Praxisbeispiel. Direkt säen in grüne Zwischenfrüchte
Die Hauptkultur direkt in einen lebenden Mulch säen? „Planting green“ ist eine Antwort auf Klimawandel und Erosion, hält aber eine Reihe von Herausforderungen bereit. Darüber berichtet ein Landwirt aus Österreich.
Was ist Planting Green? Einfach übersetzt ist es die Direktsaat in grüne Zwischenfrüchte. Und das sagt eigentlich auch schon alles aus. Man sät die neue Hauptkultur in eine noch grüne, voll im Wachstum stehende Zwischenfrucht. Anders als beim Strip Till-Verfahren unterbleibt jegliche Bodenbearbeitung. Das Saatgut wird lediglich eingeschlitzt.
Im Fokus steht dabei die Saat von Wintergetreide in abfrierende Begrünungen. Man kann diese Technik aber auch bei Sommerungen wie Mais oder Sojabohnen anwenden. Hier wird meist in Grünschnittroggen oder Winterrübsen gesät. Beim Planting Green von Sommerungen benötigt man allerdings meistens Herbizide, um die Zwischenfrucht zu beseitigen. Bei blühenden Beständen reicht aber oft auch eine Quetschwalze, wodurch auf Herbizide verzichtet werden kann.
Wo liegen die Vor- und Nachteile?
Nach früh räumenden Kulturen (oder mit Drohnen bereits in den stehenden Bestand) wird eine schnell wachsende und biodiverse Zwischenfruchtmischung gesät, die sich sehr üppig entwickeln kann. Sie deckt den Boden bei Hitze ab, nährt und schützt so das Bodenleben, fördert die Bodenfruchtbarkeit, verhindert Erosion, fördert Insekten (viele Laufkäferarten sind effektive Schneckenjäger), dient Wildtieren als Deckung, sammelt Stickstoff, bindet CO2, baut Humus auf, speichert Wasser im Boden und stabilisiert so die Erträge. Kann man mit entsprechender Technik direkt nach der Hauptfrucht die Zwischenfrucht säen, spart das Arbeitszeit sowie Maschinen- und Energiekosten. Das Feld ist durch die Zwischenfrucht sauber – es gibt so gut wie kein Unkraut. Die Zwischenfrucht liegt nach dem Anbau niedergedrückt auf dem Feld und deckt gut ab, sodass Unkraut unterdrückt und Wasser im Boden konserviert wird. Einzig auf Ausfallpflanzen aus der Vorkultur ist zu achten. Aber hier reicht in der Regel eine sehr einfache und preisgünstige Behandlung im Herbst aus. Die erforderliche Sätechnik ist natürlich teurer als herkömmliche.
Anforderungen an die Zwischenfruchtmischung. Um eine gute Abdeckung durch die Zwischenfrucht zu gewährleisten, eignen sich Leguminosen wie Sommerwicken und Peluschken (Erbsen), aber auch Ackerbohnen. Sie sind zwar langsam in der Jugendentwicklung, decken aber später den Boden hervorragend ab und unterdrücken durch die starke Beschattung Unkräuter und Ausfallgetreide sehr gut. Zu Beginn des Wachstums ist es daher wichtig, andere schnell wachsende Arten im Feld zu haben, die diese Aufgabe übernehmen. Hier haben sich vor allem Öllein, Ramtillkraut, Phacelia, auch Saflor, Ölrettich oder Sonnenblume bewährt. Von Buchweizen raten wir wegen der Samenbildung ab. Mischungspartner können außerdem auch Sorghum, Alexandrinerklee oder Senf sein. Wichtig ist immer eine gute Abdeckung des Bodens und die Unterdrückung von Ausfallsamen und Unkräutern.
Der Anteil an Sommerwicke bzw. Peluschke sollte immer ausreichend hoch sein, da diese ganz besonders zum Erfolg beitragen. Aufgrund der erforderlichen Vegetationszeit der beiden Arten ist der Anbau bis spätestens Anfang August angeraten. Bei späterer Saat zeigt sich der Erfolg oft nicht in gewünschter Weise.
Worauf muss man noch achten? In der Zwischenfrucht ist es an sich immer nass. Das bedeutet, man muss im Herbst zur Saat Phasen mit sonnigem Wetter nutzen. Und morgens ist meist noch sehr viel Tau auf dem Feld, was die Aussaat erschwert. Am besten funktioniert es ab dem späteren Vormittag bis in die Dämmerung hinein. Nachts bekommt man wieder Probleme mit dem Wasser auf den Pflanzen.
Wichtig ist auch (wie bei Direktsaat üblich), langsam zu fahren, um die Saatkörner gut und gleichmäßig tief zu platzieren sowie den Säschlitz gut zu schließen. Durch Direktsaat wird auch viel weniger Unkrautsamen zum Keimen gebracht, was wiederum Pflanzenschutzkosten einspart.
Die Düngung anpassen. Die vielen obenauf liegenden Pflanzenrückstände stellen eine Barriere für feste Düngemittel dar. Das gilt besonders bei Trockenheit. Um den Dünger rechtzeitig an die Wurzel zu bringen, setzen wir im Betrieb auf das Cultan-Verfahren – sofern bei der Saat nicht gleich etwas Dünger für den Start platziert werden kann. In trockenen Jahren liegt bei herkömmlichem Vorgehen der Dünger obenauf. Es braucht Wasser, um ihn zu lösen und an die Wurzel zu bringen. Da aber auch die Schicht aus abgestorbenen Pflanzen zur Rotte Wasser und Stickstoff benötigt, ist der Dünger für die Wurzeln nur schwer zu erreichen. In der Folge hungern die Pflanzen. Das kann zu großen Ertragseinbrüchen führen.
Beim Cultan-Verfahren wird der Dünger in flüssiger Form injiziert und ist sofort für die Pflanze an der Wurzel verfügbar. Mittels Stachelrädern wird er in 32 kleinen Depots pro m2 in den Wurzelbereich eingebracht. Deshalb ist die Cultan-Düngung die perfekte Ergänzung zum Planting-Green-Verfahren. Unnötig zu betonen, dass sowohl durch die Zwischenfrucht als auch durch die Cultan-Düngung der Stickstoffaufwand für die Hauptfrucht deutlich geringer ist.
Synergien beim Pflanzenschutz. Durch das Auslassen der Bodenbearbeitung und die Abdeckung durch Zwischenfrüchte gibt es weniger Probleme mit Unkräutern. Oft reichen einfache, preisgünstige Herbizide vollkommen aus. Sollten im Randbereich Trespen oder andere Gräser vorhanden sein, müssen natürlich potentere Mittel angewendet werden. Durch die bessere Wasserversorgung der Pflanzen sowie die gute Versorgung mit Nährstoffen durch Cultan-Düngung wachsen die Pflanzen besser, sind widerstandsfähiger und gesünder. Dadurch kann man den Aufwand an Insektiziden und Fungiziden deutlich einschränken – oder im besten Fall sogar ganz weglassen, ohne Ertrag zu verlieren. Auch auf Wachstumsregler kann im Trockengebiet verzichtet werden. In feuchten Regionen kann eine Behandlung entfallen. Da durch das Cultan-Verfahren die Wurzelentwicklung massiv gefördert wird, muss Stabilan zu Beginn sowieso entfallen, um keine gegenteiligen Effekte zu erzeugen.
Humusaufbau kostet N
Der Humusaufbau benötigt Stickstoff, der anfangs nicht immer zeitgerecht für die Hauptkultur zurück aus der Zwischenfrucht kommt. Deshalb ist eine N-Gabe zur Saat vorteilhaft. Zusätzlich sollte man ca. zwei bis drei Wochen vor der Saat walzen. Die Zwischenfrucht rottet dann schon leicht an, und die Säfte der absterbenden Zwischenfrucht kommen nicht mit dem frischen Weizen in Kontakt. Das hilft diesem sehr bei der Keimung und Entwicklung im Herbst. Ist der Humusgehalt auf einem neuen Niveau, läuft der N-Zyklus wieder rund und liefert auch gut nach. Dazwischen kann es manchmal Probleme mit dem Ertrag geben.
Eine Vision für die Zukunft
Weizen oder Mais sind mit herkömmlichen Anbauverfahren nicht klimaneutral zu produzieren. Kombiniert man aber die Direktsaat mit biodiversen Zwischenfrüchten und der Cultan-Düngung mit entsprechenden Vorteilen bei der CO2-Einsparung und beim Pflanzenschutz, so sollte es uns gelingen, Ackerbau klimaneutral (oder vielleicht sogar klimapositiv) zu betreiben. Diese These stützen auch wissenschaftliche Berechnungen zur Treibhausgasbilanzierung: Weniger Überfahrten, geringerer Betriebsmittelaufwand und gleichzeitig eine höhere CO2-Bindung lassen die Bilanz sehr gut ausfallen. Eine Hoffnung bleibt vorerst, dass sich dies sowohl in den Produktpreisen widerspiegelt als auch in etwaigen Zahlungen für die Bindung von CO2 an Landwirte.