Nur besser als nichts?

 

Interessengemeinschaft. Die Idee einer Branchenorganisation Milch ist auf Eis gelegt. Stattdessen haben ehrenamtliche Vertreter (also Milchbauern) von fünf Genossenschaftsmolkereien die »Interessengemeinschaft Milch« gegründet. Sie fühlen sich bisher unzureichend durch Bauernverband, Milchindustrieverband und Raiffeisenverband vertreten.
Eine Interessengemeinschaft ist besser als nichts, wenn schon eine Branchenorganisation nicht zustande kommt – könnte man meinen. Denn immerhin soll die Interessengemeinschaft Milch bisher nicht genutzte EU-Gelder für die Absatzförderung abrufen können. Zusätzliches Geld aus Brüssel ist natürlich immer willkommen, aber es muss auch sinnvoll verwendet werden. Und das ist der Knackpunkt. Denn die neue IG Milch hat angekündigt, zunächst das Tierwohl und die Nachhaltigkeit in der Milchviehhaltung sowie die Prüfung von Modellen zur Milchpreisabsicherung angehen zu wollen. Also nichts Neues und vor allem keine Probleme, die den Landwirten derzeit am meisten unter den Nägeln brennen. Von »heißeren« Themen wie den Lieferbeziehungen oder einer verbesserten Position der Erzeuger in der Wertschöpfungskette war bisher noch nicht die Rede. Will sich daran niemand die Finger verbrennen?
Grundsätzlich wäre eine Interessengemeinschaft, in der alle Ebenen der Branche eingebunden sind, eine exzellente Plattform. Wenn dies aber nicht gelingt und wichtige Themen fehlen, läuft die IG Milch Gefahr, nur ein weiterer »Verein« zu sein, der nicht viel bewirkt. Das wäre eine vertane Chance. Denn von solchen Organisationen haben wir schon genug.

 

Bianca Fuchs