Nur mithilfe des Staates?

 

Nothilfen. Bauernpräsident Rukwied hat hoch gepokert – und das zahlt sich aus: Betriebe, die durch die Dürre in Existenznot geraten sind, sollen mit bis zu 340 Mio. € unterstützt werden. Das ist gut viermal so viel wie im letzten großen Trockenjahr 2003.

Nothilfen muss trotzdem niemand bejubeln. Denn diese Ad hoc-Hilfen sind alles andere als förderlich für unser Image, wirken immer zu spät und sind darüber hinaus der falsche Anreiz. Der Staat darf nicht die Fehler einiger Betriebe ausgleichen und zugleich jene leer ausgehen lassen, die gut wirtschaften. Gute Betriebe sind genauso betroffen, halten das aber auch aus. In Sachen Risikovorsorge mag es trotzdem Nachholbedarf geben. Deshalb ist es spätestens jetzt an der Zeit, sich wieder verstärkt Gedanken über den Aufbau einer betriebseigenen Krisenreserve zu machen. Das tun auch die Verbände und die Politik: Steuerregelungen wie die Risikoausgleichsrücklage oder auch Versicherungslösungen werden diskutiert. Nur ist ein Durchbruch nicht zu erwarten, haben diese Instrumente doch ganz grundsätzliche Schwächen.

Die seit Jahren gebetsmühlenartig geforderte Risikoausgleichsrücklage ist augenscheinlich mehr ein Steuersparmodell denn ein Instrument zur Schaffung eines Notgroschens. Ganz zu schweigen von dem bürokratischen Aufwand, den eine solche Regelung auslöst. Versicherungen können natürlich dabei helfen, Witterungsrisiken zu minimieren. Nur muss man wissen, dass Dürreversicherungen am Markt nicht funktionieren – nicht nur nicht in Deutschland, sondern nirgends auf der Welt. Zwar gibt es entsprechende Absicherungsprodukte, nur sind diese schlicht zu teuer. Die USA, aber auch Italien, Spanien oder Frankreich subventionieren deshalb die Versicherungsprämien. Direktzahlungen zu Versicherungssubventionen umwidmen, von denen ein erklecklicher Anteil bei den Versicherern hängen bleibt – wollen wir das wirklich?

Was es braucht, ist eine eigenverantwortliche, unternehmerische Risikovorsorge, statt bei jeder Wetter oder Preiskapriole als Bittsteller bei der Politik auftreten zu müssen. Ansparen ist dabei der wichtigste Mechanismus. Die alte ökonomische Grundregel: eine Ernte auf dem Halm, eine in der Scheune und eine dritte auf dem Bankkonto kennt schließlich jeder. Der überhitzte Wettbewerb um Fläche oder die heftigen Preiskrisen der vergangenen Jahre lassen den Aufbau von Rücklagen für Ausreißerjahre zwar wie eine Herkulesaufgabe erscheinen. Doch Landwirte sind nun mal auch Unternehmer, die für das Risiko des Wirtschaftens geradestehen müssen. Dabei auf den Staat zu setzen, kann nicht auf Dauer die Lösung sein. Schluss damit!

 

Thomas Künzel