Was trägt den Betrieb?

 

Ackerbau. In den Zentren des Rübenanbaus geht ebenso wie in den Rapsregionen bei sehr vielen Ackerbauern die Angst um. Man spürt es auf jeder Versammlung, in jedem Gespräch: Was trägt den Betrieb in den kommenden Jahren?

Eines ist sicher: Wer mit 100 ha und guter Rübenquote in der Vergangenheit ein Auskommen hatte, der muss sich Alternativen suchen. Die Rübe, die auf diesen »klassischen« Betrieben in der Pfalz, in Niederbayern, dem Rheinland, im fränkischen Gäu oder in Südniedersachsen die Einkommen sicherte, kann das bei den für die kommenden Jahre absehbaren Preisen nicht mehr leisten. Nicht viel besser ergeht es Betrieben in Holstein, Mecklenburg und den Mittelgebirgslagen. Die sind zwar oft größer, hängen dafür aber auf Gedeih und Verderb am Raps. Die Züchtung kann die Ertragsdepressionen durch den zu intensiven Anbau nicht mehr auffangen. Die Erträge gehen zurück, und die Preisaussichten sind mindestens genauso mäßig wie bei den Rübenbauern. Allein mit den Gewinnen aus Weizen und Gerste wird es auch für solche Betriebe eng. Wirtschaftlich steht also ein Umbruch an, der ausgerechnet in einem Jahr kommt, das wetterbedingt für viele Betriebe ohnehin schon extrem schwer ist. Dann noch hohe Pachten oder zu teure Maschinen in der (natürlich neuen) Halle, und der Betrieb muss um seine Zukunft bangen. Hinzu kommt das Thema Fruchtfolge. Was bitte soll nördlich der Mittelgebirgskette denn Rübe und Raps wirtschaftlich ersetzen? Und was fällt süddeutschen Betrieben ein, wenn ihr Standort nicht Körnermais oder Sojabohnen zulässt?

Als wäre das nicht genug, kommt es auch beim Pflanzenschutz knüppeldick: Das Verbot der Neonikotinoide wird vermutlich schon beschlossen sein, wenn Sie diese Zeilen lesen. Ist auch die Beizung betroffen, dann drohen dem Rübenanbau künftig wieder Moosknopfkäfer, Läuse und die ganze Palette der Rübenvirosen. Die Rapsanbauer werden nur noch schwer eine Lösung gegen den Glanzkäfer finden. Und wenn im Juli die Wirkstoffe Phenmedipham und Desmedipham ihre Zulassung verlieren sollten, dann wird die Unkrautbekämpfung in den Rüben zu einem echten Problem. Im besten Fall geht das noch mit Ertragseinbußen einher, die aufgrund hoher Mengen an Metamitron, Ethofumesat, Trisulfuron und Quinmerac (mehr bleibt kaum noch übrig) zusammen mit viel Öl nicht zu vermeiden sein werden – lesen Sie mehr dazu auf Seite 48.

Für viele Betriebe bedeutet das einen tiefen Umbruch. Und der muss im Kopf beginnen. Welche Alternativen gibt es? Können Sie sich jede auch noch so absurde Pacht leisten? Müssen Sie vielleicht Tiere halten, oder sich mittelfristig einen Zuerwerb suchen? Letzteres ist nicht schön – aber unter Umständen die beste Option.

 

Dr. Christian Bickert