Herbizidverzicht. Pfluglos ohne Glyphosat – geht das?
Es kommt darauf an. Günter Klingenhagen und Christin Böckenförde zeigen Betriebe, die den Glyphosatverzicht bei reduzierter Bodenbearbeitung ausprobiert haben.
Nicht pflügen und trotzdem auf Glyphosat verzichten – das war vor ein paar Jahren die Aufgabe. Ein mögliches Verbot von Glyphosat vor Augen und die Vorteile des pfluglosen Ackerbaus im Kopf, galt es Alternativen zu dem Totalherbizid zu finden. Einfache Ansätze wie der Austausch von Glyphosat durch Pelagonsäure oder die Abtötung von unerwünschtem Aufwuchs durch Strom, brachten nicht den gewünschten Erfolg. Auch nützt es nichts, den Pflug durch intensives Grubbern, Fräsen oder Schneiden zu ersetzen – die Bodenstruktur wird so in ähnlicher Weise zerstört.
Es braucht also einen umfassenden Ansatz und der sollte auf Betrieben in NRW angegangen werden, die seit Jahren in Systemen mit reduzierter Bodenbearbeitung arbeiten. Im Frühjahr 2020 waren sechs Betriebe gefunden, die unterschiedliche Böden und Klimaverhältnisse repräsentieren. Je Betrieb wurde ein Schlag ausgewählt, der geteilt und einmal mit und einmal ohne Glyphosat bewirtschaftet wurde.
Auswahl der Maßnahmen
Die essentielle Anwendung von Glyphosat in den ausgewählten Betrieben ist die Beseitigung von Winterunkräutern und -ungräsern bzw. von den Resten der vorangegangenen Zwischenfrüchte. Im Speziellen sind es dann auch die Ungräser, die sich mechanisch auf wassergesättigten Böden nur schwerlich beseitigen lassen. Ziel musste es also sein, Ungräser vom Acker fern zu halten.
Die bekannten Schlüsselfaktoren dafür sind die Fruchtfolge und der Anbau von Zwischenfrüchten. Sofern nicht schon vorhanden, wurde in den Betrieben eine Fruchtfolge aufgestellt, die langfristig umsetzbar ist und geeignet erschien, einen Verzicht auf Glyphosat und Pflug zu er- möglichen.
Folgende Fruchtfolgen wurden aufgestellt:
- Betrieb Haselroth: Zwischenfrucht – Körnermais – Futtererbse – Wintergerste –Winterraps – Winterweizen
- Betrieb Glitz: Zwischenfrucht – Silomais – Sommerung – Winterraps – Winter-
triticale - Betrieb Gersmann: Rotschwingel – Körnermais – Winterweizen – Winterraps –Wintergerste
- Betrieb Schmeink: Zwischenfrucht – Silomais – Wintergetreide – Zwischenfrucht – Silomais – Wintergetreide
- Betrieb Elsiepen: Zwischenfrucht – Kartoffeln – Winterweizen – Winterraps – Wintergerste
- Betrieb Humpesch: Zwischenfrucht – Kohl – Winterweizen – Wintergerste – Zwischenfrucht – Zuckerrüben
Glyphosat wurde von den Betrieben jeweils nur vor der Sommerung eingesetzt. Hier ging es darum, die Zwischenfrucht und Unkräuter oder Ungräser vor der neuen Kultur zu beseitigen. Alternativ zu Glyphosat wurde die auf den Betrieben vorhandene Technik eingesetzt. Diese bestand aus: Grubber (mit und ohne Flügelscharen), Breitscharhobel, Kreiselgrubber, Scheibenegge, Kettenscheibenegge, Schlägelmulcher und Scheibenegge.
Ergebnisse
Auf den Betrieben Elsiepen und Humpesch fand der Versuch jeweils auf mildem Lehm und Lössboden statt. Die Zwischenfrucht stand gleichmäßig und dicht an allen Stellen des Schlages. Ein Walzen der Zwischenfrucht bei Frost war im Versuchsjahr nicht möglich. Auch Glyphosat konnte nicht zeitgerecht (ausgangs Winter) eingesetzt werden. Unkraut spielte keine Rolle. Durch den milden Winter ist aber die Hauptkomponente der Zwischenfrüchte, der Ölrettich, nicht abgefroren. Die Zwischenfrüchte mussten also mechanisch beseitigt werden. Da ein Teil der Zwischenfruchtpflanzen blühten, wurde der Bestand, auch in der Glyphosatvariante, geschröpft. So wurden die Blütenköpfe abgeschlagen und ein Zusammentreffen von Glyphosat und Bienen unterbunden. Durch den späten Einsatz war der Aufwuchs bis zur Pflanzung der Kartoffeln (Betrieb Elsiepen) nicht ausreichend zersetzt. Die mechanische Beseitigung war auf dem milden Boden gut möglich. In beiden Varianten waren zur Pflanzung der nachfolgenden Kartoffeln aber noch stabile Wurzel- und Stängelbestandteile im Boden. In der Glyphosatvariante war dies ausgeprägter. Die führte zu Problemen beim Legen und Häufeln. In der Pflugvariante waren zum Rodetermin mehr Kluten vorhanden. Dies hat die Rodeleistung gemindert. Unterschiede in den anschließenden Maßnahmen bzw. in der Qualität der Kartoffeln ergaben sich nicht. In der Kombination milder Boden, langjähriger Anbau von Hackfrüchten, dichte Zwischenfrucht gab es keine Problemunkräuter-/gräser. Ein Verzicht auf Glyphosat und Pflug war demnach möglich.
Die Betriebe Haselroth und Schmeink nehmen in den Versuchen eine Mittelstellung ein. Hier wurde eine Zwischenfrucht vor Mais angebaut. Sie war ordentlich, konnte aber nicht verhindern, dass im Frühjahr auch stark verwurzelte Pflanzen von Altraps, Kamille, Vogelmiere und Storchenschnabel auf dem Acker standen. Durch eine Bearbeitung mit Grubber und Kreiselegge konnte dieser Besatz nur z. T. beseitigt werden. Im Vergleich zur Glyphosatvariante war im Mais eine intensivere Behandlung mit selektiven Maisherbiziden erforderlich. Grundsätzlich war es aber möglich, auf Glyphosat und Pflug zu verzichten.
Auf den Tonböden der Betriebe Glitz und Gersmann gelang dies nicht. Bei Gersmanns ging es darum, eine etablierte Rotschwingelnarbe zu beseitigen. Dies wurde nach erfolglosem Einsatz eines Breitscharhobels per Kreiselegge bewerkstelligt. Etwa 95 % der Pflanzen starben unter günstigen Witterungebedingungen ab. Im nachfolgenden Mais wurde gegen wieder ausgetriebene Rotschwingelpflanzen Maister Power mit 1,5 l/ha eingesetzt. Diese Maßnahme wirkte nicht vollständig. Die nicht erfassten Rotschwingelpflanzen standen sozusagen als Untersaat im Mais. Eine mechanische Bekämpfung gelang auch nach dem Mais nicht, sodass Grassoden auch im folgenden Getreide standen.
Auf dem Betrieb Glitz wurde vor dem Mais eine Zwischenfrucht aus Hafer und Leguminosen angebaut. Diese war allgemein gut entwickelt. Aber es gab Stellen im Schlag, in denen im Frühjahr stark entwickelter Ackerfuchsschwanz stand. Dieser war weder mechanisch noch im nachfolgenden Mais ausreichend zu bekämpfen.
Insgesamt kann man sagen, dass die Bodenart darüber entscheidet, wie vielfältig die Fruchtfolge gestaltet werden kann, wie effektiv die Bodenbearbeitungsmaßnahmen funktionieren und wie sicher sich Zwischenfrüchte etablieren lassen. Auf Tonstandorten lässt sich Glyphosat auch durch den Pflug nicht vollständig ersetzen.
Ausblick
Ist so ein Versuch inzwischen kalter Kaffee? Glyphosat steht doch wieder zur Verfügung. Ja, das stimmt, aber: In Wasser- und Naturschutzgebieten ist der Einsatz nicht erlaubt. Außerdem gibt es Pflanzen, die nicht (mehr) ausreichend auf Glyphosat reagieren oder die generell weniger empfindlich sind – beispielsweise Storchschnabelarten, Kreuzkräuter und Kanadisches Berufkraut. Und es gibt Standorte, auf denen sich etablierte Ackerfuchsschwanz- oder Weidelgraspflanzen ausgangs Winter unter kühlen Bedingungen nicht sicher mit Glyphosat beseitigen lassen. Die gemeinsten Ackerfuchsschwanztypen sind oft die gleichen, die auch auf andere Herbizide nur noch mäßig reagieren.
Auch mit Glyphosat gilt es, alle nicht chemischen Möglichkeiten der Unkraut- und Ungraskontrolle zu nutzen. Die maßgeblichen sind eine vielseitige Fruchtfolge und vielfältige Zwischenfrüchte. Damit diese an allen Stellen eines Schlages den Platz einnehmen können, sind intakte Drainagen, eine gute Strohverteilung und wenig Bodendruck gefragt.