Arbeitseffizienz. Da geht noch was
Eine Auswertung der DLG-Spitzenbetriebe Sauenhaltung hat gezeigt, dass die Unterschiede bei der eingesetzten Arbeitszeit je produziertem Ferkel enorm sind. Grund genug, sich das genauer anzusehen, meint Wilfried Brede.
Zeit ist Geld – diese (Binsen-)Weisheit gilt noch immer und natürlich auch in der Schweinehaltung. Denn steigende Lohnkosten und der immerwährende Zwang zu (noch mehr) Kosteneffizienz erfordern es, den Arbeitszeitbedarf der eigenen Produktion unter die Lupe zu nehmen. Das DLG-Forum Spitzenbetriebe Schwein hat einen Schwerpunkt auf dieses Thema gelegt und in seiner aktuellen Umfrage Betriebe nach dem Arbeitszeitaufwand in den einzelnen Produktionsabschnitten befragt. Wie insbesondere die arbeitsintensive Ferkelerzeugung hier aufgestellt ist, soll im Folgenden dargestellt werden.
Der Faktor Arbeitszeit wird oft vergessen
Fragt man Schweinehalter, wo sie ihre Produktion noch verbessern wollen, rangiert das Thema Arbeitsorganisation gleich hinter Tiergesundheit, Fütterung und Stallklima (Umfrage DLG-Agrifuture Insights 2025). In der klassischen Grenzkostenbetrachtung wird der Faktor Arbeitszeit aber meist nicht berücksichtigt. Gute Betriebe wissen zwar, was sie einmal Umrauschen oder ein zusätzlicher Leertag kostet (Übersicht 1 und 2). Zu wenig hinterfragt wird bei Auswertungen allerdings, ob eine zusätzlich eingesetzte Arbeitsstunde auch mit entsprechend höheren biologischen Leistungen beziehungsweise Erlösen verbunden ist.
Arbeitszeit in der Sauenhaltung
Für das Auswertungsjahr 2024/25 haben die DLG-Spitzenbetriebe Ferkelerzeugung Angaben dazu gemacht, wie viel Arbeitszeit sie in welchem Produktionsbereich eingesetzt haben. Grafik 1 zeigt die durchschnittliche Verteilung in Betrieben mit angeschlossener Ferkelaufzucht. Ein Großteil der Arbeitszeit wurde für spezifische Arbeiten an Sauen und Ferkeln im Abferkelbereich (rund 35 %) verwendet und für die Fütterung (etwa 30 %).
Wichtiger ist für den Einzelbetrieb aber ein Benchmarking mit gleich gelagerten Betrieben. Nur im direkten Vergleich lässt sich Verbesserungspotential erkennen.
Basis eines solchen Vergleichs sollte immer das verkaufte Ferkel sein (Kasten). Dass ein unterschiedliches Leistungsniveau das Bild verzerren kann, zeigt auch Grafik 2 beispielhaft. Der höhere Arbeitsaufwand von + 0,4 AKh/Sau/Jahr bei Spitzenbetrieben, die im 1-Wochenrhythmus produzieren gegenüber denen im 2-Wochenrhythmus findet sich bei dem Bezug auf die verkauften Ferkel so nicht wieder (0,38 gegenüber 0,37 h/Ferkel). Generell führen Unterschiede in den Bestands- und Gruppengrößen zu unterschiedlichen Rüstzeiten zwischen den Betrieben. Die kleine Stichprobe sowie die Tatsache, dass über die Hälfte der Betriebe im 3-Wochenrhythmus arbeitet, erlaubt keinen qualifizierten Vergleich der Produktionsrhythmen.
»Pro Sau« ist nicht zeitgemäß
Bei Auswertungen zur Arbeitszeit in Ferkelerzeugerbetrieben ist nach wie vor die Angabe »pro Sau« üblich. Dabei wird jedoch die Anzahl Ferkel, die dahinter steht, nicht berücksichtigt. Mehr Ferkel rechtfertigen jedoch unter Umständen mehr Aufwand. Die Bezugsgröße »pro verkauftes Ferkel« bringt hier die richtige Relation und sollte zur sachgerechten Bewertung der Arbeitseffizienz zum Standard werden. Das gilt auch für andere Kennzahlen wie den Futteraufwand der Sauen oder auch Tierarzt- und Medikamentenkosten.
Schaut man auf die Einzelbetriebsebene, so streut die benötigte Arbeitszeit sehr stark (Grafik 3). Bei den Betrieben mit angeschlossener Ferkelaufzucht (»schwere Ferkel«) ist alles von 0,2 bis 0,73 h/Ferkel dabei. Durchschnittlich werden in den Spitzenbetrieben 0,42 h je verkauftes Ferkel aufgewendet. Setzt man Lohnkosten von 30 €/Stunde an, so ergibt sich eine Kostenspanne von 6 €/Ferkel im effizientesten bis zu 22 €/Ferkel im lohnkostenintensivsten Betrieb. Im Durchschnitt lagen die Kosten bei den insgesamt 44 ausgewerteten Betrieben bei 12,60 €/Ferkel.
Hohes Optimierungspotential – aber es fehlt eine gute Datenbasis.
Die hohe Varianz unter den DLG-Spitzenbetrieben zeigt deutlich, dass es offenbar für viele Betriebe noch großes Optimierungspotential bei der Arbeitseffizienz gibt. Doch spätestens bei der Frage, wo dieses Potential genau liegt und wie es sich erschließen lässt, stößt die bisherige Analyse an ihre Grenzen. Denn die Kennzahl Arbeitsstunden/Ferkel allein sagt nur bedingt etwas darüber aus, wie effizient ein Betrieb die Ressource Arbeitszeit einsetzt.
Bei näherer Betrachtung einzelner »auffälliger« Betriebe stellte sich heraus, dass ein höherer Arbeitsaufwand nicht zwangsläufig schlechte Organisation bedeutet. Bei dem hier vorgenommenen Betriebsvergleich ist zu beachten, dass sowohl konventionell arbeitende Betriebe (gesetzliche Basis oder ITW), aber auch Betriebe mit Haltungsform 3 und 4 an der Auswertung beteiligt waren. Besonders in den letztgenannten Betrieben muss in diesem Zusammenhang die erheblich höhere Arbeitsbelastung auch finanziell im Auszahlungspreis des Ferkels berücksichtigt werden. Ein weiteres Beispiel sind eigene Ferkeltransporte zum Abnehmer. Neben Ineffizienz gibt es also viele gute Gründe, mehr Zeit zu investieren. Voraussetzung ist, dass dem Mehraufwand entsprechende Erlöse gegenüberstehen.
Ohne feste Standards geht es nicht
Im Rahmen der Arbeitszeitauswertung bei den DLG-Spitzenbetrieben wurde also deutlich, dass für ein gutes Benchmarking mehr Informationen notwendig sind als wie viel Zeit welcher Produktionsbereich erfordert. Zudem muss sauber definiert werden, welche Arbeitsschritte zum Prozess »Ferkelerzeugung« gehören sollen, um eine standardisierte Vergleichsbasis zu schaffen. Denn auch scheinbar gleich gelagerte Betriebe unterscheiden sich oft in Punkten wie:
- Eigene Ferkelaufzucht oder Babyferkelverkauf,
- eigene Futterherstellung oder Futterzukauf,
- Direktvermarktung mit eigenem Ferkeltransport oder Transport durch Händler,
- Eigenremontierung oder Jungsauenzukauf,
- Gülle- oder Strohsystem,
- QS-Standard oder zusätzliches Controlling und externe Audits bei höheren Haltungsstufen.
Damit diese Unterschiede nicht zu Verzerrungen bei der Bewertung der Arbeitseffizienz im »Kerngeschäft Ferkelerzeugung« führen, müssen sie zunächst bekannt sein und dann auch herausgerechnet beziehungsweise passende Vergleichsbetriebe für ein Benchmarking gefunden werden. Insbesondere bei betriebswirtschaftlichen Kalkulationen, die im Vorfeld von Investitionen durchgeführten werden, ist die Betrachtung der Arbeitszeit ein Ansatz für eine fundierte Entscheidungsfindung. Eine Grenzkostenbetrachtung der zu erwartenden Arbeitskosten gegenüber den zu erwartenden Mehrerlösen sollte hier durchgeführt werden, um zu beurteilen, ob sich eine Investition lohnt.
Wer Verbesserungspotential erschließen will, kommt um eine exakte Erfassung der Arbeitszeit nicht herum. Die Diskussion der vorliegenden Daten mit den Praktikern hat ergeben, dass es sich häufig eher um Schätzungen der aufgewendeten Arbeitszeit handelt. Für belastbare Daten brauchen wir eine abgrenzende Erfassung der Arbeitszeit in den Betrieben. Ähnlich wie im Bereich der biologischen Leistungen, wo genau definiert ist, wie jeder Parameter zu erfassen ist. Nur dann wird eine Prozessoptimierung möglich. Die Arbeitszeit in der Ferkelproduktion sollte mindestens für folgende Teilbereiche dokumentiert werden: Jungsauenaufzucht, Deckzentrum, Wartestall, Abferkelung, Ferkelaufzucht, Arbeitszeitaufwand rund um Gülle/Mist, Tiertransporte, Controlling, Abluftreinigung. In vielen Betrieben ist die Technik dazu bereits im Einsatz: Rund 65 % der DLG-Spitzenbetriebe mit Sauenhaltung führen eine Zeiterfassung mit Excel, Stempeluhren, Apps oder anderen Systemen durch. Bei den Mastbetrieben sind es knapp 50 %.
Beispiel aus der Mast
Auch in der Schweinemast unterscheidet sich der Arbeitszeitbedarf einzelbetrieblich stark. Bei Vollspaltenboden und wenig Gesundheitsproblemen liegen effiziente Betriebe bei 0,4 h/Platz/Jahr. Der Einsatz von Stroh kann den Arbeitszeitbedarf jedoch stark ansteigen lassen. So zum Beispiel in einem Betrieb, der 71 % seiner Arbeitszeit auf das Entmisten der Schweine verwendet. Der Arbeitsaufwand beläuft sich dadurch auf 2,3 h/Platz/Jahr. Hier wäre mithilfe einer Grenznutzenbetrachtung die Investition in entsprechende Technik zu prüfen.
Fazit
Vieles weist darauf hin, dass im Bereich der Arbeitseffizienz noch ein großes Optimierungspotential für Schweinehalter liegt. Fehlende Standards zur Erhebung und Abgrenzung der Arbeitszeit in den einzelnen Produktionsabschnitten machen den Vergleich mit anderen Betrieben und die Identifikation von Verbesserungsansätzen derzeit aber noch so gut wie unmöglich.