Meinung. Landwirtschaftsminister: Der frische Wind tut gut
Der Unterschied könnte größer kaum sein. Jahrzehntelang wurde im bundesdeutschen Landwirtschaftsministerium nur noch verwaltet, aber seit den unseligen Zeiten Frau Künasts nicht mehr gestaltet.
Ob Borchert, Seehofer oder Aigner, Klöckner oder Özdemir – alle gefielen sich vor den Kameras, keiner hat wirklich Impulse gesetzt. Bestenfalls geschah nichts, schlimmstenfalls wurden Exporte sabotiert. Davon hebt sich Alois Rainer wohltuend ab. Er öffnet Türen für Exportabkommen, das phytosanitäre Abkommen mit Indonesien, von der Vorgängerregierung aktiv torpediert, kam unter Dach und Fach und unsinnige Verordnungen kommen auf den Prüfstand. Das unselige Vorhaben des Sachkundenachweises zur Tötung von Mäusen und Ratten wurde auf die lange Bank geschoben, die Neuausweisung der Roten Gebiete geschickt verzögert und auf die Länder übertragen. Der notwendige Rotstift wird auch im Biolandbau angesetzt, der längst keine heilige Kuh mehr ist und aus dem Einvernehmen des Umweltbundesamtes bei Pflanzenschutzmittelzulassungen wird ein Benehmen.
Der Mann ist kein Heiliger, er ist Politiker. Aber der Minister scheint begriffen zu haben, dass Erfolg von harter Arbeit kommt, nicht von markigen Worten. Im Hintergrund wird jetzt ohne mediales Tamtam gearbeitet, es weht ein anderer Wind. Den hätte man einem Bayern gar nicht zugetraut, jedenfalls dann nicht, wenn man ein Auge auf die übrigen bayerischen Politiker von Söder bis Aiwanger, von Dobrindt bis Hermann wirft. Hoffen wir mal, dass der Wind auch auf andere Ministerien übergreift. Das Umweltministerium etwa oder das Forschungsministerium.