Tierhaltung. Große Ziele, wenig Konkretes
Auf die englischen Tierhalter könnten eine Reihe von markanten Änderungen zukommen.
Zum Ende des vergangenen Jahres hatte das Landwirtschaftsministerium (DEFRA) eine Tierwohlstrategie ins Parlament eingebracht, die vor allem Geflügel- und Sauenhalter mit der Abschaffung gängiger Haltungssysteme trifft sowie eine Änderung der Schlachtpraktiken vorsieht. Den deutschen Tierhaltern wird das meiste bekannt vorkommen, nur dass sie diese Wege schon vor einigen Jahren eingeschlagen haben.
In der Geflügelhaltung sollen beispielsweise die ausgestalteten Käfige für Legehennen abgeschafft werden. Laut Daten aus 2024 wird immer noch jede fünfte britische Henne in einem solchen ausgestalteten Käfig gehalten. Ähnlich wie damals bei uns haben aber die großen Einzelhändler angekündigt, mit Ende des vergangenen Jahres den Verkauf von Eiern aus Käfighaltung einzustellen. Zum Teil wurde diese Zusage sogar schon auf verarbeitete Eier ausgeweitet. Zudem will das DEFRA die Industrie »ermutigen«, auf das Töten von Eintagsküken zu verzichten. Einzelheiten dazu werden allerdings nicht genannt.
In der Sauenhaltung will die Regierung die Fixierung der Muttertiere abschaffen. Ein Zeithorizont wird auch hier nicht genannt. Bislang arbeiten nur 8 % der Betriebe mit alternativen Abferkelbuchten. In Zusammenarbeit mit der Branche sollen Möglichkeiten für einen Übergang zur flexiblen oder sogar freien Abferkelung geprüft werden.
Darüber hinaus möchte das Agrarressort die Landwirte »ermutigen«, auf das routinemäßige Kupieren der Schwänze bei Schweinen und Lämmern sowie der Schnäbel bei Legehennen zu verzichten. Hier strebt das Ministerium eine Kooperation mit der Branche und den Tierärzten an.
Dringenden Handlungsbedarf sieht das Ministerium bei der Schlachtung. Hier soll die Betäubung mit Kohlenmonoxid verboten werden. Details zum Zeitpunkt der Umsetzung und zu erlaubten Alternativen gehen aus dem Papier allerdings ebenfalls nicht hervor.
Unter dem Strich bleibt das Tierwohlpapier damit ein engagiertes Vorhaben, allerdings mit wenig konkreten Daten zu den Zeithorizonten – von Finanzierungszusagen ganz zu schweigen.