuer könnte im kommenden Frühjahr die Düngung mit Schwefel werden. Der Rohstoff ist wegen der gesperrten Straße von Hormus knapp und teuer. In Europa sind die Kapazitäten in den vergangenen Jahren reduziert worden. Hingegen steigt die Bedeutung von Schwefel im Getreideanbau. Ähnliches trifft auf den Nährstoff Phosphat zu. Allgemein ist derzeit eine Abkehr von der Grunddüngung festzustellen. Die Landwirte sparen.
Kaliwelt in Ordnung
Hingegen ist die Kaliwelt noch vergleichsweise in Ordnung. Die europäischen und nordamerikanischen Hersteller sind lieferfähig und von den Problemen im Nahen Osten nicht betroffen. 40er Kali notiert im Juni mit 305 €/t ab Lager unverändert.
In Kooperation mit agrarticker.de.