Ukraine: Getreideexporte steigen um 10 Mio. t
In der Ukraine ziehen die Landwirte in diesem Frühjahr die Sommergerste dem Mais vor. Die Weizenfläche bricht ein. Die EU verliert als Käufer an Bedeutung.
Der Getreideanbau in der Ukraine für das Wirtschaftsjahr 2026/27 sinkt zum Vorjahr um 8 Prozent auf 10,4 Mio. ha. Deutlichen Einbrüchen bei Weizen und Mais stehen leichte Zuwächse bei der Gerste gegenüber (die zu 70 Prozent als Sommerkultur angebaut wird). Der Flächenverlust von insgesamt etwa 750.000 ha geht zum größten Teil auf die Entwicklung bei den Winterkulturen zurück.
Verstärkt wird das nach Einschätzung der US-Agrarattachée in Kiew durch die jüngsten Sprünge bei den Kosten für Energie und Dünger: Beides könnte dafür sorgen, dass die Landwirte ihre Anbauplanung für die Sommerkulturen zugunsten wirtschaftlich lukrativerer (Sonnenblumen) beziehungsweise weniger Input-intensiver Früchte (Sommergerste) kurzfristig ändern.
Beim Mais kommt noch hinzu, dass die Aussicht auf volle Vorratslager und niedrige Erzeugerpreise zum Saisonstart 2026/27 das Interesse der Landwirte ausbremst. Weil die Ernte 2025 groß war (+ 4 auf 31 Mio. t), das Exportgeschäft 2025/26 aber nur schleppend läuft (voraussichtlich + 0,6 auf 20,6 Mio. t), dürften die Jahresendbestände deutlich anwachsen, und zwar um 3,7 auf 4,3 Mio. t.
Hohe Erträge in Aussicht
Die US-Beobachterin rechnet mit hohen Durchschnittserträgen beim Getreide. Die Böden waren zum Saisonstart gut mit Wasser versorgt, importierte Dünger und Pflanzenschutzmittel standen Mitte April in ausreichendem Maße zur Verfügung, daher sei diesbezüglich nicht mit Ertragsverlusten zu rechnen. Im Gegenteil sollen die mittleren Erträge das jeweilige Dreijahresmittel übersteigen. Für Mais prognostiziert die US-Analystin 7,5 (Vorjahr: 7) t/ha, für Weizen 4,9 (4,5) t/ha und für Gerste 4,2 (3,7) t/ha. Auf Basis der aktuellen Flächenschätzung liegen die Ernteaussichten damit für Mais bei 31,5 (Vorjahr: 30,7) Mio. t, für Weizen bei etwa 23 (24) Mio. t und bei Gerste bei 6 (5,5) Mio. t.
Exporte legen stark zu
Weil bei der Gerste die Inlandsnachfrage im Futter in der Saison 2025/26 um gut 60 Prozent auf 0,9 Mio. t eingebrochen und eine Erholung nicht in Sicht ist, bleibt der erwartete Gerstenverbrauch in der Ukraine 2026/27 mit 2,2 Mio. t erneut weit hinter den 3,6 Mio. t des Jahres 2024/25 zurück. Im Gegenzug springt das Exportpotential für die neue Saison um 2,4 auf 4,2 Mio. t in die Höhe. Für Mais und Weizen stehen für das Exportgeschäft gleichfalls deutliche Zuwächse ins Haus; beim Mais + 5,5 auf 26 Mio. t, beim Weizen + 2,5 auf 15,5 Mio. t.
EU verliert an Bedeutung
Wegen der neuen Importvereinbarungen mit der EU verliert die Staatengemeinschaft als Absatzmarkt für Getreide an Bedeutung. 2025 schrumpfte der in die EU gelieferte Teil der Gerstenmenge von 20 auf etwa 8 Prozent des Gesamtgeschäft. Im Gegenzug gewannen China, Türkei, Libyen und Saudi-Arabien an Bedeutung. Auch beim Weizen kam es zu einem stark rückläufigen Exportgeschäft, die Bedeutung verringerte sich von 35 auf etwa 13 Prozent. Im aktuellen Wirtschaftsjahr 2025/26 sind Ägypten, Algerien und Indonesien die wichtigsten Absatzmärkte für ukrainischen Weizen. Beim Mais ist ebenfalls eine sinkende Marktbedeutung der EU zu beobachten, im Jahr 2025 gingen aber noch immer gut 40 (2024: 48) Prozent aller Maisverkäufe in die Staatengemeinschaft. Daneben zählten zuletzt Türkei, Ägypten, Tunesien und Israel zu den großen Maisabnehmern der Ukraine
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