Webinar-Recap: Windpacht – wenn der Wind sich dreht
Die „gute alte Zeit“ der Windpachten ist vorbei. Was bis Anfang 2025 für viele Flächeneigentümer noch nach planbarer Zusatzeinnahme aussah, steht heute unter massivem Druck: sinkende Zuschlagswerte, vervierfachte Zinsen, überzeichnete Ausschreibungen und neue staatliche Eingriffe verändern das wirtschaftliche Fundament vieler Projekte. Genau deshalb haben die DLG-Mitteilungen gemeinsam mit dem DLG-Ausschuss für Agrar- und Steuerrecht zum Webinar „Windpacht – wenn der Wind sich dreht“ eingeladen. Ziel war es, die aktuelle Lage zu analysieren, Entwicklungen einzuordnen und Wege aufzuzeigen, wie Landeigentümer in diesem veränderten Umfeld bestehen können.
Einnahmeseite: Sinkende Zuschlagswerte, steigende Unsicherheit
Ausgangspunkt der Analyse war die Entwicklung der Einnahmeseite aus Sicht der Betreiber. In den Jahren 2023/24 lagen stabile Zuschlagswerte deutlich über 7 ct/kWh vor. Mit Korrekturfaktoren konnten hohe Umsätze erzielt werden. In Verbindung mit niedrigen Zinsen ermöglichte dies vielfach eine 100%ige Fremdfinanzierung der Projekte.
Im Laufe des Jahres 2025 änderte sich das Bild jedoch deutlich. Anfang Januar 2026 gab es dann Empfehlungen, mit Gebotswerten von ca. 5,5 ct/kWh in Ausschreibungen zu gehen, um mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Zuschlag zu erhalten. Dies verdeutlicht den Druck im Markt. Überzeichnete Ausschreibungen bei der Bundesnetzagentur, steigende Kapitalmarktzinsen sowie staatliche Eingriffe – etwa bei Akzeptanzabgaben, steuerlichen Bewertungen oder möglichen Kostenbeteiligungen am Netzausbau – verschärfen die Lage. Und die anstehende EEG-Reform sorgt zusätzlich für Unsicherheit.
Kostenseite: Vervierfachte Zinsen und neue Belastungen
Parallel dazu ist die Kostenseite massiv unter Druck geraten. Die Kapitalkosten haben sich im Vergleich zu 2022 nahezu vervierfacht. Während Zinsen damals bei 1 bis 1,4 % lagen, bewegten sie sich Ende 2025 bei 3,8 % und aktuell in Richtung 4,5 %. Hinzu kommen Inflation, staatliche Beteiligungsverpflichtungen sowie mögliche Netzausbaukosten.
Als Lichtblick wurde die sogenannte Überbauungsmöglichkeit genannt: Die Kombination von Wind- und Solarprojekten an einem Netzverknüpfungspunkt kann Kosten senken. Insgesamt jedoch schlagen die veränderten Rahmenbedingungen unmittelbar auf die Pachten durch.
Finanzierung als Engpass – nicht die Rentabilität
Ein zentrales Ergebnis des Webinars: Der Engpass liegt derzeit weniger in der grundsätzlichen Wirtschaftlichkeit der Projekte, sondern in deren Finanzierung. Banken arbeiten typischerweise mit einem sogenannten P75-Wert, der kalkulatorisch eine Reduzierung der erwarteten Umsätze um etwa 25 % nach sich zieht. Unter dieser Annahme muss mindestens eine „schwarze Null“ erreicht werden, um eine Finanzierung zu ermöglichen.
In der „guten alten Zeit“ bis Anfang 2025 war dies problemlos darstellbar. Strom konnte nahe an den Höchstgeboten von etwa 7,3 ct/kWh vermarktet werden, das Fremdkapital kostete rund 1,2 %. Variable Pachten jenseits der 20 % waren möglich. Die Wertschöpfung verteilte sich ungefähr zu 45 % auf den Landeigentümer und zu 55 % auf den Betreiber.
Mit den veränderten Bedingungen kehrte sich dieses Bild jedoch um. Bei 100%iger Fremdfinanzierung ließen sich nur noch variable Pachten von rund 2,1 % – etwa 25.000 € je WEA – darstellen. Der Anteil des Landeigentümers an der Wertschöpfung sank damit auf rund 8 %, bei gleichzeitig halbierter Gesamtwertschöpfung.
Planer reagierten darauf mit einer Erhöhung des Eigenkapitalanteils auf 20 %. In Nachverhandlungen Anfang 2026 wurden Anpassungen der variablen Pacht auf 4 bis 5,4 % diskutiert und teilweise umgesetzt. Rechnerisch war dies nachvollziehbar, führte jedoch weiterhin nur zu einem Wertschöpfungsanteil von knapp unter 20 % für den Landeigentümer – deutlich entfernt von den früher möglichen 45 %.
Pacht als „Eigenkapitalersatz“ – neue Modelle gefragt
Warum geraten gerade die Pachten unter Druck? Sie sind die einzige „weiche“, verhandelbare Größe im Finanzierungssystem und werden aus Bankensicht vorrangig bedient. Eine Reduzierung der Pacht wirkt faktisch wie Eigenkapitalersatz. Der Landeigentümer ermöglicht durch Verzicht auf Einnahmen die Projektfinanzierung – ohne hierfür automatisch eine Gegenleistung zu erhalten.
Genau hier setzt der Lösungsansatz an: Wenn Pachtbestandteile wie Eigenkapital wirken, sollte der Landeigentümer hierfür eine angemessene Beteiligung erhalten. Diskutiert wurden zwei Wege: Nachzahlungsmodelle zur Korrektur von Sicherheitsabschlägen oder die Umwandlung reduzierter Pacht in gesellschaftsrechtliche Beteiligungen.
Bei Neuabschlüssen kann eine Beteiligungslösung von Beginn an sinnvoll sein. Eine Beteiligungsquote von über 30 % wurde als Orientierung genannt, um wieder zu einer Wertschöpfungsverteilung von etwa 45 % für den Landeigentümer zu gelangen. Voraussetzung ist, dass der Planer das Entwicklungsrisiko trägt und für den Landeigentümer keine Nachschusspflichten entstehen. Die reduzierte Pacht ermöglicht dann die Fremdfinanzierung, während die Beteiligung langfristig Vermögens- und Einkommensperspektiven eröffnet.
Nicht empfohlen wurden hingegen Modelle wie der Erwerb einzelner WEA oder der nachträgliche Kauf von Beteiligungen an bestehenden Windparks. Diese sind komplex, risikobehaftet und lösen die grundlegenden Finanzierungs- und Steuerfragen nicht.