Düngemittel: Preissturz eingeläutet
Der Düngemitteleinkauf für die neue Saison 2026/27 fällt nicht so teuer wie befürchtet aus. Schwefelsäure bleibt hingegen gesucht. Die FAO warnt vor einer Ernährungskrise.
Mit Beginn der Friedensgespräche zwischen den USA und Iran seit Wochenbeginn sind die internationalen Preise für Erdöl und Erdgas gesunken. Dieser Rückgang hatte sich schon in den beiden Wochen zuvor angedeutet. Damit sinken die Herstellungskosten für Ammoniak als Vorprodukt für Stickstoffdünger. Der Agrarhandel hat die Preise für Kalkammonsalpeter (KAS) zur frühen Einlagerung der neuen Lage angepasst. Aktuell sind Forderungen für KAS in Höhe von 350 bis 370 €/t beim Handel aufgerufen. Damit fallen die Produktionskosten immer noch höher aus als das Vorkriegsniveau. Dies ist jedoch kein Vergleich zu den Höchstpreisen im Frühjahr, als die Landwirtschaft für schnelle Ware 450 bis 470 €/t wegen der Sperrung der Straße von Hormus bezahlen mussten.
Weltweit haben die Preise für Stickstoffdünger nachgegeben. Die Harnstoffwerke in Ägypten melden Kurse von 475 US-$/t für Harnstoff, das sind fast die Hälfte weniger als die Höchstpreise im April um die 920 US-$/t. Der Rückgang setzte ein, bevor die Straße von Hormus wieder passierbar war, weil Marktteilnehmer eine Entspannung der Lieferengpässe eingepreist hatten, meldet der Branchendienst Argus in London. Auf dem Weltmarkt hat sich die schwache Nachfrage nach Düngemitteln in den vergangenen Monaten bemerkbar gemacht und das Angebot vergrößert. Wegen der hohen Preise haben Landwirte in Südamerika und in den USA den Düngereinsatz stark reduziert. In Folge sind die Preise wieder gesunken.
Ausweichen auf alternative Kulturen
FAO-Chefökonom Máximo Torero warnt in einem Hintergrundbeitrag vor zu großer Freude über den Preisrutsch. So haben Landwirte auf allen Kontinenten den Einsatz von Düngemitteln zurückgefahren oder sind auf alternative Kulturen wie Sojabohnen statt düngerintensives Getreide und Mais umgestiegen, was zu kleineren Ernten in diesem Jahr führen könnte. Hinzu kommen nun noch die Hitzeschäden. Der Marktanalyst StoneX schätzt, dass weltweit seit April bis Juli der Stickstoffdüngerverbrauch um 5 Prozent gesunken ist. Schätzungen der FAO zufolge könnten insbesondere Getreideproduzenten im Jahr 2026 Einkommensverluste von bis zu 5 Prozent erleiden, mit anhaltenden Auswirkungen bis 2030. Die Folgen reichen weit über die Landwirtschaft hinaus und drohen höhere Lebensmittelpreise, steigende Lebensmittelinflation, ein geringeres Wirtschaftswachstum und weltweit zunehmenden Hunger zu verursachen.
Phosphat und Schwefel knapp
Anders als bei Stickstoff gibt es bei Phosphatdüngern keine Entspannung. Stark gestiegene Kosten für die Schwefelsäure verteuern die beliebten Stickstoff-Schwefeldünger. Die Schwefelsäure wird in den Ländern des Nahen Ostens produziert und konnte wegen der Sperre der Straße von Hormus nicht ausgeliefert werden. Seit Kriegsbeginn Ende März verteuerten sich die Schwefelpreise laut Argus um 110 Prozent in China und um 133 Prozent im Mittelmeerraum. Die Phosphatpreise sind wegen teurer Vorprodukte hochpreisig.
In Kooperation mit agrarticker.de.