Grossbtitannien. Vorreiter neuer Züchtungstechnologien
Vielleicht macht das EU-Parlament nach einer erneuten Verzögerung ja im Juni den Weg für die neuen Züchtungstechnologien frei. Dies würde mittelfristig wahrscheinlich die Schleusentore für eine Fülle von Anwendungsmöglichkeiten öffnen. Vorreiter in Europa sind die Briten: Sie haben 2025 ein eigenes Zulassungssystem für mit »Präzisionszüchtung« veränderte Pflanzen eingeführt.
Als erstes Produkt dieser Art hat eine Gerste die erste und wichtigste Anerkennungsstufe durchlaufen, die sogenannte »marketing notice«. Sie bestätigt, dass die Kriterien der Präzisionszüchtung eingehalten worden sind und öffnet den Weg für die weitere Prüfung und Kommerzialisierung. Diese Gerste enthält mehr Fett in den Pflanzenzellen als üblich. Das macht
sie zu einem energiereichen Futter insbesondere für Wiederkäuer, mit dem sehr erwünschten Effekt eines geringeren Methanausstoßes. Ursache ist die gezielte Ausschaltung eines Gens, das normalerweise den Fettabbau in den Zellen steuert.
Ein weiteres Projekt solcher Genom-Editierung – ebenfalls an der Forschungsanstalt Rothamsted in Zusammenarbeit mit auch deutschen Partnern – zielt auf einen geringeren Asparagin-Gehalt im Weizen. Aus diesem entsteht bei hohen Temperaturen, etwa beim Backen, das potenziell krebserregende Acrylamid.
Die Regulierung eines für die Asparagin-Entstehung verantwortlichen Gens kann zur fast vollständigen Ausschaltung dieses schädlichen Stoffes führen. Anders als bei konventioneller Züchtung, bei der offenbar Mutationen auftreten, wird der Ertrag nicht negativ beeinflusst.