Europa. GAP: Verursacherprinzip statt Subvention?
Steuern auf Mineraldünger? In einer Phase hoher Preise und knapper Märkte wirkt das wie ein Vorschlag zur Unzeit. Und auch Grenzausgleichsmechanismen für Agrarimporte sind schnell gefordert, aber schwer umzusetzen. Genau solche Instrumente stellt eine Studie des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) aber in den Mittelpunkt – und liefert damit einen unbequemen Gegenentwurf zur bisherigen Agrarpolitik.
Der Ausgangspunkt ist eine bekannte Schwäche der bisherigen Politik: Die Umweltkosten der Landwirtschaft – etwa durch Treibhausgase, Stickstoff oder Pflanzenschutzmittel – spiegeln sich kaum in den Preisen wider. Die Folge sind Fehlanreize. Trotz hoher Agrarausgaben und wachsender Regulierung bleiben Umweltziele oft unerreicht, während Bürokratie und Wettbewerbsverzerrungen zunehmen. Die Studie sieht darin ein strukturelles Problem der GAP. Statt wirksam Anreize zu setzen, dominiert eine Mischung aus Auflagen und Subventionen. Das Ergebnis: hoher administrativer Aufwand, aber begrenzte ökologische Wirkung. Die Autoren schlagen deshalb einen grundlegenden Kurswechsel vor.
Umweltbelastungen sollen künftig einen Preis bekommen – etwa über den Einbezug der Landwirtschaft in den Emissionshandel oder über handelbare Zertifikate für Betriebsmittel wie Stickstoffdünger und Pflanzenschutz. Die Logik: Wer mehr emittiert oder einsetzt, zahlt mehr. Wer effizienter wirtschaftet, spart Kosten. Für die Betriebe würde das einen Paradigmenwechsel bedeuten. Statt detaillierter Vorgaben entscheidet stärker der Landwirt selbst, wie er Umweltauflagen erfüllt. Die Studie verspricht sich davon mehr Innovation, einen geringeren Verwaltungsaufwand und eine insgesamt effizientere Zielerreichung.