Neuzulassungen. Zuckerrüben: Aussichtsreiche Zuchtfortschritte
Bei Zuckerrüben rückt das Thema Anbausicherheit immer stärker in den Fokus.
Zehn neue Sorten haben in diesem Jahr eine deutsche Zulassung erhalten. Bei der Cercosporaresistenz und der
erweiterten Rizomaniatoleranz gibt es erfreuliche Zuchtfortschritte. Aber mit Blick auf die SBR-Widerstandskraft
sowie Rübenvergilbungsviren ist das Angebot noch sehr dünn. Doch auch hier gibt es erste Lichtblicke.
- nematodentoleranthohe
- Rübenfrischmasseerträge
- Hoffnungsträger für SBR-Gebiete
Ammer ist eine nematodentolerante Sorte, die ihren hohen Zuckerertrag ganz klar über einen sehr hohen Rübenfrischmasseertrag erzielt. Im Zuckergehalt ist sie schwächer eingestuft. Auf Prüfstandorten mit SBR-Befall zeigte sich Ammer deutlich ertragsstabiler als andere Sorten. Daher wurde ihr bei der Zulassung die Eigenschaft »Toleranz gegen SBR« zugesprochen. Daraus ergibt sich eine besondere Vorzüglichkeit für kritische Anbauregionen. Aufgrund der starken Ausrichtung auf Rübenertrag eignet sich die Sorte eher für fabriknahe, frachtgünstige Standorte und besonders für späte Rodetermine.
- sehr gute Cercosporaresistenz
- nematodentolerant
- sehr hoher Zuckerertrag
Bei Bertida KWS handelt es sich um eine klassische rizomaniatolerante Sorte, die auf Flächen mit und ohne Nematodenbefall einen sehr hohen Zuckerertrag verspricht. Beim Rübenertrag und dem Zuckergehalt zeigt sie sich mit überdurchschnittlich guten Werten. Ihre hohe Cercosporaresistenz ist beachtenswert. Der Anbau bietet sich besonders dort an, wo die Ertragsabsicherung durch eine cercosporastabile Sorte von höchster Priorität ist. Bezüglich des Rodetermins ist Bertida KWS flexibel.
- ALS-herbizidtolerante Sorte
- geringer Amino-N-Gehalt
- sehr gute Cercosporaresistenz
BTS Smart 4680 ist eine ALS-herbizidtolerante Neuzulassung, die mit einer klassischen Rizomaniatoleranz ausgestattet ist. Vom Leistungsprofil ist sie auf einen sehr hohen Zuckergehalt und hervorragende Saftreinheit ausgerichtet. Der Rübenertrag ist hingegen deutlich schwächer eingestuft. Da in den Sortenprüfungen mit klassischen Herbizidmischungen behandelt wird, können bei stressfreien, reinen Conviso-One-Anwendungen der Rübenertrag und folglich auch der Zuckerertrag etwas positiver ausfallen. Gegenüber Cercospora zeigt die Sorte eine hohe Widerstandskraft. Die fehlende Nematodentoleranz sollte beachtet werden. Aufgrund des sehr hohen Zuckergehaltes liegt ihre besondere Vorzüglichkeit in der Frachtoptimierung an fabrikfernen Standorten. Bei Vertragsmodellen mit Qualitätsbezahlung bietet BTS Smart 4680 einen Zusatznutzen.
- ALS-herbizidtolerante Sorte
- stark gegenüber Cercospora
- nematodentolerant
Smart Herma KWS ist die zweite Neuzulassung mit einer ALS-Herbizidtoleranz. Bei ihr handelt es sich um eine klassische rizomaniatolerante Sorte mit sehr guter Cercosporaresistenz. Der Zuckergehalt ist überdurchschnittlich hoch. Rüben- und Zuckerertrag liegen hingegen unter dem Verrechnungsmittel. Ihre besondere Merkmalskombination kann die Sorte dort unter Beweis stellen, wo klassische Unkrautbekämpfungsstrategien nicht ausreichen und zu erwartende Ertragsdepressionen durch Nematoden- und Cercosporabefall über eine angepasste Sortenwahl abgefedert wer-
den sollen.
- erweiterte Rizomaniatoleranz
- sehr gute Cercosporaresistenz
- hoher Zuckerertrag
BTS 2655 N ist eine weitere nematodentolerante Sorte. Sie verspricht insbesondere auf Flächen mit Nematodenbefall eine sehr hohe Zuckerertragsleistung. In den Merkmalen Rübenertrag, Zuckergehalt und Amino-N punktet sie mit überdurchschnittlich guten Werten. Außerdem bringt sie eine erweiterte Rizomaniatoleranz mit und bietet eine sehr hohe Cercosporastabilität. Damit präsentiert sich BTS 2655 N als gesunder Allrounder mit ausgewogenem Leistungsprofil. Die Sorte ist für alle Rodetermine gut geeignet. Eine Anbauempfehlung kann überall dort ausgesprochen werden, wo eine erweiterte Rizomaniatoleranz erforderlich ist sowie NT-Abwehr und eine hohe Cercosporaresistenz gefordert werden.
- überdurchschnittlicher Zuckergehalt
- nematodentolerant
- für frühe Rodetermine gut geeignet
BTS 4200 N ist wiederum eine klassische rizomaniatolerante Sorte mit zusätzlicher Nematodentoleranz. Sie ist stärker auf den Zuckergehalt ausgerichtet als auf Rübenfrischmasse. Die Blattgesundheit ist durchschnittlich. In der Saftreinheit liegt sie unter dem Verrechnungsmittel. Der Anbau bietet sich dort an, wo hohe Zuckererträge über hohe Zuckergehalte erzeugt werden sollen. Damit eignet sich BTS 4200 N insbesondere für fabrikferne Standorte und frühe Rodetermine.
- erweiterte Rizomaniatoleranz
- gute Cercosporaresistenz
- sehr hoher bereinigter Zuckerertrag
Auch Francina KWS ist eine nematodentolerante Sorte, die auf Flächen mit und ohne Nematodenbefall einen sehr hohen bereinigten Zuckerertrag erzielt. Rübenertrag, Zuckergehalt und Saftreinheit sind überdurchschnittlich gut. Gegenüber Cercospora zeigt sich die Sorte sehr widerstandskräftig. Außerdem besitzt sie eine erweiterte Rizomaniatoleranz. Der Anbau bietet sich besonders auf Standorten an, auf denen eine breite Gesundheitsausstattung zur Ertragsabsicherung gefordert ist. Dabei ist Francina KWS für alle Rodetermine gut geeignet.
- erweiterte Rizomaniatoleranz
- nematodentolerant
- sehr hoher Rübenertrag
Bei Ibis handelt es sich um eine leistungsstarke nematodentolerante Sorte, die vor allem auf Flächen mit Nematodenbefall einen sehr hohen Zuckerertrag verspricht. Zusätzlich ist sie mit einer erweiterten Rizomaniatoleranz ausgestattet. Die Blattgesundheit ist durchschnittlich. Prädestiniert für den Anbau sind Flächen mit Nematodenbefall und Regionen, die unter Ertragsdepressionen mit der bisherigen Rizomania-Genetik leiden und eine neue Resistenzquelle benötigen. Dank ihres ausgeglichenen Leistungsprofils ist Ibis für alle Rodetermine gut geeignet.
- erweiterte Rizomaniatoleranz
- sehr gute Cercosporaresistenz
- zuckergehaltsbetont
Lorenza KWS ist ebenfalls eine nematodentolerante Sorte mit erweiterter Rizomaniatoleranz. Außerdem besitzt sie eine sehr gute Cercosporaresistenz. Der sehr hohe bereinigte Zuckerertrag wird über einen hohen Zuckergehalt und einen mittleren Rübenmasseertrag gebildet. Die Saftreinheit ist unterdurchschnittlich. Aufgrund der erweiterten Rizomaniatoleranz bietet sich der Anbau insbesondere dort an, wo eine einfache Rizomaniatoleranz nicht mehr ausreicht. Mit Blick auf den Rodetermin ist Lorenza KWS flexibel.
- Hoffnungsträger für SBR-Gebiete
- tolerant gegenüber BYV
- Schwächen in der Blattgesundheit
Multivira ist eine zukunftsweisende Spezialsorte, die eine besondere Vorzüglichkeit in SBR-Befallsregionen zeigt. Außerdem ist sie tolerant gegenüber Nematoden und dem Beet Yellow Virus (BMY). In den SBR-Sonderprüfungen hat sich Multivira als widerstandsfähiger gegen die Erreger des SBR-Komplexes herausgestellt als andere Sorten. Infolgedessen wurde ihr vom Bundessortenamt eine »Toleranz gegen SBR« bescheinigt. Auf Flächen, auf denen SBR und Viren keine Rolle spielen, liegt der Rübenertrag allerdings deutlich unter dem Verrechnungsmittel.
Sortenwahl auf einen Klick
Beratungstool. Der Zuckerrübenanbau steht derzeit vor großen Herausforderungen. Mit den pflanzenbaulichen Schwierigkeiten hat sich das EIP-Agri-Projekt SONAR des Verbandes der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer e. V. beschäftigt. Das Projekt startete Anfang 2022 und endete in diesem Jahr. Dabei wurden intensive Monitorings zu Blattläusen, Blattkrankheiten, Nematoden und der Schilf-Glasflügelzikade durchgeführt. Die gewonnenen Daten bildeten die Grundlage für die Entwicklung des »SONAR-Sortenberaters«.
Blattläuse. Beobachtet und bonitiert wurde der Befallsverlauf von schwarzen Bohnenläusen und Grünen Pfirsichblattläusen. Im Jahr 2022 gab es einen starken Blattlausbefall. In den beiden darauffolgenden Jahren spielten Blattläuse eine untergeordnete Rolle. Auch die Untersuchung der Rüben auf Vergilbungsviren konnte in den Jahren 2023 und 2024 kaum positive Befunde liefern.
Schilf-Glasflügelzikade. Im Laufe der dreijährigen Untersuchungen gab es deutliche Anstiege in den Fangzahlen der Schilf-Glasflügelzikade – besonders in der Nähe des Rheins. Im Jahr 2024 wurden weniger Zikaden gefangen. Das ist vermutlich auf die starken Niederschläge und die daraus resultierende verminderte Flugaktivität zurückzuführen. Die deutlichen Symptome sowie Erregernachweise konnten jedoch auch im Jahr 2024 das Vorkommen der Zikaden und Infektionen mit SBR bestätigen.
Sortenunterschiede. Die ARGE Südwest führt jedes Jahr großangelegte Sortenversuche an neun Standorten durch, um die regionale Eignung und Schwächen verschiedener Sorten zu testen. Besonders in SBR-Befallsgebieten spielt die Sortenwahl eine Schlüsselrolle. Hier haben sich immer wieder deutliche Unterschiede in den Leistungen gezeigt. Der SONAR-Sortenberater für Hessen und Rheinland-Pfalz wird jedes Jahr aktualisiert, um die besten Empfehlungen geben zu können. Sie finden ihn unter sonar-sortenberater.de.
Hannah Adam-Schilling, Eric Schall, Jana Stohl, Verband der Hessisch-Pfälzischen ZR-Anbauer e. V., Worms