Düngemittel: Preisunsicherheit herrscht vor
Die Düngerindustrie hält an der CBAM-Abgabe fest. Die Versorgung mit Ware ist in Deutschland und Europa gesichert.
Die deutschen Hersteller von Düngemitteln verzeichneten im abgelaufenen Wirtschaftsjahr 2024/25 ein Absatzplus bei Stickstoff, Kali und Kalk. Der Stickstoffabsatz in der Düngesaison 2024/25 wuchs um etwa 4 Prozent auf 1,1 (Vorsaison: 1,0) Mio. t. Während bei Phosphat-Düngern ein Minus von fast 2 Prozent auf 139.740 t P zu verzeichnen war, konnten Kali-Düngemittel einen Absatzgewinn von gut 7 Prozent auf 340.350 t K20 verzeichnen. Die Kalkdünger bewegen sich nach den Rückgängen aus den beiden Vorjahren kräftig nach oben auf 3,2 Mio. t, ein Plus von 28 Prozent.
Ursächlich seien dafür die guten Witterungsbedingungen während der Hauptausbringzeit nach der Getreideernte gewesen, sagte Marco Fleischmann, Vizepräsident des Industrieverbandes Agrar (IVA), am Dienstag vor der Presse. „Was wir in den vergangenen beiden Jahren auf dem deutschen Düngemittelmarkt gesehen haben, will man nicht ernsthaft Wachstum nennen – es ist eher die überfällige Korrektur, nachdem das Absatzvolumen in der Düngesaison 2022/23 ein historisches Tief erreicht hatte. Heute ist der Markt wieder in Unruhe, ausgelöst durch die geopolitischen Herausforderungen insbesondere infolge des Kriegs im Iran“, erläuterte Fleischmann, der auch Geschäftsführer der Yara Deutschland GmbH ist.
Fleischmann forderte von der Politik konsequentes Handeln im Sinne fairer Wettbewerbsbedingungen für die deutschen und europäischen Düngemittel-Hersteller. Fleischmann hob die Investitionen der Hersteller in emissionsarme Produktionsanlagen hervor. „Sie haben heute nur den halben CO2-Fußabruck wie russische Anlagen“, sagte der IVA-Vizepräsident.
Importzoll für russische Dünger bleibt erhalten
Daher ist es nach Fleischmanns Ansicht unerlässlich, an Maßnahmen wie die Ausgleichsabgabe CBAM sowie Meistbegünstigungszölle (MFN) festzuhalten. CBAM ist zum Jahresanfang eingeführt worden. Die Abgabe müssen Importeure für Ware entrichten, die nicht nach europäischen Standards hergestellt wurde. Die MFN-Zölle hat die EU-Kommission wegen der hohen Düngerpreise derzeit auf Null gesetzt. Nur der Importzoll auf Dünger aus Russland und Weißrussland ist weiterhin gültig. Das solle auch so bleiben.
Die Produzenten halten an CBAM fest, sagte Fleischmann. Vorstellbar sei für den IVA, dass mit der CBAM-Abgabe Landwirte in der aktuellen Iran-Krise unterstützt werden. „Die Lage für die Bauern ist prekär: Ihre Kosten für Betriebsmittel und Energie steigen, während die Erzeugerpreise unter Druck stehen. Es wäre wünschenswert, wenn sie aus den neuen Einnahmen wie den CBAM-Gebühren während der Krise ihren fairen Anteil erhielten", führte Fleischmann aus. Diesen Vorschlag haben die Industrievertreter auch gegenüber der EU-Kommission gemacht, die Mitte Mai einen Düngeraktionsplan vorstellen will.
Beim Vergleich der Düngerpreise gibt Fleischmann Entwarnung. Mit rund 750 €/t Harnstoff mit Ureasehemmer sei der Preis weit von den Ausschlägen 2022 mit Beginn des russischen Angriffkrieges in der Ukraine in Höhe von rund 1.250 €/t entfernt. Was die künftige Preisentwicklung für Dünger betrifft, könne er keine Aussagen machen. Dies hänge mit der Dauer der Sperrung der Straße von Hormus zusammen. In Deutschland und in der EU sei der Selbstversorgungsgrad von Stickstoffdünger mit 75 Prozent hoch. Deutschland werde beispielsweise mit Harnstoff aus Ägypten und Algerien beliefert. Von der Sperrung der Straße von Hormus seien mehr Indien, Asien und Australien betroffen. Allerdings würden weltweit die Mengen fehlen, die im persischen Golf festliegen, was zu Preissteigerungen führe, von denen letztlich auch deutsche Landwirte betroffen seien.
In Kooperation mit agrarticker.de.