Schädlinge. Der Raps kann viel wegstecken
Schauen Sie bei der Schädlingsüberwachung und der Bekämpfungsentscheidung ganz genau hin – schlagspezifisch. Das Kompensationsvermögen einer gut entwickelten Rapspflanze sollten Sie dabei nicht unterschätzen, zeigt Meike Brandes.
Der Rapserdfloh ist im Herbst aktuell der bedeutendste Rapsschädling. Auch der Schlupf der neuen Generation im Juni/Juli 2025 deutet wieder auf ein regional stärkeres Auftreten in der kommenden Saison hin. Allerdings ist noch ungewiss, wie die Tiere den Sommer in ihrem Übersommerungsquartier überstehen. Fliegt der Käfer bereits in der frühen Entwicklung der Rapspflanzen zahlreich zu und die Pflanzen sind durch ungünstige Wachstumsbedingungen wie lang anhaltender Trockenheit zusätzlich gestresst, können Schäden bis hin zum Totalverlust der Pflanzen entstehen. In vielen Jahren kommt es aber gar nicht so weit und sie wachsen dem Rapserdfloh einfach davon.
Häufig verursachen nicht die Käfer, sondern die Larven des Rapserdflohs den Hauptschaden. Sie minieren in der Pflanze, können zu ihrem Herz vordringen und dort das Gewebe zerstören. Vor allem wenn die Käfer früh einwandern und der Herbst warm ist, sind die Bedingungen für die Larven gut und es kann im Winter zu größeren Schäden kommen.
Raperdfloh und Schwarzer Kohltriebrüssler
Etwas später als der Rapserdfloh tritt der Schwarze Kohltriebrüssler auf. Er kommt im Südwesten Deutschlands auch mit hohen Dichten und Schäden verbreitet vor. Aber auch weiter im Norden, wie in einigen Regionen Niedersachsens (z. B. Göttingen, Hannover, Osnabrück) tritt er mittlerweile auf, allerdings noch nicht in so großer Zahl, dass deutliche Schäden verursacht werden.
Wie beim Rapserdfloh erfolgt die Eiablage vom Herbst bis in das Frühjahr. Und der Schaden wird durch die am Vegetationskegel fressenden Larven verursacht. Die Haupttriebbildung wird dadurch gestört und es können sich mehrere Triebe bilden. Die verbuschten Pflanzen beginnen zu unterschiedlichen Zeiten zu blühen und reifen auch ungleichmäßig ab.
Was ist im Herbst zu beachten? Nach der Aussaat sollten die Bestände unter regelmäßiger Beobachtung stehen! Nur wenn bis zum 3-Blatt-Stadium mehr als 10 % Blattfraß durch Rapserdflöhe festgestellt wird, ist ein Insektizideinsatz nötig. Ist der Raps über das 3-Blatt-Stadium hinaus entwickelt, spielt der Blattfraß keine Rolle mehr.
Die einzige Möglichkeit, den Zuflug von Rapserdfloh und Schwarzem Kohltriebrüssler zu erfassen, bieten Gelbschalen. Diese müssen zeitnah nach der Aussaat aufgestellt werden. Die Aufstellung von mehr als einer Gelbschale (mit Wasser, etwas Spülmittel und Gitter!) auf jedem Schlag ist empfehlenswert, da sich die Fangzahlen je nach Zuflugrichtung deutlich unterscheiden können und auch die Besiedlung nahe beieinanderliegender Schläge unterschiedlich stark sein kann. Die Kontrolle der Gelbschalen muss je nach Temperatur ein- bis zweimal wöchentlich erfolgen.
Wenn innerhalb von drei Wochen mehr als 50 Rapserdflöhe in einer Gelbschale (Bekämpfungsrichtwerte siehe Übersicht) gefangen werden, ist eine Bekämpfung anzuraten, die aber nicht sofort stattfinden sollte, sofern bis zum 3-Blatt-Stadium nicht mehr als 10 % Blattfraß festgestellt wird. Verfrühte Insektizideinsätze ziehen oft eine Folgebehandlung nach sich, da später zufliegende Tiere nicht mit erfasst werden. In Regionen, in denen auch der Schwarze Kohltriebrüssler in größeren Zahlen auftritt, sollten möglichst erst nach Überschreitung des Bekämpfungsrichtwertes des Schwarzen Kohltriebrüsslers (vorläufiger Richtwert, der u. a. in Hessen herangezogen wird: 10 Rüssler in einer Gelbschale innerhalb von drei Tagen) mit einer Behandlung beide Schädlinge gemeinsam bekämpft werden, da das Bekämpfungsfenster des Rapserdflohs weiter ist.
In Versuchen des JKI wurde mehrfach beobachtet, dass nach einem Pyrethroideinsatz vermehrt Rapserdflöhe in den Gelbschalen gefunden werden (Grafik, Seite 44). Dies ist der erhöhten Aktivität der Käfer geschuldet, die verstärkt herumhüpfen und in die Gelbschalen fallen und darf nicht als Neuzuflug interpretiert werden! Daher sollte die erste Gelbschalenleerung nach einem Insektizideinsatz nicht gewertet werden. Wichtig ist außerdem, dass nicht jeder Rüssler, der im Herbst in der Gelbschale gefunden wird, auch ein Schwarzer Kohltriebrüssler ist! Auch der aus dem Frühjahr bekannte Gefleckte Kohltriebrüssler und weitere Rüsslerarten können im Herbst in den Gelbschalen zu finden sein, verursachen aber keinen Schaden.
Für eine genaue Bestimmung ist es unumgänglich, die Tiere zu trocknen. Die Bekämpfung des Schwarzen Kohltriebrüsslers ist mit Pyrethroiden möglich, den passenden Zeitpunkt zu finden, ist aber schwierig. Die Weibchen beginnen schon kurze Zeit nach dem Zuflug mit der Eiablage. Während die Larven des Rapserdflohs durch Insektizide noch erreicht werden können, wenn sie sich aus den Pflanzen ein- und ausbohren, sind die Rüsslerlarven nicht durch Insektizide zu bekämpfen.
Chemische Kontrolle
Regulär stehen zur Kontrolle von Rapserdfloh und Schwarzem Kohltriebrüssler Insektizide aus der Wirkstoffgruppe der Pyrethroide zur Verfügung. Da aber bei beiden Schädlingen bereits Resistenz dagegen nachgewiesen wurde, muss der Einsatz sehr gezielt erfolgen und jede unnötige Anwendung unterbleiben. Bislang ist bei gezieltem Einsatz der Pyrethroide eine Kontrolle immer noch möglich. Durch intensiven Einsatz einer Wirkstoffgruppe können allerdings zusätzliche Resistenzmechanismen entstehen.
In Großbritannien und Frankreich sind diese bereits in den Populationen etabliert. Die Schädlinge sind dort nicht mehr mit Pyrethroiden bekämpfbar. In Deutschland wurden ebenfalls Tiere mit zusätzlichen Resistenzmechanismen nachgewiesen. Die Funde erstrecken sich über ganz Deutschland und sind nicht regional einzugrenzen. Bislang scheinen aber nur Einzeltiere einer Population von den Mutationen betroffen.
Um die Larvenzahlen des Rapserdflohs deutlich zu reduzieren, ist häufig eine Behandlung Anfang bis Mitte Oktober ausreichend. Das zeigen Ergebnisse aus einem bundesweiten Ringversuch. Ziel des Versuchs ist es, den optimalen Behandlungstermin zur Kontrolle des Rapserdflohs zu finden und damit Mehrfachbehandlungen zu vermeiden. Die Versuchsergebnisse zeigen außerdem, dass eine späte Behandlung im November die Zahl der Rapserdflohlarven lediglich halbiert. Doppel-, Dreifach- oder Frühjahrsbehandlungen sind ohne Mehrwert.
Insektizide aus der Wirkstoffgruppe der Diamide (Minecto Gold und Exirel) werden im Herbst 2025 wieder über eine Notfallzulassung (Art. 53) zur Verfügung stehen und bekämpfen pyrethroid-resistente Rapserdflöhe. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil der Anti-Resistenzstrategie. Sie werden nach bisherigem Kenntnisstand zur Bekämpfung der Larven eingesetzt.
Das Produkt Carnadine ist zwar zur Kontrolle von Rapserdflöhen zugelassen, wegen der geringen Datengrundlage empfiehlt es der Fachausschuss Pflanzenschutzmittelresistenz Insektizide (www.julius-kuehn.de/resistenz) aktuell aber nicht.
Der Raps steckt viel weg!
Der Raps hat unter guten Wachstumsbedingungen ein hohes Kompensationsvermögen und kann Schäden tolerieren. Dazu zwei Beispiele: In einem Rapserdflohversuch des JKI wurden in der unbehandelten Kontrolle im Spätherbst im Mittel 60 Larven pro Pflanze festgestellt. Letztendlich wurden trotz des starken Befalls stattliche 45 dt/ha gedroschen! Es handelte sich hier um einen gut entwickelten Bestand, der den starken Befall gut verkraften konnte. Förderlich war sicherlich der milde Winter.
Auch der Befall mit Stängelrüsslern im Frühjahr kann unter guten Wachstumsbedingungen verkraftet werden: 50 Larven pro Pflanze wurden in der unbehandelten Kontrolle gezählt. Eine nachfolgende Artbestimmung ergab, dass die Larven zu etwa 98 % dem Gefleckten Kohltriebrüssler zugeordnet werden konnten. Trotz des starken Befalls wurden in der Kontrolle rund 48 dt/ha gedroschen.
In Großbritannien findet dieses Kompensationsvermögen des Rapses Berücksichtigung in den Bekämpfungsrichtwerten, sie liegen deutlich höher als bei uns. Dort wird im Herbst erst dann ein Insektizideinsatz angeraten, wenn mehr als 100 Rapserdflöhe in einer Gelbschale gefangen wurden oder in BBCH 10–12 mehr als 25 % der Blattfläche weggefressen wurde. In BBCH 13–14 wird eine Bekämpfung sogar erst bei mehr als 50 % Blattverlust empfohlen.
Weitere Schädlinge
Weitere Schädlinge, die im Herbst auftreten, aber nur in vereinzelten Jahren lokal zu Schäden führen, sind die Larven der Rübsen-Blattwespe und Kohlschabe. Die Rübsen-Blattwespe und eingeschränkter die Kohlschabe lassen sich bei stärkerem Auftreten leicht mit zugelassenen Mitteln (Pyrethroide) bekämpfen. Sie erfordern aber eine regelmäßige Kontrolle, da sich die Larven der Rübsen-Blattwespe sehr schnell entwickeln und ihr Appetit mit der Entwicklung rasant zunimmt (Bekämpfungsrichtwert siehe Übersicht).
Auch die Maden der Kleinen Kohlfliege können durch Fraß an den Wurzeln erheblichen Schaden anrichten. Fressen die Maden an der Pfahlwurzel, kann diese komplett absterben, oder es entstehen irreparable Schäden, da die Wasser- und Nährstoffaufnahme der Rapspflanzen beeinträchtigt werden. Solche Pflanzen können bei starken Frösten auswintern. Zur Bekämpfung der Kleinen Kohlfliege ist die insektizide Beize Lumiposa mit dem Wirkstoff Cyantraniliprole zugelassen.
In einigen Jahren, wie zuletzt im Herbst 2024 zum Beispiel in Sachsen-Anhalt, können Blattläuse bei Massenauftreten Saugschäden verursachen. Da sie vorwiegend versteckt auf der Blattunterseite sitzen und dort kaum getroffen werden, ist eine wirksame Bekämpfung mit Pyrethroiden nicht möglich. Zudem zeigt die Grüne Pfirsichblattlaus hohe Resistenz gegen Pyrethroide. Zur Bekämpfung sollte daher bei starkem Auftreten das Mittel Teppeki genutzt werden.