Feldversuche. Wann rechnen sich Fungizide?
Sind die Bedingungen für die Entwicklung von Schadpilzen günstig, reichen vorbeugende Maßnahmen oft nicht, um Schäden zu verhindern. Fungizide sind dann die Notbremse – aber nur, wenn der potentielle Schaden teurer als die Spritzung ist. Marco Beyer liefert konkrete Zahlen aus Versuchen mit Winterweizen.
Wann lohnt sich ein Fungizideinsatz im Winterweizen? Welche Maßnahmen sollte man aus ökonomischen Gründen lieber einsparen? Orientierung bieten die Bekämpfungsschwellen, die ja eine wirtschaftliche Komponente enthalten. Sie nehmen implizit an, dass die Kosten für eine Fungizidspritzung ähnlich liegen, wie in der Vergangenheit. Die Preise für das Fungizid selbst, für Diesel, Arbeit und Maschinen sind zum Zeitpunkt der Notwendigkeit einer Entscheidung für oder gegen das Spritzen also bereits bekannt.
Maßgeblich dafür, ob sich eine Fungizidbehandlung lohnt, ist aber auch der Erzeugerpreis für Winterweizen. Und er ist zum Zeitpunkt der Notwendigkeit einer Entscheidung für oder gegen den Fungizideinsatz häufig noch unbekannt. Ungewöhnlich hohe oder ungewöhnlich niedrige Erzeugerpreise führen bei der Verwendung starrer Bekämpfungsschwellen zu suboptionalen Ergebnissen.
In Luxemburg wurde ein Versuch angelegt, um zu beantworten, wie hoch der Weizenerzeugerpreis sein muss, damit ein Fungizideinsatz rentabel wird, wie viel Ertrag er absichern muss und was er maximal kosten darf, damit er sich lohnt.
Feldversuche
Um einen Schätzwert für den Ertrag zu bekommen, der durch den Fungizideinsatz nach Integriertem Pflanzenschutz gesichert wird, wurden zwischen 2018 und 2023 in vier Regionen
Luxemburgs (Nord, Süd, Ost, West) Feldversuche angelegt. Sie waren in Parzellen mit 8 bis 12 m2 Fläche und drei bis vier Wiederholungen aufgebaut. Jeder Versuch enthielt eine Kontrolle, in der auf Fungizide verzichtet wurde. Weiterhin gab es eine Variante, in der Fungizide gemäß dem Integrierten Pflanzenschutz eingesetzt wurden. Konkret wurde dann behandelt bei
- Warnung durch das Prognosesystem »SeptorIa ForecasT« oder
- wenn mehr als 30 % der Pflanzen auf den oberen drei Blättern Symptome von Gelbrost zeigten oder
- wenn erste Nester von Gelbrostbefall erkennbar waren.
Neben Septoria-Blattdürre und Gelbrost (Foto Oben) wurden Mehltau und Braunrost beobachtet, deren jeweilige Bekämpfungsschwelle im Betrachtungszeitraum jedoch nicht erreicht. Durch zunehmend trockene Sommer spielen Ährenfusariosen keine große Rolle.
Weiterhin enthielt jeder Versuch eine Variante, in der in den Wachstumsstadien 31 (Beginn Schossen) und 59 (Ende Ährenschieben) Fungizid ausgebracht wurde. In der letzten Variante war das in den Wachstumsstadien 31, 39 (Entwicklung des Fahnenblattes) und 59 der Fall. Abgesehen von den unterschiedlichen Fungizidbehandlungen wurden alle Felder betriebsüblich bewirtschaftet. Insgesamt standen Daten aus 25 Versuchen zur Verfügung.
Eingesetzt wurden kommerzielle Fungizidmischungen in voller Aufwandmenge, wie sie der Landhandel im Versuchszeitraum angeboten hat. Zu Beginn waren Mischungen mit einem Wirkstoff aus der Gruppe der Azole und Chlorthalonil im Einsatz – eine Empfehlung, um die Selektion resistenter Pilzstämme zu vermeiden. Im Laufe der Experimente wurden Chlorthalonil und Epoxiconazol verboten und dann auch in den Versuchen nicht mehr verwendet. Gegen Ende der Versuchsserie wurden vorwiegend die in der Zulassung verbliebenen Azole eingesetzt. Als Versuchssorte dienten Informer (2023), Safari (2021 – 2022), Kerubino (2018 – 2023) und Desamo (2018 – 2020).
Kerubino zählte zu den am häufigsten bei einer wichtigen Mühle angelieferten Sorten und hat eine mittlere Resistenzeinstufung gegenüber Schadpilzen. Die anderen Sorten haben eine bessere Resistenzeinstufung, hatten im Anbau aber noch keine großen Flächenanteile errungen.
Prämien für einen Fungizidverzicht
Auf politischer Ebene wurden EU-weit ambitionierte Reduktionsziele für chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel formuliert. Um sie zu erreichen ohne die Wirtschaftlichkeit des Anbaus zu gefährden, können Prämiensysteme Landwirte für die Verluste, die durch eine Absenkung z. B. des Fungizideinsatzes unter das Niveau des Integrierten Pflanzenschutzes entstehen, entschädigen (wie auch in Baden-Württemberg).
In Luxemburg wurde auf einer Referenzfläche von 1 200 ha eine Prämie von maximal 110 €/ha für den Verzicht auf Fungizidspritzungen eingeführt. Sollte das nicht ausreichen, können Gelder aus anderen Prämienschemata umgeleitet werden, um die Zahlung für Fungizidverzicht bei 110 €/ha zu halten. Sind diese Gelder verbraucht, wird die Prämie für Fungizidverzicht proportional gesenkt. Bei großer Nachfrage kann sie also (deutlich) geringer ausfallen als 110 €/ha. Ein Ziel der vorgestellten Studie war auch, abzuschätzen, wie hoch eine Prämie für den Verzicht auf Fungizide im Winterweizen mindestens sein muss, um einen wirtschaftlichen Anreiz für Betriebe zu bieten, die nach
IP- Richtlinien arbeiten.
Neben Septoria-Blattdürre und Gelbrost (Foto Oben) wurden Mehltau und Braunrost beobachtet, deren jeweilige Bekämpfungsschwelle im Betrachtungszeitraum jedoch nicht erreicht. Durch zunehmend trockene Sommer spielen Ährenfusariosen keine große Rolle.
Weiterhin enthielt jeder Versuch eine Variante, in der in den Wachstumsstadien 31 (Beginn Schossen) und 59 (Ende Ährenschieben) Fungizid ausgebracht wurde. In der letzten Variante war das in den Wachstumsstadien 31, 39 (Entwicklung des Fahnenblattes) und 59 der Fall. Abgesehen von den unterschiedlichen Fungizidbehandlungen wurden alle Felder betriebsüblich bewirtschaftet. Insgesamt standen Daten aus 25 Versuchen zur Verfügung.
Eingesetzt wurden kommerzielle Fungizidmischungen in voller Aufwandmenge, wie sie der Landhandel im Versuchszeitraum angeboten hat. Zu Beginn waren Mischungen mit einem Wirkstoff aus der Gruppe der Azole und Chlorthalonil im Einsatz – eine Empfehlung, um die Selektion resistenter Pilzstämme zu vermeiden. Im Laufe der Experimente wurden Chlorthalonil und Epoxiconazol verboten und dann auch in den Versuchen nicht mehr verwendet. Gegen Ende der Versuchsserie wurden vorwiegend die in der Zulassung verbliebenen Azole eingesetzt. Als Versuchssorte dienten Informer (2023), Safari (2021 – 2022), Kerubino (2018 – 2023) und Desamo (2018 – 2020). Kerubino zählte zu den am häufigsten bei einer wichtigen Mühle angelieferten Sorten und hat eine mittlere Resistenzeinstufung gegenüber Schadpilzen. Die anderen Sorten haben eine bessere Resistenzeinstufung, hatten im Anbau aber noch keine großen Flächenanteile errungen.
Die Erzeugerpreise wurden den jährlichen Mitteilungen lokaler Abnehmer entnommen, die Preise der Fungizide beim Einkauf im Landhandel festgehalten. Der Gesamtpreis für Maschineneinsatz, Abnutzung, Diesel und Arbeitskraft stammt aus den Daten des lokalen Maschinenrings, Preiserhöhungen im Laufe der Zeit wurden berücksichtigt. Die Gesamtergebnisse der Versuchsreihe wurden mit Mittelwerten aus allen Jahren berechnet. Da der Zeitraum für die Studie ein Jahr mit ungewöhnlich hohen Erzeugerpreisen enthielt, wurde auch eine Simulationsrechnung mit einem tendenziell eher geringen Erzeugerpreis durchgeführt. Die monetären Angaben in diesem Artikel beziehen sich auf das Preisniveau der Saison 2023.
Schaderregerüberwachung und seine Kosten
Um das Erreichen einer Bekämpfungsschwelle rechtzeitig zu bemerken und damit zum idealen Zeitpunkt spritzen zu können, ist eine regelmäßige Kontrolle der Pflanzen auf Befall notwendig. EU-Mitgliedstaaten sind angehalten, die wichtigsten Schaderreger großer Kulturen zu überwachen und der Landwirtschaft die Ergebnisse der Schaderregerüberwachung als Warndienst zur Verfügung zu stellen. Da sich das Schaderregeraufkommen aber auch kleinräumig und kurzfristig von den Versuchsflächen des lokalen Warndienstes unterscheiden kann, ist eine Kontrolle der eigenen Felder vor der Entscheidung für oder gegen eine Behandlung dem Warndienst meist überlegen. So eine Kontrolle der eigenen Felder auf Schaderreger kostet Arbeitszeit von qualifiziertem Personal, die im Fall von Krankheiten im Winterweizen bei sorgfältiger Durchführung mit bis zu 26 €/ha zu Buche schlagen kann.
Ertragssicherung durch Fungizide
Durch den Fungizideinsatz gemäß Integriertem Pflanzenschutz konnten im Durchschnitt der Jahre, Standorte und Sorten 7,1 dt/ha Ertrag im Vergleich zur ungespritzten Kontrolle gesichert werden. Ein Fungizideinsatz zu BBCH 31 und 59 mündete in 6,7 dt/ha mehr Ertrag als die Kontrolle. Eine Behandlung der Bestände zu BBCH 31, 39 und 59 zeigte 8,9 dt/ha mehr Ertrag als die ungespritzte Kontrolle.
Wirtschaftlichkeit
Im Durchschnitt der Jahre, Standorte und Sorten haben drei Spritzungen 8 €/ha weniger gebracht als die unbehandelte Kontrolle (Grafik , rechts). Eine zweifache Behandlung erzielte 11 €/ha mehr als die unbehandelte Kontrolle (Grafik, rechts). Der Fungizideinsatz gemäß Integriertem Pflanzenschutz hat 68 €/ha mehr gebracht als die ungespritzte Kontrolle (Grafik rechts). Die Prämie für Fungizidverzicht in Luxemburg (Kasten) dürfte damit nicht unter 69 €/ha fallen, wenn sie einen wirtschaftlichen Anreiz für Betriebe darstellen soll, die sich an den Richtlinien des Integrierten Pflanzenschutzes orientieren. Da das Gesamtergebnis stark vom Erzeugerpreis abhing, wurde eine Simulationsrechnung unter der Annahme eines Erzeugerpreises von 15 €/dt durchgeführt. Der Fungizideinsatz gemäß Integriertem Pflanzenschutz hat dann im Mittel der Jahre, Sorten und Standorte noch 25 €/ha gebracht (Grafik, links). Eine zweifache Spritzung in den Wachstumsstadien BBCH 31 und BBCH 59 war bei einem Erzeugerpreis von 15 €/dt mit –30 €/ha nicht mehr rentabel (Grafik, links). Gleiches galt natürlich erst recht für eine dreifache Spritzung zu den Wachstumsstadien BBCH 31, 39 und 59 (– 63 €/ha, Grafik, links).
- Wie hoch musste der Erzeugerpreis mindestens sein, bevor Fungizideinsatz unrentabel wurde?
Im Durchschnitt der Jahre, Standorte und Sorten wurde ein Erzeugerpreis von mindestens 12 €/dt benötigt, um den Fungizideinsatz gemäß Integriertem Pflanzenschutz rentabel zu halten. Bei geringeren Erzeugerpreisen wäre der Fungizideinsatz für den Betrieb ein Verlustgeschäft gewesen. Die beobachteten Erzeugerpreise lagen im Versuchszeitraum zwischen 14,60 und 38,26 €/dt, wobei der letzte Wert ein ungewöhnlich hoher Ausreißer aus dem Jahr 2022 war, der kaum als repräsentativ angesehen werden kann. - Wie viel Ertrag musste der Fungizideinsatz mindestens sichern, um rentabel zu sein?
Im Durchschnitt der Jahre, Standorte und Sorten musste eine Fungizidspritzung gemäß Integriertem Pflanzenschutz mindestens 4 bis 5 dt/ha Ertrag sichern, um rentabel zu sein. Die gemessenen Ertragssicherungen lagen zwischen – 4,25 und 24,56 dt/ha mit einem Mittelwert von7,1 dt/ha. Negative Ertragseffekte können z. B. die Folge mechanischer Beschädigung einiger Pflanzen bei der Behandlung sein und traten sehr selten auf. - Was durfte ein Fungizideinsatz maximal kosten, um rentabel zu bleiben?
Im Durchschnitt der Jahre, Standorte und Sorten hätten wir in den Versuchen etwa 145 €/ha für Fungizideinsatz gemäß Integriertem Pflanzenschutz ausgeben können, bevor der Fungizideinsatz unrentabel würde. Tatsächlich lagen die Kosten für den Fungizideinsatz zwischen 48,15 und 143,39 €/ha.
Prämien für Fungizidverzicht
In Baden-Württemberg können 50 €/ha angefragt werden, wenn bis zum Wachstumsstadium 49 auf Fungizide verzichtet wird. Damit bleibt dort im Gegensatz zu Luxemburg eine Abschlussbehandlung z. B. zur Verminderung des Risikos von Infektionen mit Ährenfusariosen und assoziierter Mykotoxinbildung möglich, ohne die Prämie zu verlieren.
Fazit
Der Fungizideinsatz gemäß dem Prinzip der Bekämpfungsschwellen in betriebsüblich angebautem Winterweizen hat im Schnitt von 25 Versuchen von 2018 bis 2023 in Luxemburg 68 € pro ha und Saison (Preisniveau von 2023) gebracht. Bei niedrigen Preisen nimmt die Rentabilität des Fungizideinsatzes ab, sodass bei einem Erzeugerpreis von 15 €/dt nur noch eine einzelne Spritzung nach Bekämpfungsschwellen rentabel war. Eine zweifache – und erst recht eine dreifache – Fungizidspritzung haben Kosten verursacht, die durch den gesicherten Ertrag nicht wieder hereingeholt werden konnten.
Da Prämien für den Fungizidverzicht besonders bei niedrigen Erzeugerpreisen, geringen Fungizidwirkungsgraden und hohen Applikationskosten betriebswirtschaftlich attraktiv sind, passen sie vor allem in Marktsegmente mit traditionell geringen Erzeugerpreisen (z. B. Futtergetreide).