Nicht überreglementieren!

 

Bodenmarkt. Die Pleite der KTG Agrar und deren Abwicklung sind Wasser auf die Mühlen derjenigen, die eine strengere Regulierung der Bodengesetzgebung fordern. Schließlich ist ein Großteil der Flächen an Finanzinvestoren gegangen, ortsansässige Landwirte kamen nicht zum Zuge. Besteht tatsächlich Handlungsbedarf? Ist die Übernahme von Anteilen bodenbesitzender Unternehmen über das Grundstückverkehrsgesetz zu reglementieren? Ich denke, das kann nicht funktionieren. In meinen Augen ist die Landwirtschaft kein benachteiligter Sektor, der einen besonderen Schutz vor den Kräften des Marktes und insbesondere des Wettbewerbs braucht. Kapital bahnt sich seinen Weg, ganz gleich, welche Regeln die Agrarminister dazu aufstellen. So wird sich »das Problem« mit den Investoren von selbst lösen, nämlich dann, wenn die Zinsen am Kapitalmarkt wieder steigen. Denn die Renditen in der Landwirtschaft werden niemals mit den Erwartungen dieser Leute Schritt halten können. Die Preise für den Acker werden sich wieder abkühlen und auch mal rückwärts entwickeln. Es gibt keinen Markt, der nur nach oben läuft.

Gefahren für die Agrarstruktur können zudem nicht bestehen, da die Veräußerung von Geschäftsanteilen an dieser nichts ändert. Es hat vielmehr den Anschein, als wolle man über das Bodenrecht Strukturpolitik »durch die Hintertür« machen. Das ist brandgefährlich. Ein Betrieb, der auslaufende Pachtverträge nicht mehr selbst verlängern oder seine bisher bewirtschafteten Flächen nicht kaufen kann, verliert das Wichtigste, nämlich das Vertrauen zu seinen Verpächtern, seinen Eigentümern, seinen Mitarbeitern – und ist zur Schrumpfung verurteilt.

 

Thomas Künzel