Wieder prescht der Handel vor

 

Haltungsanforderungen. Nach Lidl und Rewe mischt sich jetzt auch Edeka direkt in die Milchproduktion ein. Der Einzelhändler will künftig Mindestanforderungen zur Haltung von Milchkühen stellen. Sie sollen für die Eigenmarken des Unternehmens gelten und gehen in einigen Punkten weit über die gesetzlichen Vorschriften hinaus. Allerdings ist Edeka nicht bereit, das Erfüllen der Anforderungen zu honorieren, und es käme ein Wust an weiterer Dokumentation und zusätzlichen Kosten auf die Betriebe zu. Etliche der »Kriterien für die Weiterentwicklung des Tierwohls« wie regelmäßige Klauenpflege, das Vorhandensein von Vorrichtungen zu Fellpflege und eines Krankenabteils oder leistungsorientierte und wiederkäuergerechte Fütterung sind in gut geführten Betrieben selbstverständlich. Aber speziell die geforderte Haltung im Liegeboxenlaufstall mit Außenklimakontakt durch Offenfront und keinem reinen Vollspaltenboden schließt eine Menge Betriebe von vornherein aus. Und zwar nicht nur solche mit Anbindehaltung, sondern auch viele Milchproduzenten mit einem älteren Boxenlaufstall. Wie Edeka seine Anforderungen umsetzen und wie der Einzelhändler sie kontrollieren will, erscheint noch vollkommen offen. Und auch die Rolle der Molkereien dabei ist bisher ungeklärt. Übrig bleibt ein krampfhaftes Bemühen, eigene Standards zu setzen und sich damit in den Augen der Verbraucher zu profilieren. Ein bisschen klingt es nach »Hauptsache, der Handel macht irgendwas, um in der Öffentlichkeit gut dazustehen«. Aber dauerndes Vorpreschen kann Steine ins Rollen bringen, die sich irgendwann nicht mehr aufhalten lassen.

 

 

Bianca Fuchs