Getreide: Große Ernteeinbußen in Kasachstan
Ungünstige Witterungsverhältnisse lassen das Ertragspotenzial beim achtgrößten Weizenverkäufer weit hinter die Vorjahreswerte zurückfallen. Getreideexporte 2026/27 etwa 18 Prozent unter dem Fünfjahresschnitt.
Die Landwirte in Kasachstan hadern mit dem Wetter. In den Wintermonaten haben hohe Temperaturschwankungen die schützende Schneeschicht immer wieder zum Schmelzen gebracht und Wasser tiefer als üblich in die Böden eindringen lassen. In der Folge vereisten die Böden in einigen Regionen bis in eine Tiefe von 130 cm. Weil es im April bei beinahe durchschnittlichen Niederschlägen kälter als normal war, dürfen die Unterböden vielerorts zur Mitte Mai anstehenden Frühjahrsaussaat noch gefroren und/oder zu nass sein. Davon geht der US-amerikanische Agrarattaché in Astana aus. Dazu kommen ungünstige Wetterprognosen, die auf eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine überdurchschnittlich heiße und trockene Wachstumsperiode hindeuten.
Weizenexporte sinken um 30 Prozent
Das ist zwar nur ein Blick in die Glaskugel, der sich in den kommenden Wochen und Monaten noch ändern kann, er prägt aber die Erwartungen an die Ernte. Und da sieht es gegenüber den überdurchschnittlichen Ergebnissen des Vorjahres eher trübe aus. So prognostiziert der US-Marktbeobachter für die im Jahresvergleich unveränderte Weizenfläche (11,5 Mio. ha) einen Einbruch der Erntemenge um 4 auf 14 Mio. t. Den Durchschnittsertrag sieht er mit 1,2 t/ha gut ein Fünftel unter dem hohen Vorjahresergebnis und auf Höhe des fünfjährigen Mittelwerts. Bei gleichbleibendem Inlandsbedarf (etwa 8,5 Mio. t) liegen die Exporterwartungen beim Weizen derzeit bei 7,5 (Vorjahr: 11) Mio. t. Aber auch das wird nur möglich über einen Rückgriff auf die Vorräte. Die dürften im Verlauf des im September startenden Wirtschaftsjahres um 2 auf nur noch 1 Mio. t schrumpfen.
China kauft nicht mehr
Kasachstan ist ein wichtiger Weizenlieferant für benachbarte Länder, aber auch für Afghanistan und Aserbaidschan. Die sogenannten “Stan”-Länder (Usbekistan, Afghanistan, Tadschikistan, Aserbaidschan, Kirgistan und Turkmenistan) machen über den Daumen gepeilt 2025/26 etwa 90 Prozent des Auslandsgeschäfts mit Weizen aus. China, bis 2024/25 mit Käufen von 3,5 Mio. t ein Großabnehmer, hat in der Saison 2025/26 stark an Bedeutung verloren. Hintergrund sind Engpässe und verzögerte Kontrollen bei der Abfertigung auf chinesischer Seite. Der US-Analyst verweist in diesem Zusammenhang auf die Einschätzung von Marktteilnehmern, die darin einen Versuch der Zentralregierung in Peking sehen, die chinesischen Landwirte vor billigen Futterweizenimporten zu schützen.
Gerstenläger laufen leer
Für die Gerstenerträge sieht es 2026 ähnlich düster aus wie beim Weizen. Auf der zum Vorjahr um 0,1 auf 2,4 Mio. ha zunehmenden Erntefläche wachsen wohl nur 3,1 (3,6) Mio. t Getreide heran. Auch hier fordern die schlechten Wettererwartungen ihren Tribut: Der Prognose zufolge brechen die Erträge gegenüber dem vergangenen Jahr um 18 Prozent auf knapp unter 1,3 t/ha ein. Zum Vergleich: das Fünfjahresmittel beträgt 1,4 t/ha. Damit dürfte 2026/27 so viel Gerste fehlen, dass nicht nur die ins Ausland verkauften Mengen zurückgehen (-0,3 auf 1,5 Mio. t) sondern auch am Binnenmarkt weniger Ware zur Verfügung steht (-0,2 auf 1,7 Mio. t). Die am Ende der Saison 2026/27 zur Verfügung stehenden Gerstenvorräte fallen mit gut 100.000 t so niedrig aus wie zuletzt Anfang der 1990er Jahre. Einschränkend sei erwähnt, dass die Gerstenvorräte bereits seit der Saison 2020/21 von 0,6 auf zuletzt 0,2 Mio. t geschrumpft sind.
Die wichtigsten Absatzmärkte für kasachische Gerste sind 2025/26 Iran, China, Usbekistan und Tadschikistan. Auf diesen Märkten konkurrierte Kasachstan zuletzt verstärkt mit Anbietern aus Russland um Käufer.
In Kooperation mit agrarticker.de.