Umbau Sauenhaltung. Mit längerer Säugezeit Nachteile ausgleichen?
Der Haken einer fünfwöchigen Säugezeit ist offensichtlich: weniger Ferkel aus den vorhandenen Stallkapazitäten. Doch es gibt auch Vorteile, die helfen, die wirtschaftlichen Folgen eines ohnehin nötigen Bestandsabbaus zu kompensieren.
Nicht jeder Sauenbetrieb will und kann in kostspielige Erweiterungsbauten investieren, um die neuen Vorgaben für das Deckzentrum umzusetzen. Das zeigt auch eine Umfrage der ISN von Ende 2025: 44 % der Sauenhalter haben (noch) keinen Bauantrag eingereicht (siehe Grafik). Darin enthalten sind 25 %, die die Umsetzung der neuen Regeln (Stichtag 9. Februar 2029) durch innerbetriebliche Umstrukturierungen bewerkstelligen wollen. Für die allermeisten dieser Betriebe wird das mit einem Bestandsabbau und einem geringeren Betriebseinkommen verbunden sein.
10 % der Sauenplätze fallen weg
Praktisch werden solche Betriebe im bestehenden Deckzentrum durch Demontage von Besamungsständen den nötigen Platz schaffen und zusätzlich einen Teil des bisherigen Wartestalls zum Deckzentrum hinzunehmen. Wie groß der damit einhergehende Verlust an Sauenplätzen tatsächlich ist, hängt stark von den betrieblichen Gegebenheiten ab (z. B., ob bisher Überkapazitäten in einzelnen Bereichen vorhanden sind). Betriebe im 1-Wochen-Rhythmus verlieren etwa 10 % der Sauenplätze.
Positive Erfahrungen mit fünf Wochen Säugezeit in den Niederlanden. Lässt sich der oben genannte Einkommenseinbruch teilweise auffangen?
Ein möglicher Ansatz dazu könnte eine Verlängerung der Säugezeit auf fünf Wochen sein. Bei unseren Nachbarn in den Niederlanden beschäftigen sich Sauenhalter bereits seit einigen Jahren damit – wenn auch aus anderen Gründen. Die Erfahrung dort ist, dass sich mit dem Absetzen nach 35 Tagen qualitativ bessere Ferkel zu geringeren Futterkosten erzeugen lassen. Denn die Tiere sind in ihrer Immunitätsentwicklung weiter und haben nach dem Absetzen weniger Probleme.
Das berichten Wout Rovers, Produktionsberater, und Jos Kneepkens, Betriebsberater mit Schwerpunkt Ökonomie bei Topigs Norsvin. Sie haben sich aufgrund der zunehmenden Nachfrage ihrer Betriebe in den Niederlanden intensiver mit den Vor- und Nachteilen der fünfwöchigen Säugezeit befasst. Unmittelbare Folge des längeren Säugens ist, dass im Wochenrhythmus eine Sauengruppe mehr benötigt wird (22 statt 21). Besteht keine Möglichkeit zur Erweiterung der Abferkelplätze, hat das eine Bestandsreduzierung um etwa 10 % der Sauen zur Folge.
In 24 statt 26 Wochen bis zur Schlachtreife
Die längere Säugezeit führt dazu, dass die Ferkel im Aufzuchtstall nur noch vier Wochen benötigen, um das Verkaufsgewicht von 25 kg zu erreichen, statt sechs Wochen bei vierwöchiger Säugezeit (Übersicht 1).
»Oft sind die Ferkel dann sogar schwerer. Denn der Übergang fällt den Tieren leicht. Die üblicherweise kritische Phase in der ersten Woche nach dem Absetzen gibt es nicht. Voraussetzung ist ein sehr gutes und konsequentes Anfütterungsprotokoll während der Säugezeit«, so Rovers. In der Praxis hat sich gezeigt, dass die Sauen in guter Kondition aus der Säugezeit kommen (vergleichbar zur vierwöchigen Säugezeit). Und offenbar wirkt sich die um eine Woche längere Regenerationszeit positiv auf die Anzahl der lebend geborenen Ferkel im Folgewurf aus. Auch die Mast verkürzt sich um eine Woche.
Aus bisher 26 werden 24 Wochen von der Geburt bis zur Schlachtreife. »Insgesamt beanspruchen die Tiere also zwei Wochen weniger Platz und Futter. Überdurchschnittliche Betriebe schaffen es sogar in 22 Wochen«, erklärt Rovers.
Bis zum Ende der Ferkelaufzucht schlagen diese positiven Effekte zu Buche:
- bessere Ferkelgesundheit (weniger Streptokokkendruck),
- weniger Ferkel, die zu leicht abgesetzt werden (Absetzgewichte + 2,2 kg/Ferkel),
- um 3 bis 4 € geringere Futterkosten/Ferkel, da günstigeres Ferkelfutter eingesetzt werden kann (weniger »Spezialfutter«),
- geringere Tierarztkosten,
- Ferkelverluste von Geburt bis Ende Aufzucht sinken um 0,5 %,
- 1,5 % weniger Spanferkel,
- schnellere und bessere Rausche,
- Anzahl lebend geborener Ferkel/Wurf steigt um 0,2,
- eine um 14 Tage kürzere Aufzucht, dabei 2,5 bis 5 kg höhere Verkaufsgewichte,
- mehr Arbeitsfreude für die Mitarbeiter.
Demgegenüber steht jedoch ein um 0,1 niedrigerer Wurfindex und etwa ein Ferkel weniger pro Sau und Jahr. Was das für einen 500er Sauenbetrieb hierzulande bedeuten kann, der nach einer internen Umstrukturierung ab 2029 nur noch 450 Sauen halten kann, zeigt das Beispiel in Übersicht 2. Gegenüber der vierwöchigen Säugezeit steht der Betrieb beim Erlös abzüglich der Futterkosten um gut 20 000 € besser da. Die ohnehin vorhandenen Abferkelbuchten werden dabei besser genutzt.
Übersicht 2: Beispiel Ferkelerzeugung – Vergleich von vier- und fünfwöchiger Säugezeit
| Szenario | A | B | C | Differenz C zu B |
|---|---|---|---|---|
| Sauen | 500 | 450 | 450 | – |
| Absetzalter (Tage) | 27 | 27 | 33 | 6 |
| leb. geb. Ferkel/Wurf | 16 | 16 | 16,2 | 0,2 |
| Ferkelverluste Säugezeit (%) | 11 | 11 | 11,5 | 0,5 |
| Absetzgewicht (kg) | 7,3 | 7,3 | 9,5 | 2,2 |
| Wurfindex | 2,37 | 2,37 | 2,27 | – 0,1 |
| Ferkelverluste Aufzucht (%) | 3 | 3 | 2 | -1 |
| Gewicht Ende Aufzucht (kg) | 23 | 24,5 | 28 | 2,5 |
| verkaufte Ferkel/Sau/Jahr | 32,76 | 32,70 | 31,82 | – 0,88 |
| verkaufte Ferkel (exkl. Spanferkel) | 15 724 | 14 127 | 13 959 | – 168 |
| Spanferkel | 655 | 589 | 358 | – 231 |
| Sauenfutter (kg/Sau/Jahr) | 1 280 | 1 280 | 1 360 | 80 |
| Ferkelfutter (kg/Tier) | 26 | 26 | 31 | 5 |
| Erlös (€/Ferkel | 60,90 | 62,40 | 65,90 | 2,50 |
| Ertrag minus Futterkosten (€) | 510 770 | 466 841 | 488 240 | 21 389 |
»Denn die Ferkel haben einen deutlich niedrigeren Futterverbrauch pro kg Schlachtgewicht«, so Rovers »Und Futter bleibt nun mal die größte Kostenposition in der Schweinefleischproduktion.« Auch die Klimabilanz fällt damit entsprechend besser aus.
Nach vorsichtigen Schätzungen werden in der Mast täglich 45 g mehr Zuwachs erzielt. Die Futterverwertung verbessert sich um rund 0,04 Punkte und die Verluste singen um 0,5 % (Übersicht 3). Zudem wachsen die Tiere gleichmäßiger. Dadurch lassen sich mehr Durchgänge (+ 0,37) im Maststall realisieren. Für einen Betrieb mit 4 500 Mastplätzen bedeutet das gut 1 600 verkaufte Mastschweine mehr pro Jahr und bei einem Einkaufspreis von 65 € /25-kg-Ferkel und einem Schlachtpreis von 1,80 €/kg SG eine um 4,62 € höhere Direktkostenfreie Leistung je Tier. »Für geschlossene Betriebe ist späteres Absetzen daher interessanter als für reine Sauenhalter«, resümiert Kneepkens.
Übersicht 3: Beispiel Mast – Betrieb mit 4 500 Plätzen
| 4 Wochen Säugezeit | 5 Wochen Säugezeit | Differenz | |
|---|---|---|---|
| Einstallgewicht (kg) | 23 | 28 | 5 |
| Tageszunahmen (g) | 920 | 965 | 45 |
| Verluste (%) | 2,5 | 2 | – 0,5 |
| Futterverwertung (kg/kg Zuwachs) | 2,51 | 2,47 | – 0,04 |
| Umtriebe | 3,07 | 3,44 | 0,37 |
| gelieferte Schlachtschweine/Jahr | 12 784 | 14 427 | 1 643 |
Quelle: Kneepkens, Topigs Norsvin
Fünf Wochen Säugezeit erfordern Maßarbeit
Eine verlängerte Säugezeit ist kein Selbstläufer und der Erfolg nicht zuletzt abhängig von der vorhandenen Betriebsstruktur, so die Erfahrung von Jos Kneepkens. Die vorhandenen Abferkelbuchten müssen ausreichend groß sein (mindestens 1,80 × 2,60 m), um auch schweren Ferkeln genügend Platz zu bieten. Ebenso muss die Tränketechnik an die schwereren Ferkel angepasst werden (mehr und auch höher angebrachte Nippel). »Nur wenn die Ferkel ausreichend Wasser verfügbar haben, können sie viel Futter aufnehmen«, betont Rovers. Auch mehr Ferkelfressplätze müssen in der Bucht untergebracht werden können. Gute Ergebnisse werden in der Praxis auch mit »Standardtechnik« (kein fest installiertes Milchbeifütterungssystem) erzielt. Und die in den niederländischen Betrieben beobachtete Steigerung der lebend geborenen Ferkel spricht dafür, dass die Sauen ausreichend konditioniert sind.
Vorteile für den Ringelschwanz
Davon, dass fünf Wochen Säugezeit zu besseren und darmgesünderen Ferkeln führt, ist Rovers überzeugt. Das bedeute nicht nur besseres Wachstum, auch die Probleme mit Schwanzbeißen seien deutlich geringer. »Der Erfolg des Ringelschwanzes hängt zu 90 % von der Darmgesundheit der Tiere ab. Sollte es zu einem Kupierverbot kommen, werden sich sicher noch mehr Betriebe für eine fünfwöchige Säugezeit entscheiden.« Hinzu kommt, dass eine starke Ferkelgesundheit im Zusammenhang mit einer weiteren Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes wichtig bleibt.
Stabilität im Betriebsablauf und weniger Arbeit
Die größere Robustheit der Ferkel bringt mehr Stabilität und einen insgesamt reibungsloseren Betriebsablauf, so die Erfahrungen aus den Niederlanden. Außerdem sinkt der Arbeitsaufwand, da weniger Behandlungen nötig sind. Rovers betont: »Es ist sowieso nicht leicht, Leute für die Stallarbeit zu gewinnen. Am unbeliebtesten ist der Aufzuchtstall, da die Zeit nach dem Absetzen viel Arbeit macht. Motivation entsteht da nur, wenn es auch gut klappt.«
Auch Roland von Asten, Sauenhalter in den Niederlanden und Deutschland, ist von der fünfwöchigen Säugezeit überzeugt. »Jeder Betrieb muss seine eigene Situation bedenken und den Wert, den er einer stabilen und mit weniger gesundheitlichen Problemen behafteten Produktion beimisst.« Er selbst hat seinen Jungsauenvermehrungsbetrieb im niederländischen Horst bereits vor knapp drei Jahren umgestellt. Im Fokus stand dort die Verbesserung der Qualität der Tiere. Die beschriebenen Effekte auf Gesundheit und Stabilität in der Aufzucht und Futterkosten kann er bestätigen. Vor diesem Hintergrund denkt er darüber nach, auch einen Standort in Deutschland umzustellen: »Bei dieser Sauenanlage mit Ferkelaufzucht sind Erweiterungsbauten schwierig umzusetzen, sodass wir vermutlich abstocken müssen. Dort die Säugezeit zu verlängern, ist eine interessante Alternative. Wir müssen dazu nur wenig investieren und können die Nachteile einer Abstockung teilweise in einen Vorteil verwandeln«, ist er überzeugt.
Rovers und Kneepkens raten, eine Verlängerung der Säugezeit einfach mit einigen Würfen auszuprobieren. Die eigene Erfahrung sei die beste Grundlage für Entscheidungen.