Zukunft unter neuen Vorzeichen

 

 

 

 

 

Pflanzenschutz. Mittlerweile pfeifen es die Spatzen von den Dächern: Der chemische Pflanzenschutz wird sich in den nächsten Jahren grundlegend verändern. Regelmäßige Beobachtungen und termingerechte Behandlungen sind künftig noch nötiger; sie erfordern jedoch Zeit, Schlagkraft und vor allem Wissen. In vielen Betrieben ist mindestens eines davon ein knapper Faktor. Auch deshalb werden die »digitalen« Perspektiven derzeit fast schon überstrapaziert.

Vieles davon ist heute noch weit weg von der Praxis. Aber irgendwann werden an Drohnen montierte Sensoren Befallsnester noch vor dem menschlichen Auge erkennen und das Spritzgerät nur diese Nester behandeln. GPS-gesteuerte Hackmaschinen fahren mit 15 km/h durch die Bestände. »Vorn« erkennt ein Sensor Unkräuter, die »hinten« punktgenau vom Spritzmittel erfasst werden. Abstandsauflagen der Mittel werden vom Gerät automatisch berücksichtigt. Die (variablen) Mittekosten werden damit sinken, die ­(festen) technischen Kosten steigen.

In eine andere Kategorie fallen die Ideen der Industrie, auf der Grundlage großer Datenmengen Empfehlungen bis hin zur Ertragsgarantie zu geben. Wo die Mittel weniger einbringen, muss halt ein anderes Geschäftsmodell her. Nur ist es nicht mehr das der Landwirte. Es gibt aber mit Sicherheit Betriebe, auf die dieses Modell mit geringeren Margen, aber einer gewissen Sicherheit passt.
Eines wird bei alldem gern vergessen: Wer von Digitalisierung redet, darf von Zulassung nicht schweigen: Gerade ein punktgenauer Pflanzenschutz braucht Bekämpfungserfolg und somit wirksame Mittel. Wirkstoffe sind nicht alles, aber ohne sie ist alles nichts.

 

Thomas Preuße