Katrin Rutt
Editorial
Das Gezerre um das deutsche Düngerecht ist eine Odyssee, die ihresgleichen sucht. Seit Jahren hagelt es Kritik von allen Seiten. Immer wieder wird debattiert, geklagt, neu beraten und nachjustiert. Nun verpflichten zwei aktuelle Gerichtsurteile die Bundesregierung zu einer erneuten Überarbeitung des Düngerechts. Die große Frage ist, ob sie lediglich die angemahnten formalen Mängel beheben wird oder ob sie die Chance nutzt und die Düngegesetzgebung noch einmal grundsätzlich auf den Prüfstand stellt. Letzteres wäre natürlich ein richtig dickes Brett. Und man dürfte dann auch keine allzu kurzfristige Lösung erwarten. Aber wünschenswert wäre es! Denn einige der rechtlichen Regelungen sind aus wissenschaftlicher Sicht durchaus zweifelhaft und wenig bis gar nicht zielführend.
Unterm Strich geht es darum, einen Interessenausgleich zu schaffen, der für alle Beteiligten tragbar ist. Der Grundwasserschutz ist ein elementares Ziel für uns als Gesellschaft. Gleichzeitig sollte es aber auch möglich sein, mit einem effizienten Düngemanagement die hohe Produktivität unserer Landwirtschaft zu erhalten.
Mitte Januar kündigte Agrarminister Rainer auf der Grünen Woche an, eine »vollumfängliche Lösung« anzustreben. Für die bevorstehende Düngesaison schafft das natürlich keine Rechtssicherheit. Aber möglicherweise ergeben sich nun auf längere Sicht praxisnähere, zielgerichtetere und verursachergerechtere Düngeregeln.
Düngung
Düngegesetzgebung. Zeit für den Reset-Knopf
Spätestens seit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts Ende Oktober 2025 steht fest: Das deutsche Düngerecht muss überarbeitet werden. Wo die größten Knackpunkte liegen und wie jetzt nachgebessert werden könnte, sagt Henning Kage.
Bei der Düngung geht es für viele inzwischen ans Feintuning.
Eine möglichst hohe N-Effizienz ist wegen der hohen Düngerpreise, der gesetzlichen Rahmenbedingungen und der klimatischen Veränderungen heute wichtiger denn je. Eine verlustarme Ausbringung, eine standortangepasste Düngungsstrategie (Gabenaufteilung, N-Form) und eine individuelle Anrechnung der Nmin-Werte sind die Basis für eine hohe N-Ausnutzung. Häufig wird die N-Effizienz durch den Mangel anderer Nährstoffe begrenzt, was durch Pflanzenanalysen überprüft und mit gezielten Düngungsmaßnahmen kompensiert werden kann. Alle genannten Maßnahmen sind allerdings nur die Hälfte der Miete, wenn die Bodenstruktur nicht in Ordnung ist.