Weg mit den alten Klischees!

 

Ackerbau Perspektiven. Der konventionell wirtschaftende Ackerbauer ist ein Mensch, der mit viel zu schweren Maschinen den Boden malträtiert, das Grundwasser mit Nitrat verseucht und die Umwelt – am liebsten mit Glyphosat – vergiftet. Biobauern dagegen wirtschaften im Einklang mit der Umwelt. Diese Schwarz-Weiß- Malerei auf sattgrünem Hintergrund ist zwar Unsinn. Aber sie polarisiert die öffentliche Meinung und in der Folge die Politik derart, dass nur noch ein »Entweder-oder« möglich erscheint. Und, schlimmer noch, dieses moralisch aufgeladen wird. Das macht blind für realistische Zukunftsperspektiven.

Vergleichende Untersuchungen zeigen nämlich bei vielen Parametern über eine sehr große Bandbreite hinweg keine Vorteile der einen oder anderen Bewirtschaftungsweise. Das dürfte auch in der Praxis so sein. Ein Ökolandbau auf großer Fläche kann in Sachen Biodiversität weniger Punkte machen als ein konventioneller in einem klein strukturierten Gebiet. Extreme N-Überhänge haben oft mit der Tierhaltung zu tun – aber auch bei einigen Ökobetrieben lohnt es sich vielleicht, in Sachen Wasserschutz zweimal hinzusehen.

Was die konventionelle Landwirtschaft in die Schmuddelecke bringt, sind nicht Dünger und Pestizide an sich. Es ist das »Zuviel«, das Negieren der auch hier wirksamen ökologischen Zusammenhänge, das »Reparieren«, die Kurzfristperspektive. Fast alle vermeintlichen Systemvorteile des Ökolandbaus lassen sich auch konventionell erreichen – aber wahrscheinlich deutlich effizienter. Fruchtfolge und Zwischenfrüchte, Boden und Biodiversität sind ja auch für Konventionelle keine Fremdworte. Gefühlt zu Abrahams Zeiten gab es dafür den Begriff »integrierter Pflanzenbau«. Demnächst wird er »Ackerbaustrategie« heißen. 

Einige (gerade jüngere) Landwirte interessieren sich zusätzlich für ganz neue Wege zwischen den Extremen. Das geht über die Wahl resistenter Sorten und einen zurückhaltenden chemischen Pflanzenschutz deutlich hinaus in Richtung neuer Schwerpunkte (Bodenstruktur, Zwischenfruchtmischungen, Biostimulantien...) und manchmal unter Kopfschütteln der älteren Generation (»nützt sowieso nichts«, »kostet zu viel«). Manches mag in der Tat Quatsch sein oder Marketinggedöns – da hilft nur Ausprobieren.

Ob durch äußeren Druck (Verbote) oder innere Notwendigkeit (Resistenzen) getrieben – der konventionelle Ackerbau entspricht jedenfalls immer weniger den Klischees. Ob man das den dritten Weg nennen will oder Hybridlandwirtschaft: Dort liegt die Zukunft für die Mehrzahl der Betriebe, nicht im hoch subventionierten Ökolandbau.

 

 

Thomas Preuße