Getreidehaufen auf einem Markt in Indien
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Indien. Großes Potential, viele Herausforderungen

Beim Handelsabkommen zwischen der EU und Indien bleiben die für beide Seiten sensiblen Bereiche in der Landwirtschaft außen vor. Dennoch ergeben sich über den Zollabbau für EU-Anbieter Perspektiven im Agrar- und Lebensmittelsektor. Welche sind das? Und wie ist es um die Landwirtschaft im bevölkerungsreichsten Land der Erde eigentlich bestellt?

Für bestimmte Geflügelerzeugnisse und haltbar gemachtes Gemüse senkt die EU ihre Importzölle, bei Shrimps/Garnelen gilt ein zollbegünstigtes Importkontingent (TRQ).

Im Gegenzug streicht Indien die Hälfte aller Zolltarife ganz, weitere 40 % werden im Rahmen von Übergangsphasen von fünf bis zehn Jahren auf null reduziert. Davon profitieren Olivenöl, Fruchtsäfte, alkoholfreies Bier sowie verarbeitete Lebensmittel wie Brot, Nudeln, Schokolade, Gebäck und Heimtiernahrung. Eine stufenweise Zollsenkung oder TRQs sieht das Abkommen etwa für Äpfel, Birnen und Pfirsiche vor. Auch alkoholische Getränke profitieren stark: Die derzeit geltenden Zölle von 110 bis 150 % werden auf 20 bis 50 % zurückgefahren. Das Gleiche gilt für Wurst und Wursterzeugnisse, wo  künftig ein reduzierter Zoll von 50 % (bisher bis zu 110 %) fällig ist. Über die Anerkennung geographischer Herkunftsbezeichnungen wird noch verhandelt.

Die für die Landwirtschaft in der EU sensiblen Bereiche wie Rind- und Hühnerfleisch, Reis und Zucker sind von der Liberalisierung im Abkommen ausgenommen. Dasselbe gilt auf indischer Seite für Milchprodukte, Getreide, Geflügelfleisch sowie ausgewähltes Obst und Gemüse.

Den eher geringen Stellenwert, den die deutsche Landwirtschaft dem Indien-Abkommen zumisst, lässt sich an der Reaktion zweier großer Branchenverbände ablesen:

Agrarlandschaft Indien
Indiens Landwirtschaft ist geprägt von extrem kleinen Strukturen. Foto: Arnav Pratap Singh– stock.adobe.com

Wasser ist ohnehin ein großes Thema. Nicht ohne Grund fördert Indien Maßnahmen zur Bewässerung (und dem Wasserschutz) über verschiedene Programme. Mit Erfolg: Im vergangenen Jahr gab das indische Landwirtschaftsministerium bekannt, dass der Anteil der bewässerten ­Agrarflächen im Land zwischen 2016 und 2021 von 49 auf 55 % wuchs. 

Der Hintergrund: Der für die Wasserversorgung so wichtige Südwest-Monsun, der zwischen Juni und September fällt und der für drei Viertel der Jahresniederschläge sorgt, wird immer unvorhersehbarer. Das äußert sich in zunehmend längeren Trockenphasen und häufigeren Starkregenereignissen. Das stört die Wasserversorgung der Flüsse und die Grundwasserneubildung und hat nicht nur negative Folgen für den Ackerbau, sondern auch für die Trinkwasserversorgung und die Energiegewinnung  in den Wasserkraftwerken.