Sehenden Auges an die Wand!

 

Ferkelerzeuger. Kaum zu fassen – es gibt keine Fristverlängerung für den Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration. Man fragt sich, ob den Mitgliedern des Bundesrates wirklich klar ist, was das für die hiesige Sauenhaltung bedeutet. Die Folgen werden dramatisch sein, denn die deutschen Ferkelerzeuger ziehen so oder so den Kürzeren. Sie haben die Wahl zwischen vier Wegen, die nicht funktionieren:

• Überhaupt nicht kastrieren: Der Markt für Eberfleisch ist begrenzt, weitere unkastrierte Ferkel lassen sich gar nicht oder nur mit Preisabschlägen verkaufen.

• Kastrieren mit Isofluran. Die Zulassung für den Landwirt ist noch nicht da, ein Tierarzt muss anwesend sein. Die stehen aber gar nicht ausreichend zur Verfügung.

Und ob die Kosten weitergegeben werden können, ist noch eine ganz andere Frage.

• Impfen mit Improvac: Hier fehlen die Abnehmer. Die Mäster haben Arbeit und Kosten durch dieses Verfahren – da kaufen sie doch lieber Ferkel aus den Nachbarländern.

• Der 4. Weg, die Lokalanästhesie, wird – wenn er überhaupt weiterverfolgt wird – frühestens in zwei Jahren zur Verfügung stehen. So lange kann kein Ferkelerzeuger warten!

Aus Sicht des Tierschutzes besteht auch überhaupt kein Grund zum Jubeln. Wir werden künftig noch mehr auf dänische Ferkel zurückgreifen, die dort vom Landwirt unter Lokalanästhesie kastriert und dann hierher transportiert werden. Wo ist da der Tierschutzvorteil? Bleibt es bei dem Bundesratsbeschluss, ist ein gewaltiger Strukturbruch eingeläutet, das Aus für Ferkelerzeuger, die keinen verlässlichen Abnehmer für Eberferkel haben – und das sind die meisten. Weitermachen können nur die, die ihren Tierarzt frühzeitig und langfristig buchen konnten – das sind die wenigsten. Jetzt hängt alles am Bundestag: Ändert der nicht schnell die entsprechenden Gesetze, fährt die Ferkelerzeugung an die Wand.

 

Lisa Langbehn