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Zwei Männer im Feld stehend
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Unternehmensnachfolge. Wer will, wer kann, wer soll?

Die Hofübergabe ist ein bedeutender Schritt und bei Familienbetrieben mehr als ein wirtschaftlicher Vorgang. Es ist zugleich ein tiefgreifender emotionaler Veränderungsprozess, wie Christine und Kay Tönnsen zeigen.

Was die Nachfolge besonders herausfordernd macht, ist die Einzigartigkeit. Jeder Betrieb hat seine eigene Geschichte, jeder Inhaber individuelle Beziehungen und jede Familie ihre eigenen Dynamiken. Im besten Fall durchlaufen Unternehmer diesen Prozess in ihrer aktiven Zeit zweimal in unterschiedlicher Rollenverteilung. Es lässt sich also nicht üben. Umso wichtiger ist eine gute Vorbereitung, ausreichend Zeit und das Wissen um die besonderen Herausforderungen. Selbstverständlich gibt es vonseiten der Fachberatung Leitfäden und Anhaltspunkte, um die Nachfolge strukturiert und erfolgreich zu gestalten. Nutzen Sie diese, beachten aber, dass es ein allgemeingültiges Schema nicht geben kann. Mangelnde Individualität und eine Überbetonung des Steuerrechtes zählen neben dem Faktor Mensch zu den zentralen Problemen beim Generationswechsel.

Vodcast zum Titelthema "Unternehmensnachfolge"

Das Gefühl der Ungerechtigkeit thematisieren

Der Betrieb ist in der Höfeordnung und der Hofnachfolger hat zwei Geschwister, die laut  § 12 Abfindung der Miterben nach dem Erbfall abgefunden werden sollen. Der Betrieb hat einen Grundsteuerwert von 1,5 Mio €. Der sich daraus ergebene Hofeswert (60 % vom zuletzt festgestellten Grundsteuerwert, also 900 000 €) gilt als Grundlage für die Berechnung der Abfindung, da mindestens 1/5 des Hofeswertes (180 000 €) als Nachlass den Erben inklusive des Hofübernehmers gebührt. Das bedeutet, dass jedem Kind 60 000 € als Abfindung mindestens zur Verfügung stehen sollten. Die weichenden Erben befinden sich häufig in einer emotionalen Situation, die von einem Gefühl der Ungerechtigkeit geprägt ist, da der Verkehrswert meist deutlich höher ist. 
Wichtig ist, dass der Betrieb die Abfindungssumme (hier 180 000 €) auch erbringen muss und der Übernehmer neben dem Kapitaldienst, dem Altenteil, den Investitionen und dem eigenen Gewinnanspruch die Verantwortung für die Abfindung trägt. Häufig wird diskutiert, dass der Übernehmer den Betrieb geliehen bekommt und ihn bestenfalls an seine Kinder weitergeben sollte. Am Ende kann eine Hofübergabe aus Sicht der weichenden Erben rein wertebasiert nicht gerecht sein. Für die Geschwister bedeutet es, dieses Werteungleichgewicht zu akzep­tieren und gleichermaßen dem Übernehmer ihr Vertrauen für die Fortführung des Betriebes auszusprechen, zumal weitere Verzichtserklärungen unterzeichnet werden.

Vier junge Leute schauen aus einem Getreidefeld
Unter Geschwistern ist es häufig schwer, aber notwendig, ein Werteungleichgewicht zu akzeptieren. Foto: landpixel