Wir brauchen einen Plan B

 

Schlachtsektor. Die Corona-Ausbrüche am Schlachtstandort Rheda waren das eine. Aber das größere Problem, das letztendlich zu Überhängen, extremen Marktverwerfungen und Preisrückgängen geführt hat, war die Darstellung in den Medien: Dort ging es ja nicht nur um Corona, sondern um die Arbeitsbedingungen im Schlachtsektor und auch um die Tierhaltung ganz grundsätzlich. Das hat zur Folge, dass es keinen politischen Willen gibt, sich für »so eine üble Branche« einzusetzen.

Ganz allgemein waren staatliche Hilfen für in Not geratene Branchen ja zuletzt nicht das Problem. Aber auf Sondergenehmigungen für Schlachthöfe konnte man – selbst in einer so dramatischen  Ausnahmesituation, in der es ja auch um Tierschutzbelange ging – nicht setzen. Dabei wäre das die entscheidende Hilfestellung gewesen. Deshalb: Für Krisenfälle brauchen wir Krisenpläne, die Sondergenehmigungen für höhere Stückzahlen anderer Schlachthöfe ermöglichen, um dahin auszuweichen. Wie zum Beispiel nach dem Brand eines Geflügelschlachthofs in Süddeutschland, als Schlachter im Norden einspringen konnten. Das müssen die Anwohner in der Umgebung dann mal ein paar Wochen aushalten. Aber wer will in dieser aufgeheizten Anti-Tierhalterstimmung dafür geradestehen? Den Schlachthöfen »noch mehr erlauben«? Es wird lieber ohne Marktkenntnis über grundsätzlich andere, dezentrale Schlachthofstrukturen diskutiert.

Die landwirtschaftliche Seite ist in solchen Fällen ziemlich machtlos. Derartige Krisen lassen sich nur vorbereiten, wenn es uns gelingt, Politik und Bevölkerung klarzumachen: Für Ausnahmefälle brauchen wir besondere Maßnahmen. Die nächste Situation, in der man dringend solche Vorsorgepläne braucht, könnte ein ASP-Ausbruch sein.

 

Stefan Teepker