Russland ist nur der Sündenbock

 

Preiskrise. Die Milchpreise sind im Keller und es ist nicht absehbar, wann sie da wieder rauskommen. Auch die Schweinehalter haben eine sehr harte Zeit durchgemacht, aber immerhin bessert sich deren Lage. Den größten Teil der Schuld an beiden Krisen, so hört man es immer wieder, trügen die Bundesregierung bzw. die EU mit ihrem unsäglichen Russland-Embargo bzw. der Antwort der Russen darauf. 
Aber stimmt das eigentlich? Haben unsere Milch- und Schweinefleischexporte tatsächlich so sehr darunter gelitten? Oder haben sich nur Handelsströme verschoben? Wenigstens bei der Milch spricht eine Menge für diese Vermutung. Denn gemessen an 2013, in dem die Milchexporte nach Russland auf Rekordstand stiegen, fehlt im Russlandexport der Absatz für gut 3 Mio. t Milch. Aber obschon auch die Chinesen seit 2014 weniger Milch importieren, stiegen die Exporte der EU seit 2013 insgesamt um 1 Mio. t Milch. Die Vermutung liegt nahe, dass sich einfach nur Warenströme verschoben haben und das Exportwachstum der EU mit der wachsenden Milchproduktion, seit 2013 immerhin plus 8 Mio. t, schlicht nicht mithalten konnte.
Nicht anders ist es beim Schweinefleisch. Der russische Markt ist zwar weg, aber die EU-Exporte kletterten 2015 auf einen neuen Rekordwert und werden dieses Jahr aller Voraussicht nach weiter steigen.
Das lässt nur einen Schluss zu: Die Misere ist hausgemacht, sprich durch Kapazitätsausbau verursacht. Nicht das Russland-Embargo oder eine schwache Nachfrage aus China führen zu den miesen Preisen. Sondern der Verdrängungswettbewerb der Tierhalter in der EU und auch innerhalb Deutschlands untereinander.

 

Dr. Christian Bickert