Konfliktmanagement. Was kostet es, recht zu behalten?
Ein Stallneubau endet im Rechtsstreit. Der Landwirt hält die Forderungen des Bauunternehmers für unberechtigt, der Unternehmer klagt. Erst als beide Seiten nicht mehr nur auf ihre Rechtsposition schauen, sondern auch auf die Folgen eines jahrelangen Prozesses, wird eine Einigung möglich. Martin Scheidt zeigt an diesem Praxisfall, warum Konfliktmanagement auch Risikomanagement ist.
Landwirt Ludwig will seinen Milchviehbetrieb erweitern und zugleich den Tierkomfort verbessern. Nach eingehender Planung entscheidet er sich für einen Stallneubau. Mehrere Anbieter geben Angebote ab, schließlich vergibt der Landwirt das Projekt als Pauschalauftrag an einen Generalunternehmer. Das Investitionsvolumen liegt bei rund 3 Mio. €.
Zunächst läuft alles nach Plan. Doch im Verlauf der Bauarbeiten kommt es zu Verzögerungen. Einzelne Arbeiten werden später ausgeführt als vereinbart, Termine verschieben sich und bringen auch die betrieblichen Abläufe durcheinander. Zugleich entstehen Meinungsverschiedenheiten darüber, welche Leistungen vom vereinbarten Preis abgedeckt sind und welche zusätzlich vergütet werden müssen. Was als übliche Auseinandersetzung zwischen Bauherrn und Auftragnehmer beginnt, entwickelt zunehmend eine eigene Dynamik.
Die Positionen verhärten sich. Der Generalunternehmer stellt zusätzliche Leistungen in Rechnung. Der Landwirt hält einen Teil der Forderungen für unberechtigt. Durch wiederholtes Nachgeben hat er bereits mehr als die vereinbarte Pauschalsumme bezahlt. Die zusätzlichen Forderungen kann er finanziell auch gar nicht erfüllen. Der Unternehmer wiederum sieht offene Ansprüche und fordert weitere Zahlungen. Es geht um einen mittleren sechsstelligen Betrag.