Und wir profitieren doch!

 

Handelsabkommen. Vom einstigen Glanz des Freihandels ist heutzutage nicht mehr viel zu sehen. Von der WTO hört und sieht man nichts mehr, und in den USA würde Donald Trump – so er denn könnte – lieber heute als morgen einen Strafzoll auf Güter »Made in China« verhängen, um die heimische Wirtschaft anzukurbeln. Und er ist nicht der Einzige. Überall auf der Welt regt sich mittlerweile Misstrauen, wie der Widerstand in der EU gegen die geplante Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) mit den USA zeigt. Das Drängen von Bundeskanzlerin Merkel und US-Präsident Obama auf einen Abschluss des Abkommens noch 2016, facht die Abneigung noch an. Der Beweggrund dahinter ist die Befürchtung, durch die Vereinbarung etwas vom eigenen Wohlstand abgeben zu müssen.
Dieser Einwand ist zunächst berechtigt. Schließlich kann eine Öffnung des Handels auf eine Neuordnung der Produktion in einigen Branchen samt Arbeitsplatzverlusten und Einkommensumverteilung hinauslaufen. Dies wird jedoch aufgewogen durch die Tatsache, dass Handel grundsätzlich zu mehr Wirtschaftswachstum führt. Paradebeispiel dafür ist China, das dem Freihandel seinen Aufstieg verdankt. In der aktuellen Diskussion über niedrige Agrarpreise wird dabei gerne vergessen, dass gerade wir als Agrarbranche bei Milch und Schwein vom Freihandel profitieren.
Selbst über bilaterale Handelsabkommen wäre Chinas Aufstieg nicht möglich gewesen. Denn diese laufen auf Rosinenpickerei hinaus. Was die Welt braucht, ist ein wirklich freier Handel als Grundstein für die wirtschaftliche Entwicklung.

 

Markus Wolf