Lisa Langbehn
Editorial
Auf EU-Ebene ist die ursprünglich politisch geforderte massive Reduktion chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel ja vom Tisch. Aber das Thema bleibt auf vielen anderen Ebenen aktuell: Einige Bundesländer verfolgen deutliche Reduktionsziele, denn der gesellschaftliche Anspruch an eine möglichst „chemiearme“ Pflanzenproduktion besteht nach wie vor. Zudem setzen der immer krassere Wirkstoffwegfall und zunehmende Resistenzen gegen die noch verfügbaren Wirkstoffe neue Überlegungen in den Pflanzenschutzstrategien in Gang. Im folgenden Dossier erfahren Sie wichtige Hintergründe zum großen Thema Pflanzenschutz – angefangen mit neuen Problemunkräutern, Wirkstoffen und Resistenzen über Bekämpfungsstrategien bis hin zu Applikationstechniken.
Der Pflanzenschutz steht vor einem Wendepunkt. Politische Ziele und Ansätze treffen auf die Realität des Ackerbaus, der sich bereits jetzt aufgrund klimatischer Veränderungen und fehlender Wirkstoffe anpassen muss. Daran wird auch die Bundestagswahl nichts Wesentliches ändern. Aber bieten die bisherigen Programme die richtigen Ansätze für eine Pflanzenschutzreduktion? Was davon funktioniert, was fehlt und wie lässt sich die Umsetzung in der Praxis stärken?
Darüber diskutierten wir mit einer praxisnahen Expertenrunde: Landwirtin Dr. Anna Catharina Voges, Dr. Holger Hennies, Landwirt und Präsident des Niedersächsischen Landvolks, Frank Brunn, Berater der N.U. Agrar und Markus Röser von der BASF.
Moderation: Anne Ehnts-Gerdes
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Pflanzenschutz
Schilf-Glasflügelzikade. Wo stehen wir zu Beginn dieser Saison?
Gute Rübenerträge 2025, geringer Befall mit SBR in Zuckerrüben und bakterieller Kartoffelknollenwelke – das lag vor allem an der Witterung. Aber die Schilf-Glasflügelzikade dürfte sich weiter ausbreiten. Was helfen kann, zeigen Johannes Hausmann und Christoph Joachim.
Ernährungssouveränität und Wirkstoffverluste
Wie sicher ist unsere Lebensmittelversorgung wirklich? In dieser Podcast-Episode sprechen wir über den Verlust zentraler Pflanzenschutzwirkstoffe – und seine Konsequenzen für Erträge, Betriebe und Selbstversorgungsgrade. Auf Basis aktueller Studien diskutieren wir, warum Klimawandel langfristig wirkt, Regulierung aber kurzfristig massive Effekte entfalten kann: Ertragseinbußen von 10 bis 25 %, wachsende Importabhängigkeit und steigende ökonomische Risiken, insbesondere für Sonderkulturen wie Obst, Gemüse oder Kartoffeln.
Nacherntemanagement als Basis der Herbizidstrategie
Das Potenzial von Ungrassamen im Boden ist für das gesamte Herbizidmanagement von entscheidender Bedeutung. Ein wichtiger Baustein der Pflanzenschutzstrategie im Herbst ist ein an die Biologie der Ungräser angepasstes Nacherntemanagement. Die Engländer bezeichnen die standardmäßige Stoppelbearbeitung bei hohem Ungrasdruck nicht umsonst als „waste of time“ (= Zeitverschwendung). In dieser Episode geht es um die richtige Strategie in puncto Ackerfuchsschwanz und Weidelgras, die Notwendigkeit, das Nacherntemanagement als eigenständige Disziplin zu betrachten, und den Wegfall von Flufenacet.
Zwischenfrüchte neu gedacht
Die positiven Wirkungen des Zwischenfruchtanbaus auf den Boden sind allseits bekannt. Viele Betriebe möchten sich tiefergehend mit der Thematik beschäftigen und neue Verfahren ausprobieren. Insbesondere aus dem Bereich der regenerativen Landwirtschaft gibt es zurzeit mögliche Lösungsansätze, den Zwischenfruchtanbau weiter zu verfeinern. In dieser Episode geht es um die Möglichkeiten aber auch Hemmnisse und Grenzen der Intensivierung des Zwischenfruchtanbaus.
Immer nach guter fachlicher Praxis
Der chemische Pflanzenschutz wird zunehmend zu einer extrem großen Herausforderung für die Landwirte und Landwirtinnen. Der Wegfall von Wirkstoffen, Resistenzen und der Druck der Öffentlichkeit, erfordern neue Denk- uns Vorgehensweisen beim Pflanzenschutz nach guter fachlicher Praxis. Die technischen Voraussetzungen kommen hier dem Anwender immer mehr entgegen. Pflanzenschutztechnikhersteller haben das Spot Spraying, teilflächen- und sogar Einzelpflanzenerkennung- und Applikation längst in der Schublade. Die Landwirte sind nun gefordert das auch anzuwenden. Oftmals sind es aber noch Hürden in der Anwendung, die eine Investition in entsprechende Geräte verhindern. Dabei hat sie das Potenzial zu helfen, mit weniger Mitteleinsatz den gleichen oder sogar höheren Ertrag zu erzielen. Auch hier spielt also das Stichwort "Digitalisierung" eine tragende Rolle.