Verschlimmbesserung

 

Initiative Tierwohl. An der Branchen-Initiative hat jeder was zu meckern. Verständlich ist das bei den Landwirten, die in mehr Tierwohl investiert haben und dann nicht aufgenommen wurden. Ansonsten ist die Kritik weniger nachvollziehbar und dementsprechend auch die Vorschläge nicht, die zur Heilung der vermeintlichen Mängel beitragen sollen.
Bekannt geworden ist jetzt ein Papier, in dem der DBV den Kriterienkatalog weiterentwickeln will: Die beiden bisher frei wählbaren Kriterien »10% mehr Platz« und »zusätzliches organisches Beschäftigungsmaterial« sollen in den Grundanforderungen verankert werden. Etliche andere bisher frei wählbare Kriterien sollen gestrichen werden, um mehr Geld für mehr Tiere zu haben. Besonders strenge Kriterien wie »40% mehr Platz« sollen labelfähig sein, um zu testen, wie groß die Bereitschaft der Konsumenten ist, die Kosten für eine bessere Tierhaltung zu übernehmen.
Damit geht der DBV auf die Händler zu, die ein Label fordern – allen voran Edeka. Aber er geht mit dem gefühlt 97sten Label auch wieder in Richtung Wirrwarr. So wird das eigentlich revolutionäre Prinzip der Initiative Tierwohl gekippt, nämlich die Konsumenten »zu ihrem Glück zu zwingen«, weil einfach alle mehr fürs Tierwohl zahlen müssen. Gerade weil sie sich in unzähligen Anläufen als nicht sehr bereitwillig gezeigt haben, die Kosten zu übernehmen. Und das Kernproblem des Systems wird mit dieser »Weiterentwicklung« überhaupt nicht gelöst: Es ist einfach viel zu wenig Geld im Topf. Der Handel verspricht sich nicht genug von der Initiative Tierwohl, und die Verbraucher fordern mehr Tierwohl, als sie sich leisten wollen. Das heißt nichts Gutes für die Bauern.

 

Lisa Langbehn