Einsparpotential. Kennen Sie Ihre Zahlen?
Die Zeiten für Milchviehhalter sind alles andere als rosig. Deshalb wird es immer wichtiger, die einzelnen Betriebsbereiche genau zu prüfen. Oft sind die Kosten des Grobfutters und der Jungviehaufzucht größere Hebel als erwartet, zeigt Stefan Weber.
Eine schlechte Marktsituation in fast allen Bereichen und die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten drücken derzeit auf das wirtschaftliche Ergebnis der Milchviehbetriebe für das Jahr 2026. Dazu kommen nicht nur die empfindlichen Preiserhöhungen für Energie- und Dünger, sondern auch die hinzukommenden teilweise hohen Steuernach- und Vorauszahlungen. Das kann schnell wieder zu Liquiditätsschwierigkeiten der Betriebe führen.
Wie bereits Mitte 2025 zu erwarten war, ist der Milchmarkt im vierten Quartal des vergangenen Jahres dramatisch eingebrochen. Nun könnte die Talsohle endlich erreicht sein, wenngleich die regional abweichenden Auszahlungspreise weiterhin deutlich unter der durchschnittlichen Kostendeckung liegen.
Die DLG-Spitzenbetriebe erreichten mittlere Produktionskosten des zurückliegenden Wirtschaftsjahres 2024/2025 von durchschnittlich 48,67 Ct/kg ECM. Aktuell erzielen die meisten Betriebe keine Kostendeckung. Deshalb ist es für sie umso entscheidender, weitere Kostenreserven aufzudecken. Anhand der beiden wichtigsten Positionen im Bereich der Direktkosten, Futter und Reproduktion, werden Möglichkeiten der Optimierung deutlich.
Bereits zum zweiten Mal erreichten die DLG-Spitzenbetriebe eine Marktleistung von über 11 t ECM Je Kuh und Jahr. Dem guten Jahr geschuldet haben fast alle Betriebe ein positives kalkulatorisches BZE erzielt. Doch die Streuung ist nach wie vor enorm. Sortiert nach dem kalk. BZE unterscheiden sich die Betriebe um mehr als 10 Ct in den Produktionskosten und um fast 12 Ct im kalk. BZE. Wenn zu erwarten ist, dass für das laufende WJ 25/26 die Milcherlöse um ca. 10 Ct/kg fallen, so werden die meisten Betriebe in diesem Wirtschaftsjahr (WJ) keine Kostendeckung erzielen können. Die Direktkosten haben mit 31,27 Ct/kg einen Anteil von 64 % an den Gesamtkosten, die auch gleichermaßen mit der Qualität des Herdenmanagement verknüpft sind. Ein erfolgreich ausgerichtetes Herdenmanagement steht gleichermaßen für geringere Direktkosten.
Für Reproduktionskosten sollten als Richtwert und Orientierungsgröße 7 Ct/kg ECM und weniger für angesetzt werden. In der Tabelle sind die drei wichtigsten Einflußfaktoren (ECM-Leistung, Färsenkosten, Reprorate) in einer Bandbreite miteinander kombiniert, in welcher die allermeisten Betriebskonstellationen mit abgebildet sind.
Schnell wird dabei deutlich, welche Konstellation ausreicht bzw. Kosten von 7 Ct und mehr je kg ECM anfallen, die eine wirtschaftliche Produktion bei niedrigen Milchpreisen nur schwer zulassen. Das Problem ist jedoch, die meisten Betriebsleiter kennen die eigenen Reproduktionskosten nicht, da es keinen unmittelbaren kausalen Zusammenhang zwischen Effekt und Wirkung besteht. Hinzu kommt, dass kleine und große Defizite in der Aufzucht und der Integration in die Herde schnell zu hohe Tierverluste zur Folge haben. Die unfreiwilligen Jungkuhabgänge dürfen nicht zum Problem werden, denn diese mögliche Baustelle macht den mitunter allergrößten finanziellen Verlust aus. Der Anteil an unfreiwilligen Jungkuhabgängen zur Gesamtzahl an Kuhabgängen sollte unter 12 % liegen.
Vor allem sollten zu Laktationsbeginnen keine oder nur wenige Tiere zwangsselektiert werden müssen. Die Höhe der Jungkuhabgänge ist über ein gutes Managementprogramm schnell zu ermitteln und kann als Entscheidungsgrundlage herangezogen werden, um die unnötigen und schmerzlichen Jungkuhverluste zu reduzieren. Die möglichen Effekte werden oftmals unterschätzt und nicht genutzt. Abgesehen von der Milchleistung sollte klar sein, dass je 5 % Reprorate die Kosten um 1,2 Ct/kg ECM und je Monat EKA die Produktionskosten um 0,3 Ct gesenkt werden können.