Reisbrand. Wie ein Pilz das Immunsystem überlistet
Mit dem Immunsystem von Pflanzen ist es wie mit der Kopfschmerztablette. Beim Menschen hemmt die im Aspirin enthaltene Salicylsäure bestimmte Enzyme, die für die Bildung von Schmerzauslösern im Körper verantwortlich sind.
Bei Pflanzen löst Salicylsäure im Fall von »Angriffen von außen« einen besonderen Mechanismus aus. Er soll den Befall mit Schadpilzen eingrenzen, indem befallene Zellen samt dem Erreger absterben. Dumm nur, dass es Schadpilzen oft gelingt, diesen Mechanismus zu überwinden. Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) haben diesen Mechanismus am Beispiel des Reisbrandes aufgedeckt, einer für die weltweite Ernährungssicherung wichtigsten Pflanzenkrankheit. Der Reisbrand produziert selbst einen der Salicylsäure ähnlichen Stoff und schickt ihn zu Beginn der Infektion in die Pflanze. Diese versteht das Alarmsignal falsch und unterdrückt wichtige Abwehrreaktionen. Der Pilz profitiert vom abgestorbenen Gewebe, das ihn doch eigentlich eingrenzen sollte. Die Nährstoffe hat er zur Verfügung, derweil das Immunsystem lahmgelegt ist. Es gibt allerdings Reissorten, bei denen diese »Kamikaze-Reaktion« weniger ausgeprägt ist. In ihnen sehen die Forscher eine Grundlage, die Gefährlichkeit des Reisbrandes über Sortenwahl und Züchtung einzudämmen.