Überbetriebliche Ausbildung. Erst Dummy, dann echtes Tier
Fit für den Alltag im Stall – dafür nutzen angehende Land- und Tierwirte in der überbetrieblichen Ausbildung Trainingsmodelle und simulationsbasierte Übungseinheiten.
Mit deren Hilfe verstehen sie nicht nur theoretische Inhalte, sondern setzen sie sicher in praktische Handlungsschritte um. Verschiedene Ausbildungsstätten arbeiten mit diesen Lernmethoden. Wir haben mit Jana Zibolka vom Zentrum für Tierhaltung und Technik (ZZT) Iden in Sachsen-Anhalt und Dr. Sophie Diers vom Lehr- und Versuchszentrum (LVZ) Futterkamp in Schleswig-Holstein über ihre Erfahrungen gesprochen.
Die Lernenden trainieren entsprechend ihres individuellen Kenntnisstandes und in ihrem eigenen Tempo, ohne eine mögliche Schädigung des Tieres zu riskieren«, nennt Dr. Sophie Diers die Vorteile.
So sieht die praktische Umsetzung aus. Die Auszubildenden üben an verschiedenen Tiermodellen und stellen Arbeiten wie das Enthornen, Kastrieren oder Besamen nach. Beispielsweise werden die Abläufe der Ferkelkastration mit einem Dummy geübt. Auch das Nachstellen einer Tierrettung oder Nottötung ist damit möglich, um ein sicheres, ziel- und tierschutzgerechtes Vorgehen in Notfallsituationen zu trainieren. Bei der Simulation einer Kälbergeburt geht es darum, die Lage, Stellung und Haltung des Kalbes sowie Korrekturmöglichkeiten und das Anlegen von Geburtsstricken oder -ketten mit einem Geburtshilfesimulator bzw. einem lebensgroßen Kuhmodell nachzustellen. Beim Tieraugensimulator können die Lernenden aus der Sicht von Schwein, Kuh und Pferd ihre Umwelt wahrnehmen. Ziel ist es, Ableitungen z. B. für den Umgang mit Schweinen zu vermitteln: Wie verlade ich die Tiere? Wie treibe ich sie durch den Stall?
Mithilfe von Wärmebildkameras können die Auszubildenden Entzündungen im Klauen-, Schwanz- und Ohrbereich erkennen. Häufig auftretende entzündliche und nekrotische Veränderungen bei Ferkeln können auf das oft unterschätzte Swine Inflammation and Necrosis Syndrome (SINS) hinweisen. Weil sich entzündetes Gewebe erwärmt, lassen sich erste Anzeichen mit der Kamera oft schon erkennen, bevor sie äußerlich sichtbar werden.