Was lässt sich machen – und was nicht?

 

Klimaschutz. So wichtig für uns alle und gleichzeitig so weit weg: Es gibt wohl wenige Themen, die so polarisieren wie der Klimawandel und seine Folgen. Es gibt Leute, die ihn für eine böswillige Erfindung halten. Andere Zeitgenossen überbieten sich umgekehrt in Endzeitstimmungen. Dazwischen eine »vernünftige« Haltung einzunehmen, Probleme nicht kleinzureden, aber auch nicht in hemmungslosen Aktionismus zu verfallen, das fällt nicht ganz leicht. Ein Musterbeispiel für diese Ambivalenz war zuletzt die Entstehungsgeschichte des »Klimaschutzkonzeptes 2050« der Bundesregierung. Da hatte das Umweltministerium zunächst gefordert, die Tierbestände zu halbieren. Aber was hilft es dem Klima, wenn die Menschen ihren Konsum von Fleisch (und Milch!) nicht einschränken und eine hierzulande begrenzte Produktion anderswo stattfindet? Stattdessen soll es künftig verstärkte  Anstrengungen in der Forschung geben. Das ist ein lobenswerter Ansatz, aber nicht die ganze Miete. Forschung kann generell ein Schlüssel für mehr Klimaschutz sein, wenn sie die Produktionseffizienz verbessern hilft. Auch auf der EuroTier waren solche innovativen Ansätze zu sehen, so eine Methode, der »Überproduktion« von Methan über die Messung der Futtereffizienz auf die Spur zu kommen. Beim Lachgas ist eine gute N-Düngeeffizienz wichtig, aber im offenen Produktionssystem Landwirtschaft nicht immer leicht zu erreichen. Bei Ammoniak dagegen haben wir kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem. Güllebehälter abdecken sowie Gülle und Gärreste direkt in den Boden bringen oder nach der Ausbringung sofort (und nicht erst nach vier Stunden) einarbeiten – das sollte man nicht mehr grundsätzlich diskutieren. Wichtiger ist eher, wie gut Förderprogramme ausgestattet sind und wie es organisatorisch gelingt, neue Technik flächendeckend einzusetzen. 60 % der Gülle stammen aus der Rinderhaltung. Da sind gar nicht »Massentierhaltungen« die ersten Adressen, sondern die vielen »bäuerlichen« Betriebe. Kohlendioxid ist ein besonders schwerer Fall. Denn die Landwirtschaft kann ihre Emissionen in diesem Bereich nur senken, wenn sie ehemalige Moorflächen wiedervernässt. Man müsste flächendeckend Betriebe »herauskaufen«. Das klingt utopisch. Aber wenn es für die Braunkohle »Regionalfonds« geben soll, um die Folgen des Ausstiegs zu mindern, warum nicht für die Landwirtschaft? Mit ihren 0,7 % Anteil am Bruttosozialprodukt erzeugt unsere Branche 11 % der Treibhausgas-Emissionen. Auch sie muss deshalb »liefern« – und ja, das kostet Geld. Aber als Alternative steht am dicken Ende die Gefahr undifferenzierter Totalverbote. Das Thema »Tierwohl« könnte ein Vorbild sein: Warum sagt die Landwirtschaft nicht selbst, was sie in welchem Zeitraum und unter welchen Bedingungen umsetzen kann – und was nicht?

 

 

Thomas Preuße