Meinung Fleischwerbung. Verhältnismäßigkeit? Fehlanzeige!
Amsterdam verbietet Fleischwerbung im öffentlichen Raum. Ab Sommer dürfen Fleischprodukte dort nicht mehr auf öffentlichen Plätzen oder im Nahverkehr plakatiert werden. Die Begründung: Klimaschutz.
Damit steckt die Stadtverwaltung Fleisch in die gleiche Kategorie wie Kreuzfahrten, Flugreisen und Dieselautos – die dürfen ebenfalls nicht mehr beworben werden. Und spätestens bei dieser fehlenden Verhältnismäßigkeit fasst man sich an den Kopf. Denn ja: Dass der menschengemachte Klimawandel verheerende Auswirkungen haben wird, wenn wir nicht endlich unsere Anstrengungen erhöhen, gegenzusteuern, ist in der Wissenschaft und in seriösen Kreisen längst Konsens. Aber doch bitte mit Maßnahmen, die auch tatsächlich den CO2-Fußabdruck relevant senken. Und dazu sagt selbst das Umweltbundesamt – das nicht gerade als Lobbyverein für die Landwirtschaft bekannt ist: Sich ein Jahr vegetarisch zu ernähren, spart etwa 450 kg CO2 ein.
Würde man dagegen auf einen vierstündigen Flug verzichten, käme man auf eine Einsparung von 680 kg CO2. Sprich, man müsste sich etwa 1,5 Jahre vegetarisch ernähren, um einen Mallorcaflug »rauszubekommen «. Von weiter entfernten Urlaubszielen oder mehreren Reisen pro Jahr ganz zu schweigen. Glaubt man dagegen den öffentlichen Diskussionen, leistet der Fleischverzicht einen Riesenbeitrag zum Klimaschutz.
Den eigenen Konsum zu hinterfragen, ist sicher nicht verkehrt. Aber das gilt für alle Produkte, nicht nur für Fleisch. Auch Avocados oder Chiasamen glänzen nicht gerade mit Klimafreundlichkeit. Daher würden Fakten und Zahlen statt Ideologie helfen, wenn wir wirklich etwas bewegen wollen.