Wo bleibt der Milchkontrakt?

 

Je näher das Ende der Milchquote rückt, desto öfter hört man den Ratschlag, die Milchpreise über den Terminmarkt abzusichern. Begründet wird das mit einer steigenden Volatilität nach dem Quotenende, die es abzufedern gilt.

Dabei wird gern vergessen, dass die Auszahlungspreise der Molkereien seit gut zehn Jahren heftig schwanken. Richtig ist aber der Verweis auf die Vorteile einer Preisabsicherung. Die am Terminmarkt erhältlichen Produkte sind aber auf die Verarbeiter zugeschnitten. Das zeigen die angebotenen Futures (Butter, Magermilch- und Vollmilchpulver) und die Kontraktgrößen (je 5 t). Wer als Landwirt einsteigen will, braucht eine gewisse Größe. Denn die Untergrenze von 100 t Milch im Monat, die sich über einen Butter- und zwei  Magermilchpulverkontrakte absichern lassen, erfordert einen Bestand von 120 bis 160 Kühen. Rein von der Größe fallen darunter gerade einmal 5 bis 10 % aller Betriebe. Hinzu kommt der vorzuhaltende Finanzpuffer: Experten halten 6 000 € pro Kontrakt für sinnvoll. Das kann sich nicht jeder leisten. Und wichtiger: Nicht jeder »Milchbauer« hat den Kopf dafür.

Das legt nahe, für eine größere Reichweite den Verarbeitern die Absicherung der Erzeugerpreise mittels Terminkontrakten zu überlassen. Abgesehen davon, dass das erhebliche finanzielle Mittel bände: Warum sollten sie das tun, wenn doch die Erzeuger das Preisrisiko tragen? Wer die Milchviehhalter zur Preisabsicherung aufruft, sollte auch für das passende Instrumentarium werben. Das heißt: ein Milchkontrakt in auf Erzeuger angepasster Kontraktgröße. Alles andere funktioniert nicht.

 

Markus Wolf